Lexikon Lehrerausbildung in der DDR

Mathematikunterricht 1967
Mathematikunterricht in der DDR 1967 Bildrechte: dpa

Den Lehrern war in der DDR hinsichtlich der Verwirklichung politischer Zielstellungen eine wichtige Rolle zugedacht. Entsprechend war auch auf den Ort ihrer Ausbildung, die Pädagogischen Hochschulen (PH), ein besonderes Augenmerk gerichtet. Diese waren, wie alle pädagogischen Bildungseinrichtungen, dem Ministerium für Volksbildung unterstellt. Die ersten PH entstanden 1947 in Berlin und ein Jahr später in Potsdam. Mit ihrer Gründung sollte die Lehrerausbildung verbessert werden. In der Zeit der Entnazifizierung war der Unterricht zunächst überwiegend durch schlecht ausgebildete Neulehrer gehalten worden.

Neuorientierung in der Nachkriegszeit

Mit Beschluss des Parteivorstands der SED vom 24.8.1949 ("Schulpolitische Richtlinien für die neue demokratische Schule") erhielten Unterstufenlehrer (Klasse 1-4) eine zweijährige Ausbildung an den sogenannten Instituten für Lehrerbildung (IfL). Oberstufenlehrer für die damals achtjährige Grundschule (Klassen 5-8) hatten ab 1953 ein viersemestriges Studium an den "Pädagogischen Instituten" (PI), später Pädagogische Hochschulen, zu absolvieren. 1955 verlängerte sich die Lehrerausbildung auf drei Jahre, später sogar auf vier. Auch die Studieninhalte und Prüfungsbedingungen wurden immer wieder reformiert: insbesondere 1959, als die Schulpflicht auf zehn Jahre erhöht wurde und dies zugleich neue Anforderungen an die Lehrerausbildung bedeutete.

Mit dem Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem von 1965 erfolgte auch auf die Lehrerausbildung ein gewisser "Modernisierungsdruck". Die Folge war eine zunehmende Akademisierung des Studiums, was insbesondere für die Oberstufen-Diplomlehrer galt. Aufgrund eines Politbürobeschlusses vom 18.3.1980 wurde die Ausbildungsdauer ab 1982 schrittweise auf fünf Jahre verlängert, wobei der größte Teil letzten Studienjahres einem "großen Schulpraktikum" vorbehalten blieb.

Lehrerausbildung in den 1980er-Jahren

In den 1980er-Jahren gab es in der DDR für die Ausbildung in pädagogischen Berufen, d.h. für Kindergärtnerinnen, in Heimen und Horten tätige Erzieher sowie Unterstufen-Lehrer, 17 Pädagogische Schulen und 30 Institute für Lehrerbildung. Die Oberstufen- bzw. Diplomlehrer wurden auf Hochschulebene ausgebildet: in den inzwischen zu PH umgewandelten PI sowie an den Pädagogischen Fakultäten der Universitäten und Technischen Hochschulen. Berufs- und Sonderschullehrer konnten nach der Grundausbildung entsprechende Zusatzstudien absolvieren. Für den Unterricht in den Klassen 11 und 12 der EOS war kein gesondertes Studium erforderlich. Die dort tätigen Diplomlehrer wurden nach mehrjähriger Berufserfahrung an einer POS in der Regel aufgrund ihrer politischen Haltung und fachlichen Leistungen durch die Schulverwaltungen für den höheren Schuldienst ausgewählt. Die Mehrzahl der Diplomlehrer hatte an den PH die Lehrbefähigung für zwei Fächer erworben.

Der Anteil der Lehrerstudenten betrug seit 1970 etwa 20 Prozent aller Studierenden – und war zum größten Teil weiblich. 1981 lag die Frauenquote der zukünftigen Diplomlehrer bei fast 75 Prozent, bei den Fachschulstudenten (Unterstufenlehrer) sogar noch wesentlich höher.