Im Spannungsfeld Politik-Kirche Bischof Christoph Demke zur "Kirche im Sozialismus"

Der öffentlichen Lehre zufolge sollte der Sozialismus das Ende der Kirchen bedeuten. Doch selbst die Führungsspitze der SED hatte damit ihre Schwierigkeiten.

Die Formel "Kirche im Sozialismus" verteidigt der Altbischof Christoph Demke bis heute. Im Rückblick sieht er den in den 70er-Jahren entstandenen Begriff eigentlich als "eine Provokation". Mit der "Kirche im Sozialismus" waren zwei Dinge bewusst miteinander verbunden worden, die eigentlich nicht zu verbinden waren. Der öffentliche Lehre zufolge sollte der Sozialismus das Ende der Kirchen bedeuten. Doch selbst die Führungsspitze der SED hatte damit ihre Schwierigkeiten. Immer wieder musste Politbüromitglied Paul Verner seine Genossen daran erinnern, dass es so etwas wie eine sozialistische Kirche nicht gäbe.

Vielen Gemeindegliedern bedeutete die Formel der "sozialistischen Kirche" Erleichterung und Ermutigung zugleich: Es war möglich das Abenteuer Kirche zu wagen. Leider sei dies in Westdeutschland kaum, in der ökumenischen Bewegung aber sehr wohl verstanden worden. Wichtig sei auch gewesen, dass eine "Selbstbezeichnung der Gesellschaft ohne Gänsefüßchen benutzt wurde". Auf der einen Seite war dies hoch willkommen, andererseits aber auch verdächtig. Die Kirche erlangte so etwas wie eine offizielle Anerkennung.

Trotzdem war eine komplizierte Situation entstanden. Zwar konnte die Kirche die Formel "zum Nebelwerfen benutzen", auf der anderen Seite gab sie dem Staat die Chance zu "Vereinnahmungsstrategien. Zwar wurden die Verhältnisse anerkannt, doch gab es dadurch auch neue Reibungspunkte. Natürlich sei man mit der "Kirche im Sozialismus" in die Gefahr gelaufen, "Wahrheit eher zu verschleiern als deutlich auf den Tisch zu packen". An dieser Stelle "habe er "es vielleicht mitunter an der Deutlichkeit fehlen lassen, die nötig ist, wenn die Kirche spricht", so Christoph Demke heute.

Zur Person

Christoph Demke war von 1983 bis 1997 Bischof der Evangelischen Kirche in der Kirchenprovinz Sachsen. Geboren am 3. Mai 1935 im niederschlesischen Bunzlau, besuchte er die Heimoberschule Schulpforta bei Naumburg und studierte dann evangelische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend wirkte er in verschiedenen haupt- und ehrenamtlichen Kirchenfunktionen. 1983 übernahm Demke das Bischofsamt Werner Krusches. Im Februar 1990 wurde der Geistliche als Nachfolger von Werner Leich zum Vorsitzenden der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR gewählt. Dieses Amt übte er bis 1991 aus. Christoph Demke hat an zahlreichen Publkationen zur Rolle der Kirche in der DDR mitgearbeitet.


(Erstveröffentlichung 1999)

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2011, 13:16 Uhr