Lexikon Ernteeinsatz

Immer wenn der Herbst vor der Tür stand, rüsteten sich Schulklassen und Studenten in den Städten und den Dörfern zu Ernteeinsätzen auf den Feldern des Umlandes. Die Herbstferien hatten ihren Namen weg: Kartoffelferien. Für einen gesammelten Korb gab es fünf Pfennig. Außerdem gab es deftig zu essen und am Abend viel Spaß mit der Dorfjugend.

War das Wetter ungünstig, tauschten auch Arbeiter und Angestellte der Großbetriebe die Werkbank und den Schreibtisch mit dem Rüben- oder Kartoffelacker. Die SED machte die Sorgen wegen fehlender Erntetechnik zur Tugend und verklärte die Ernteeinsätze zur Bündnispflicht im "ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden".

Schon in den Anfangsjahren mussten unter diesem propagandistischen Vorzeichen Industriearbeiter zeitweilig aufs Land. Sie bildeten die Kader auf den entstehenden Maschinenausleihstationen (MAS) und späteren Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS). Gleichzeitig sollten sie den Einfluss der Arbeiterklasse auf dem Lande sichern. Schließlich waren Tausende Bauern vor der drohenden Kollektivierung der Landwirtschaft in den Westen geflohen.