Zeitzeuge Dietrich Anders

Als der Abschleppwagen das Auto von Dietrich Anders beim Autohaus Hessen-Kassel ablädt, staunen die Monteure nicht schlecht: ein Trabbi. Es ist der erste Zweitakter, der in der Westwerkstatt repariert werden soll. Dietrich Anders aus Ballstedt im Harz hatte sich wenige Tage nach der Grenzöffnung im November 1989 mit seinem zwölf Jahre alten Trabant auf große Fahrt begeben. Reiseziel war Marburg, wo Tante und Onkel wohnten.

Doch dem Trabi ging schon in den Kassler Bergen die Luft aus. Der Motor versagte mitten auf der Autobahn. "Ein Mann hielt mit seinem Auto an und erklärte mir erst einmal, wie die Notrufsäule funktioniert", erinnert sich Dietrich Anders. Der Abschleppdienst bringt den Trabbi samt Familie Anders zum Autohaus Hessen-Kassel. Die Monteure finden den Trabbi zwar sonderbar, sind überzeugt, den Schaden beheben zu können. Die Ursache ist schnell gefunden: ein defektes Kühlungsrad. Acht Stunden dauert die Reparatur. Familie Anders hat weder etwas zu essen noch etwas zu trinken dabei. Die Monteure helfen mit ihrem Frühstücksbrot und Automatenkaffee aus.

Der Besuch bei Onkel und Tante gerät allerdings zum Desaster. Die Westverwandten hatten der Familie noch zu DDR-Zeiten ein Grundstück an der Ostsee geschenkt. Das wollen sie jetzt wieder haben. "Wir kümmern uns jetzt selbst da drum. Wir konnten ja nicht wissen, dass die Wende kommt. Das konnte ja keiner von uns ahnen. Jetzt kümmern wir uns um unser Grundstück wieder selbst", erklärte die Tante. Dietrich Anders ist geschockt: "Ich habe seit dieser Zeit die Tante und den Onkel nicht mehr."

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2011, 10:59 Uhr