Zeitzeugin Maritta Böttcher

Maritta Böttcher wird im Herbst 1988 mit 34 Jahren zur 1. Sekretärin der SED-Kreisleitung im Kreis Jüterborg gewählt - keine leichte Aufgabe in dieser schwierigen Zeit. Es klemmt an allen Ecken und Enden und immer mehr Bürger gehen in den Westen.

"Wenn jemand, der immer pünktlich auf Arbeit war, plötzlich früh nicht kam, konnte man sich ziemlich sicher sein, dass er in den Westen gegangen sind", so die damalige SED-Kreissekretärin. Tagtäglich muss die 34-Jährige schwere Entscheidungen treffen, es gibt niemanden, den sie um Rat fragen könnte. Enttäuscht ist sie von denen, die ihr anfangs Mut gemacht haben: ‚Mädel, das schaffst du, überhaupt kein Problem. Wir sind doch alle da - ein Anruf genügt.' "Manchmal hätte ich mich gern irgendwo verkrochen und alles hinter mir gelassen. Aber ich wäre nicht in den Westen gegangen, dafür war ich viel zu sehr verwurzelt in der DDR. Und ich bin kein Mensch, der aufgibt", erklärt Maritta Böttcher. Sie schläft wenig in dieser Zeit. Die politischen Fragen lassen sie auch in der Nacht nicht los.

Doch nach wie vor ist sie vom System überzeugt und glaubt daran, dass diese Krise überwunden werden kann. Sie steht zu ihrer Verantwortung: "Ich hab mich da reingekniet und wir haben nach Lösungen gesucht, während sich die politischen Ereignisse überschlugen." Doch immer öfter kann sie die Fragen, die sie sich selbst stellt, nicht mehr beantworten und kommt nach und nach zu der Überzeugung, dass der Staat sich ändern muss, wenn sich etwas ändern soll. Als schließlich die Mauer fällt, ist für sie das Ende der DDR besiegelt. Sie ist wütend und traurig über die verpasste Chance, das Land zu reformieren.