Chronik der DDR-Geschichte 1985 bis 1990

1985

13. Februar
Feierliche Wiedereröffnung der kriegszerstörten Semper-Oper in Dresden.
12. März
Anlässlich der Beisetzungsfeierlichkeiten für den am 10. März verstorbenen Tschernenko kommt es in Moskau zu einem erneuten Treffen zwischen Honecker und Kohl.
10. März
Michail Gorbatschow wird in der Sowjetunion zum Staats- und Parteichef gewählt.

1986

9. Februar
Die DDR erweitert die Reisemöglichkeiten in dringenden Familienangelegenheiten.
17. – 21. April
XI. Parteitag der SED. Der als Ehrengast anwesende Gorbatschow fordert zur "Selbstkritik" auf.
25. März
In einem offenen Brief an die DDR-Regierung bittet die Weimarer Friedensbewegung um Veröffentlichung eines "Appells zum UN-Jahr des Friedens". Darin werden mehr Reisefreiheit und Mitbestimmung sowie die Einhaltung der Menschenrechte eingefordert.
6. Mai
Unterzeichnung des Kulturabkommens zwischen der DDR und der BRD in Ost-Berlin.
6. Oktober
Saarlouis und Eisenhüttenstadt schließen die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft.
10./11. November
Gipfeltreffen der Warschauer-Pakt-Staaten, Gorbatschow kündigt Liberalisierung der sowjetischen Osteuropapolitik an.

1987

10. April
SED-Chefideologe Kurt Hager vergleicht in einem "Stern"-Interview die Perestroika mit einem "Tapetenwechsel", den der "Nachbar" DDR ja nicht zwangsläufig nachahmen müsse.
8 . Juni
In Berlin kommt es am Brandenburger Tor zu Zusammenstößen zwischen DDR-Sicherheitskräften und Jugendlichen, die ein auf westlicher Seite stattfindendes Rockkonzert mitverfolgen wollen.
17. Juni
Abschaffung der Todesstrafe in der DDR.
1. – 18. September
Olof-Palme-Friedensmarsch in Ostberlin und weiteren Orten der DDR unter Beteiligung unabhängiger Friedensgruppen.
7. – 11.September
Erich Honecker reist zu einem offiziellen Arbeitsbesuch in die Bundesrepublik Deutschland. Gespräche mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Kohl.

1988

17. Januar
Anlässlich der Gedenkdemonstration zu Ehren von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin werden über 100 Personen festgenommen, die mit dem Luxemburg-Zitat "Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden" demonstriert hatten.
13. Februar
Verhaftung von Demonstranten in Dresden, die auf einer Gedenkfeier anlässlich der Zerstörung der Stadt die Einhaltung der Menschenrechte forderten.
18. November
Die deutsche Ausgabe der sowjetische Monatszeitschrift "Sputnik" wird von der Postzeitungsliste gestrichen.

