Lexikon Interview mit Erika Krause, "Du und Dein Garten"

"Du und Dein Garten" war eine der erfolgreichsten Sendungen im Fernsehen der DDR. Seit 1968 wurde sie ausgestrahlt und erreichte Einschaltquoten von bis zu 30 Prozent. Die Frau, die die Idee zu dieser Ratgeber-Reihe hatte, ist Erika Krause.

MDR: Der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) war nach dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund die zweitgrößte Organisation in der DDR. Weshalb war das Kleingärtnern so beliebt?

KRAUSE: Für viele Familien war es ganz einfach eine sinnvolle und auch billige Freizeitgestaltung. Die Pacht für Kleingärten fiel nicht ins Gewicht. Überall entstanden blühende Oasen. Außerdem war die Atmosphäre in den meisten Sparten sehr angenehm. Die Kinder spielten zusammen, es wurden gemeinsame Feste organisiert, die Kleingärtner pflegten eine freundschaftliche Nachbarschaft, halfen sich gegenseitig. Das war und ist auch heute noch sehr viel wert. Und die Kleingärten waren natürlich eine Fluchtburg: Raus aus den grauen Plattenbauten der Neubaugebiete und rein in das blühende Paradies. Da jubelte das Herz. Sicher dienten die Kleingärten auch als Ersatz für fehlende Reisemöglichkeiten. Wer zum Beispiel keinen FDGB-Platz bekam, beim Reisebüro niemanden kannte, dem blieb oft nichts anderes übrig als Entspannung im eigenen Garten zu tanken.

Ein Kleingarten war für viele auch eine zusätzliche Einnahmequelle, denn was die Kleingärtner bei den Sammelstellen ablieferten, war nicht nur eine feste Größe im Versorgungsplan der DDR, sondern brachte auch richtig Geld.

Das war vielleicht ein Grund, weshalb viel mehr Menschen einen Garten haben wollten, als zur Verfügung standen. Die Wartezeiten dauerten oft Jahre. Aber der Hauptgrund war das zusätzliche Geld sicher nicht. Dieses Abliefern trieb übrigens merkwürdige Blüten. Wenn die Kleingärtner ihre Petersilie, ihre Kirschen, Radieschen oder Birnen zur Sammelstelle brachten, dann bekamen sie dafür mehr Geld als der Kunde später dafür bezahlen musste. Deshalb wurde es für so manchen geschäftstüchtigen DDR-Bürger zum Hobby, dass er zum Beispiel im Gemüseladen einen Sack grüne Bohnen für 10 Mark kaufte und den dann bei einer Sammelstelle ablieferte und das Doppelte dafür bekam ... So verdreht war gelegentlich die Preispolitik der DDR. Manche Kleingärtner verkauften ihr frisches Obst und Gemüse direkt an Hotels und Gaststätten, da entstanden regelrechte Partnerschaften - gewinnbringend für beide Seiten.

Haben Sie in "Du und Dein Garten" auch Tipps gegeben, was sich für die Kleingärtner finanziell besonders lohnt anzubauen?

Also, wenn wir in unserer Sendung beispielsweise gesagt haben, dass es schön wäre, wenn es mehr frischen Knoblauch gäbe, dann baute die Republik Knoblauch an. Das Gleiche passierte mit Zucchini oder Fenchel. Die Gemüseläden, Gaststätten, Hotels usw. waren glücklich und die Kleingärtner zufrieden. Und dem Staat sparten wir so die knappen Devisen.

In der DDR war vieles Mangelware - das war auch beim Gartenbedarf oft nicht anders. Wurde in den Inhalt Ihrer Sendung eingegriffen, wenn es irgendetwas mal wieder nicht gab?

Das hielt sich in Grenzen. An zwei Dinge kann ich mich erinnern. Einmal war unsere Sendung zu Gast in einer Gartensparte. Da haben wir gemeinsam mit den Kleingärtnern eine Grillparty organisiert. Ein kleiner niedlicher Junge biss dabei so richtig herzhaft in ein gegrilltes Würstchen. Diese Szene durfte nicht gesendet werden. Würstchen waren in der Grillzeit naturgemäß knapp. Das andere Beispiel: In einer vorweihnachtlichen Ausgabe von "Du und Dein Garten" wollten wir die Kerzen am Adventskranz anzünden. Das wurde untersagt, weil es mal wieder nicht genügend Kerzen zu kaufen gab. Nichts Weltbewegendes also, eher etwas zum Schmunzeln.

Frau Krause, was machte den Reiz Ihrer Sendung aus?

Wir haben zu Beginn ein Stück Neuland betreten, denn Ratgebersendungen gab es im DDR-Fernsehen bis dato kaum. In "Du und Dein Garten" ging es nicht um "die politische Rolle der Bedeutung des Kleingartens in den Kämpfen unserer Zeit", um es mal scherzhaft zu sagen, sondern es ging um ganz praktische Dinge für Kleingärtner, um Sachen, die ihnen bei der Bestellung ihrer Gärten weiterhalfen. "Du und Dein Garten" war und ist eine sehr lebensnahe, eine sehr praktische Sendung. Das machte und macht ihren Reiz aus - auch heute noch. Im letzten Jahr feierte "Du und Dein Garten" sein 30-jähriges Jubiläum - und noch heute ist die Sendung so beliebt wie zu Anfang.

(Erstveröffentlichung 1999)

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2004, 22:09 Uhr