Lexikon Technische Hochschulen in der DDR

Neben den Universitäten spielten in der Wissenschaftslandschaft der DDR auch die unterschiedlichen Hochschulen eine wichtige Rolle, insbesondere für die wissenschaftlich-technische Entwicklung in der Wirtschaft.

Entwicklung einer neuen technischen Intelligenz

Nachdem auf der II. Parteikonferenz der SED im Juli 1952 mit Hinblick auf den "Aufbau der Grundlagen des Sozialismus" auch die "Entwicklung einer neuen technischen Intelligenz aus den Reihen der Arbeiterklasse und der mit ihr verbundenen Schichten" gefordert wurde, beschloss der Ministerrat Maßnahmen zur weiteren Entwicklung wissenschaftlich-technischer Kader mit Hochschulausbildung, wofür – so die Meinung – die bestehenden Universitäten und Hochschulen nicht ausreichten. Bis 1955 entstanden in der DDR sieben Technische Hochschulen (TH), sieben Pädagogische Institute (PI) mit Hochschulcharakter, drei Medizinische Akademien, drei Künstlerische und zwei Landwirtschaftliche Hochschulen sowie eine Ökonomische Hochschule.

Praxisorientierte, hoch gebildete und sozialistisch erzogene Kader

Trotz dieser zahlreichen Neugründungen wurde auf der von der SED einberufenen IV. Hochschulkonferenz 1967 ein Zurückbleiben des Hochschulwesens hinter der wissenschaftlich-technischen Entwicklung konstatiert. Forschung und Lehre sollten nun so profiliert werden, dass sie "praxisorientierte, hoch gebildete und sozialistisch erzogene Kader hervorbringen und zur maximalen Steigerung des Nationaleinkommens beitragen" konnten. Mit der 3. Hochschulreform sollte das Hochschulwesen in Struktur und Wirkungsweise auf die Belange der Volkswirtschaft und auf gestiegene wissenschaftlich-technische Ansprüche ausgerichtet werden. Um einer zeitgemäßen Ausbildung als auch der dringend benötigten Verstärkung des naturwissenschaftlich-technischen Personals gerecht zu werden, wurden 1969 zehn neue Ingenieurhochschulen (IHS) gegründet bzw. schon bestehende Institutionen der Technikerausbildung in den Rang einer IHS erhoben. Somit erfolgte seit den 70er Jahren eine Intensivierung der praxisnahen Ausbildung an technischen und landwirtschaftlichen Hochschulen. Die TH Karl-Marx-Stadt (1986) und die TH Magdeburg (1987) wurden jeweils in Technische Universitäten umgewandelt. Enge Beziehungen zu Kombinaten und Betrieben ergänzten das neue Konzept.

Neue Studienkonzepte

Diplomingenieure bzw. Diplomingenieurökonomen wurden in einem vierjährigen, überwiegen produktions- und praxisorientierten Studium ausgebildet. Die IHS konzentrierten sich in Lehre und Forschung auf technologische und technisch-ökonomische Probleme und Aufgaben und bildeten Ingenieure folgender Fachgebiete aus: Maschinenbau, Elektrotechnik, Werkstoffkunde, Verfahrenstechnik, Bauwesen, Verkehrswesen und -technik, Verfahrenschemie und Betriebswirtschaft. Damit war eine Erweiterung der Technischen Hochschulen (TH) um jenen Typ erfolgt, der darauf ausgerichtet war, Studenten für Einsatzgebiete auszubilden, in denen es um die rasche Überführung wissenschaftlich-technischer Erkenntnisse in die Produktion sowie um deren technologische Beherrschung im Produktionsprozess ging. Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums waren in der Regel das Abitur und eine Facharbeiterausbildung, wobei das Abitur auch in Sonderlehrgängen der IHS nachgeholt werden konnte. Hierzu nutzte man die Erkenntnisse der bis Anfang 60er-Jahre an den Universitäten bestehenden Arbeiter- und Bauernfakultäten.