Lexikon des Alltags Breitensport

Walter Ulbricht präsentierte sich gern als Vorturner, zeigte sich beim Skilauf in Oberhof, beim Volleyballspiel oder beim Tischtennis mit Gattin Lotte. Von ihm stammt die Aufforderung, dass jedermann an jedem Ort zweimal in der Woche Sport treiben solle. Ein schöner Appell, der in der DDR aber nur schwer zu befolgen war. Es mangelte an Schwimm- und Sporthallen, an Tennis- und gut ausgestatteten Sportplätzen. Deshalb entdeckte der DTSB, der Deutsche Turn- und Sportbund, das Laufen als Massenbewegung.

Jedermann an jedem Ort, zweimal in der Woche Sport

Walter Ulbricht

Als sich aber tatsächlich Massen bewegten, ging dem Handel die Puste aus. Es fehlten Laufschuhe ... Dennoch hatten viele Spaß am Volkssport. Das ist vor allem Tausenden gut ausgebildeten Übungsleitern zu danken, die ihren großen und kleinen Schützlingen ihre Freizeit opferten. Auch an vielen Wochenenden im Jahr fuhren sie mit ihren Mannschaften zu Wettkämpfen und Meisterschaften, oftmals ehrenamtlich. Finanziell spielte der Breitensport aber zunehmend die zweite Geige innerhalb des DTSB. Besser dran waren lediglich die Betriebssportgemeinschaften, die ein leistungsstarkes Kombinat hinter sich hatten.

Im Nachwuchsbereich war natürlich alles möglich
"Bummisportfest" im Kindergarten, Sportfeste an den Schulen, Kinder- und Jugendspartakiaden in den Kreisen, Bezirken und auf Republiksebene - das waren mögliche Treppenstufen auf ein internationales Siegerpodest. Hier lag eines der Geheimnisse der DDR-Erfolge im Spitzensport. Das natürliche Bestreben der Kleinen, das Beste im Wettkampf zu geben, kam einer systematischen Sichtung des Nachwuchses entgegen. Sie begann schon unter den Knirpsen im Kindergarten. Regelmäßig waren Trainer und Ärzte unterwegs und vermaßen zwischen Fichtelberg und Kap Arkona die Mädchen und Jungen.

Schon frühzeitig fanden sie heraus, wer sich später zum Ruderer, Hürdenläufer oder eher zum Turner eignen könnte. Für ein entdecktes Talent führte der Weg über Trainingszentren in der Nähe des Heimatortes zur sich anschließenden Ausbildung an eine Kinder- und Jugendsportschule, die in der Regel in den Bezirksstädten bestanden. Ein Weg, den nicht alle Eltern mitgingen. Das stand ihnen frei. Viele aber waren stolz auf die Begabung ihres Kindes. Denn von Sportschulen konnte es steil bergauf in die olympische Arena gehen, wenn die Leistung stimmte und die Sportart. Denn mehr und mehr konzentrierte sich die Talentauswahl und intensive Sportförderung auf die olympischen Sportarten, die eine besondere Medaillenausbeute versprachen. Die intensive Förderung des Spitzensports ging aber auch immer mehr zu Lasten des Breitensports.

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2009, 13:20 Uhr