Lexikon Gründung der DDR

Kriegsende | DDR-Gründung

Deutschland ist zertrümmert. 400 Millionen Kubikmeter Schutt und Asche bedecken im Mai 1945 das Land, schätzen die Alliierten. Im Juli 1945 schreibt das Potsdamer Abkommen fest, wie Deutschland unter den Siegermächten aufgeteilt werden wird. Zunächst soll das Land durch einen Kontrollrat gemeinsam verwaltet werden. Das Gebiet zwischen Elbe und Oder wird Sowjetische Besatzungszone.

Endlich Frieden

Es ist kein leichtes Los für die Bevölkerung. Doch nach zwölf Jahren Krieg ist man sich einig: "Lieber jeden Tag bei Brot und Wasser im Frieden als noch einen Tag Krieg zu erleben". Ab Sommer 1945 gibt es per Lebensmittelkarte (die "Friedhofskarte") pro Kopf und Tag 200 g Brot, 10 g Grütze, 300 g Kartoffeln und 15 g Zucker. Im Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone sind 20 Prozent aller Fabriken zerstört. Und das hat vorerst kein Ende.

Bis 1948 demontiert die Sowjetunion 50 Prozent aller Eisenhütten und Walzwerke, 55 Prozent der Einrichtungen der feinmechanischen und optischen Industrie und jedes zweite Gleis der Reichsbahnstrecken. 58,5 Prozent der laufenden Produktion müssen als Reparationsleistungen abgezweigt werden. Während die Westzonen drei Jahre nach Kriegsende durch 1,56 Milliarden Dollar Marshallplanhilfe unterstützt werden, muss die SED auf Druck Moskaus ablehnen.

Die Gründung der DDR

15. September 1949: Konrad Adenauer wurde in Westdeutschland zum Bundeskanzler gewählt. Einen Tag später traf eine SED-Delegation in Moskau ein. Elf Tage mussten die Genossen warten, dann war geklärt, wie die Gründung der DDR aussehen sollte. In Ost-Berlin war man seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet. Am 15. und 16. Mai war in der Sowjetischen Besatzungszone per Einheitsliste der 3. Deutsche Volkskongress gewählt worden. Als die SED merkte, dass die Einheitsliste keine Mehrheit bekommen würde, wurde die Auszählung wiederholt. Nun war das Resultat korrigiert: 61,1 Prozent der Wähler stimmten zu. Der "3. Deutsche Volksrat" konnte die Arbeit aufnehmen.

Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt,
Lass uns Dir zum Guten dienen,
Deutschland einig Vaterland.

Alte Not gilt es zu zwingen, und wir zwingen sie vereint,
denn es muss uns doch gelingen, dass die Sonne schön wie nie
|: Über Deutschland scheint. :|

Auszug aus der Nationalhymne der DDR. Text von J. R. Becher Musik von H. Eisler

Am 7. Oktober 1949, kurz nachdem die SED-Delegation aus Moskau zurückgekehrt war, rief sich der 3. Deutsche Volksrat zur Provisorischen Volkskammer aus; die bereits im Mai ausgearbeitete Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Am 11. Oktober wurde Wilhelm Pieck zum ersten Staatspräsidenten gewählt. Otto Grotewohl wurde Ministerpräsident, Johannes Dieckmann erster Präsident der Provisorischen Volkskammer. Ulbrichts Richtlinie von 1945 war aufgegangen: "Es muss alles demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben!"

(zuerst veröffentlicht am 16.02.2010)

Über dieses Thema berichtete der MDR Aktuell auch im: TV | 07.10.2014 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2017, 13:55 Uhr