Zeitzeuge Wolfgang Schlicht

Als Günter Schabowski am 9. November die neuen Reiseregelungen der DDR bekannt gibt, also praktisch die Grenzen öffnet, steht die DDR Kopf. Zwei Tage später erreicht der Befehl zur Grenzöffnung auch die entlegenen Gebiete im Harz. "Kurz vor zwölf kam ein Offizier vom Regiment und hat mir einen Brief übergeben, da stand drin, Sie haben zu gewährleisten, dass am 12. November um 6 Uhr der Grenzübergang Ellrich/Sorge notdürftig geöffnet wird", erinnert sich Wolfgang Schlicht.

Seit 1964 dient er bei den Grenztruppen der DDR. Als Techniker ist er verantwortlich für die Instandhaltung der Grenzanlagen im Harz. Dieser neue Befehl stellt mit einem Mal sein bisheriges Leben infrage.

Für solche Aufgaben sind Wolfgang Schlicht und seine Kollegen aber nicht ausgerüstet. Die innerdeutschen Grenzanlagen lassen sich nicht so einfach mit Spitzhacke, Schaufel, Spaten, und Handbagger beseitigen. Schwere Technik wird gebraucht. 24 Mann arbeiten von Mitternacht bis morgens 5. 30 Uhr, um die Grenze rechtzeitig öffnen zu können.Wie ein Lauffeuer spricht sich die Nachricht von den Bauarbeiten für den Übergang herum. Aus allen umliegenden Orten rollen Autos zur Grenze. Im Morgengrauen steht Wolfgang Schlicht dann mitten auf der Straße. Der Stabsoberfähnrich der Grenztruppen reiht die Autos aneinander, die in den Westen fahren wollen.

Heute führt der ehemalige Berufssoldat durchs Grenzlandmuseum in Bad Sachsa und erläutert die Sicherungsanlagen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und erzählt vom Alltag bei den Grenztruppen.