Zeitzeuge Teil 1 Hans Müncheberg: Ich habe eine Schuld abgearbeitet

Hans Müncheberg glaubt an den Endsieg. Für ihn als Napola-Schüler ist die Kapitulation eine Katastrophe. Doch mit den Folgen des Krieges konfrontiert, beginnt er umzudenken.

Hans Müncheberg, geboren 1929 in Templin in der Uckermarck, glaubt im Jahr 1945 noch fest an den Endsieg der Nationalsozialisten. Als Schüler der Napola Potsdam gehört er als 15-jähriger zum letzten Aufgebot der Hitler-Armee. Im April und Mai 1945 wird er zu den Kampfhandlungen in und um Berlin eingesetzt. Er erleidet schwere Verwundungen. Die Kapitulation der Deutschen ist für ihn eine Katastrophe.

Ende der 40er Jahre verschärft sich der Ton zwischen der Sowjetischen Besatzungszone und den Westzonen. Der kalte Krieg beginnt. Und damit verstärkt sich der ideologische Druck in der SBZ. Für Hans Müncheberg ist es die Zeit, in der er versucht, eine neue Orientierung zu finden, eine Mitschuld abzutragen und etwas Neues, Unbelastetes aufzubauen.

Aufbau auf dem Land: Der berühmte Befehl 209 der Sowjets proklamiert den Aufbau von 37.000 Neubauernhäusern. Doch in der Sowjetischen Besatzungszone ist das Baumaterial knapp. Nicht nur Gutshäuser, auch Scheunen und Ställe werden dafür abgerissen. Hans Müncheberg ist mit dabei. Doch die Aufbauhelfer wurden nicht überall mit offenen Armen empfangen. Manchmal seien sie auch mit Steinen beworfen wurden.

1948 erhält Hans Müncheberg dann doch ein Abzeichen, ein Aktivistenabzeichen, Aktivist der Ziegelsteinaktion 1948. Er sagt sich, na gut, da waren Ziegelsteine drauf zu sehen, die aufgehende Sonne. Das sei eine Art Dankessymbol gewesen. Hans Müncheberg ist jetzt Aufbauhelfer, wird FDJ-Funktionär und arbeitet in der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion, der Vorläuferin der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft (DSF) mit. Er glaubt nun auch an eine eigene Zukunft in der Sowjetischen Besatzungszone.

Doch Hans Müncheberg erhält eine weitere Chance, er darf sich gemeinsam mit anderen in der "Produktion bewähren". Nach einem Einsatz im Stahlwerk darf er dann doch studieren, zwar nicht Kernphysik, aber Pädagogik. Später kommt Hans Müncheberg zum Fernsehen und wird zahlreiche Schauspieladaptionen, Hörspiele, Erzählungen, Romane, medienhistorische und andere Publikationen verfassen und für seine Arbeiten mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht werden.

Napola nationalpolitische Erziehungsanstalten

Sergej Iwanowitsch Tulpanow war Chef der Informationsabteilung der Sowjetischen Militäradministration in Berlin-Karlshorst, aber der wohl wichtigste Mann hinter den Militärbefehlshabern, den sowjetischen Marschällen Sokolowski und Tschuikow.