1989

19. Januar
Vor dem Thomas-Münzer-Komitee vertritt Erich Honecker die Auffassung, dass die Mauer "in fünfzig oder auch in hundert Jahren noch bestehen" werde.
6. Februar
Beim Versuch, die Berliner Mauer von Ost nach West zu überwinden wird der 20jährige Chris Gueffroy von DDR-Grenzsoldaten erschossen (letztes Maueropfer).
3. April
Der Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze wird ausgesetzt.
2. Mai
Die Volksrepublik Ungarn beginnt mit dem Abbau der Grenzbefestigungen nach Österreich.
7. Mai
Bürgerrechtler beanstanden bei den DDR-Kommunalwahlen massive Wahlfälschungen.
8. Juni
In einer Stellungnahme bewertet die Volkskammer der DDR das Massaker auf dem Pekinger "Platz des himmlischen Friedens" am 4. Juni als "Niederschlagung einer Konterrevolution".
ab Juli
DDR-Bürger flüchten über Ungarn nach Österreich oder suchen Zuflucht in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ostberlin und in den bundesdeutschen Botschaften in Budapest und Prag.
8. August
In Ostberlin muss die Ständige Vertretung der Bundesrepublik wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen werden.
10./11. September 1989
Ungarn lässt (ohne Absprache mit Ostberlin) alle Fluchtwilligen aus der DDR in den Westen ausreisen. Bis Ende September kommen über 25.000 Übersiedler auf diesem Weg in die Bundesrepublik.
19. September
"Neues Forum" beantragt als erste DDR-Oppositionsgruppe die offizielle Zulassung als Vereinung (am 20. September als "staatsfeindlich" abgelehnt).
30. September
5.500 DDR-Bürger, die sich in der völlig überfüllten Prager Botschaft befinden, erhalten die Genehmigung zur Ausreise. Sie werden ab dem 4.Oktober mit Sonderzügen der Deutschen Reichsbahn in die Bundesrepublik gebracht.
2. Oktober
In Leipzig demonstrieren 20.000 Menschen für Reformen in der DDR. Die Sicherheitsorgane nehmen zahlreiche Demonstranten fest.
3. Oktober
Die DDR-Regierung setzt den visafreien Reiseverkehr in die Tschechoslowakei aus.
4. – 8. Oktober
In Dresden werden bei Auseinandersetzungen zwischen Ausreisewilligen, Demonstranten und Sicherheitskräften über 1.300 Personen festgenommen.
6. – 7. Oktober
Festveranstaltungen zum 40. Jahrestag der DDR. Zahlreiche DDR-weite Demonstrationen für Meinungsfreiheit und Reformen werden brutal aufgelöst und mehrere tausend Demonstranten festgenommen.
9. Oktober 1989
70.000 Menschen demonstrieren in Leipzig für eine demokratische Erneuerung des Landes. Erstmals halten sich die Sicherheitskräfte zurück. In Dresden empfängt Oberbürgermeister Berghofer (SED) eine Abordnung der Demonstranten, die ihm einen Forderungskatalog übergibt.
18. Oktober
Auf der 9. Tagung des ZK der SED wird Erich Honecker "auf eigenen Wunsch" von allen Ämtern entbunden. Egon Krenz wird neuer Generalsekretär der SED.
24. Oktober
Volkskammer wählt Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates.
4. November
Im Rahmen einer "genehmigten" Großveranstaltung demonstrieren auf dem Ostberliner Alexanderplatz mehr als 500.000 Menschen für Demokratie in der DDR.
7. November
Der DDR-Ministerrat tritt geschlossen zurück.
8. November
Auf der 10. Tagung des ZK tritt das bisherige Politbüro zurück.
9. November
Auf einer abendlichen Pressekonferenz verkündet das Mitglied des Politbüros Günther Schabowsky das sofortige Inkrafttreten neuer Reisebestimmungen für DDR-Bürger. Demnach soll die Ausreise in die Bundesrepublik und nach Westberlin jederzeit gestattet sein.
17. November
Die Volkskammer wählt einen neuen Ministerrat. Hans Modrow wird neuer DDR-Regierungschef.
3. Dezember
12. Tagung des ZK der SED: Auflösung von Politbüro und ZK. Parteiausschluss Honeckers, Mielkes und weiterer 10 Spitzenfunktionäre.
8. Dezember
Außerordentlicher SED-Parteitag lehnt Parteiauflösung ab. Gregor Gysi wird zum neuen Vorsitzenden gewählt.

1990

1. Februar
Neues Reisegesetz erlaubt die jederzeitige Reise ins Ausland.
1. März
Der DDR-Ministerrat beschließt die Umwandlung aller Kombinate in Kapitalgesellschaften sowie die Einrichtung einer Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung von Volkseigentum.
18. März
Erste freie Volkskammerwahlen. CDU wird stärkste Kraft.
12. April
Lothar de Maiziére (CDU) als neuer Ministerpräsident an der Spitze einer großen Koalition aus DDR-CDU, DSU, DA, BFD, DFP, DDR-FDP und DDR-SPD.
5. Mai
Beginn der "Zwei-plus-Vier-Gespräche" der Außenminister der vier Siegermächte und beider deutscher Staaten über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit in Bonn.
13. Juni
Die DDR-Grenztruppen beginnen mit dem Abriss der Berliner Mauer.
1. Juli
Inkrafttreten der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Damit wird die DM zum einzigen Zahlungsmittel in der DDR.
14. – 16. Juli
Besuch von Bundeskanzler Kohl in Moskau und im Kaukasus. Mit Gorbatschows Zustimmung zur NATO-Mitgliedschaft eines vereinten Deutschland fällt das letzte Hindernis auf dem Weg zur deutschen Einheit.
22. Juli
Die Volkskammer verabschiedet ein Ländereinführungsgesetz. Damit entstehen wieder die fünf Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg, die mit der Verwaltungsreform von 1952 abgeschafft und durch Bezirke ersetzt worden waren.
23. August
Die Volkskammer beschließt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes (Artikel 23 Grundgesetz) mit Wirkung vom 3. Oktober 1990.
12. September
Die Außenminister der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und der Bundesrepublik sowie der DDR-Ministerpräsident unterzeichnen in Moskau einen "Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland", mit dem das vereinte Deutschland die volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten erhält ("Zwei-plus-vier-Vertrag").
3. Oktober
Die DDR tritt dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei und hört damit auf zu existieren.

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2005, 18:03 Uhr