Lexikon Gespräch mit dem "Goldenen" Ehepaar Friesecke

Das Ehepaar Friesecke erlebte während seiner Ehe auch die 40 Jahre DDR. Die beiden Magdeburger Erika (76) und Karl (80) Friesecke feierten im August ihre Goldene Hochzeit. Wenige Wochen bevor die DDR aus der Taufe gehoben wurde, gaben sie sich das Ja-Wort. Während ihrer Tätigkeit als Maschinenarbeiter lernten sich die beiden kennen und lieben.

MDR: 1949 herrschte ja Mangel an allem und jedem. Wie feierte man damals Hochzeit?

Erika Friesecke: Schlicht und einfach haben wir geheiratet. Viel konnten wir uns nicht leisten bei den Stundenlöhnen von 50 oder 70 Pfennig in der Stunde. Verwandte vom Land hatten uns etwas Mehl besorgt, damit wir wenigstens zwei Kuchen backen konnten.

Eine eigene Wohnung war sicher nicht leicht zu bekommen?

Karl Friesecke: Na ja, wir hatten ein wenig Glück. Erst wohnten wir in zwei Zimmern einer Baracke. Da hatten wir uns so gut es ging eingerichtet, keine Küche, nur eine Kochstelle. Dann gab es für uns 1955 eine richtige Neubauwohnung. Wir wohnen heute noch im gleichen Haus. Die Zuweisung gab es über den Betrieb. Die Häuser sollen vorfristig fertig geworden sein, weil Walter Ulbricht Magdeburg besuchte und man sie ihm zeigen wollte. Ich war an TBC erkrankt und deshalb wurden wir bevorzugt mit einer Wohnung versorgt.

Wenn man die ganzen 50 Jahre zurückblickt, wie ging es Ihnen in der DDR?

Erika Friesecke: Ja, Geld hatten wir nie im Überfluss. Mein Mann blieb in seinem Beruf und arbeitete bis zur Rente in der Technischen Hochschule, ich blieb im Betrieb als Büroangestellte. Für ein Auto hat's bei uns nie gereicht. Trotzdem ging es uns ganz gut. Die Kollektive im Betrieb waren gut. Wir gingen zusammen aus, mal ins Theater, demonstrierten gemeinsam am 1. Mai. Das gehörte alles zusammen. Es wurde eben viel im Betrieb organisiert und gemacht.

Karl Friesecke: Auf Urlaub haben wir nie verzichtet. Wir blieben eigentlich immer in der DDR. Im Betrieb gab es Ferienplätze, wir fuhren in den Harz oder an die Ostsee. Gerade an der Ostsee mussten wir uns oft selbst versorgen. Das war gar nicht so einfach, Brötchen und Brause waren im Sommer oft nur eine Phantasie.

Wie erlebten Sie die Versorgung in den 40 Jahren DDR?

Erika Friesecke: Nachdem es in den 60er Jahren wirklich aufwärts ging, kamen in den 70er und 80er Jahren die Rückschläge. Die Delikat- und Exquisit-Geschäfte mit ihren hohen Preisen machten auf. Insgesamt aber gab es im Laufe der Zeit weniger. Wir halfen uns auf andere Weise.

Karl Friesecke: Im eigene Garten bauten wir viel Obst und Gemüse an. So hatten wir eigentlich alles, was wir brauchten.

Die fehlende Reisefreiheit, wie spürten Sie die?

Erika Friesecke: Am deutlichsten, als ich 1983 zur Hochzeit meiner Schwester in den Westen fahren durfte und mein Mann nicht mit durfte. Als wir beide Rentner waren, ging das dann problemlos.

(Erstveröffentlichung 1999)

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2004, 21:43 Uhr