Zeitzeuge in der Folge: Volk unter Kontrolle Andreas Schelzig

Andreas Schelzig ist Ringer. 1980 wird er für die Mannschaft der DDR für die Olympiade in Moskau aufgestellt. Da er nicht in die Partei eintreten will, wird er kurzerhand abberufen – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Für den Ringer ist damit die Karriere als aktiver Leistungssportler beendet.

Andreas Schelzig zieht mit seiner Familie nach Suhl, in einen Neubau nahe am Rennsteig. Er wird Trainer für den Ringernachwuchs. In dem Hauseingang leben zwölf Mietparteien – und keiner möchte die verordnete Aufgabe eines Hausvertrauensmannes übernehmen. Die Bewohner einigen sich darauf, dass jeder für zwei Jahre diese Funktion übernehmen soll. Von 1984 bis 1986 gehört es zu Andreas Schelzig Aufgaben, die Hausgemeinschaft zu leiten, das Hausbuch zu führen, Subotniks und Veranstaltungen zu organisieren.

Andreas Schelzig übernimmt diese Funktion nicht freiwillig. In das von ihm geführte Hausbuch müssen sich alle Besucher – ob aus Ost oder West – eintragen.

Für die Staatsorgane sind die Hausbücher Werkzeug zur Kontrolle der Bevölkerung.
Auch die Hausvertrauensmänner, die Augen und Ohren offen halten sollen, werden kontrolliert – zum Beispiel von den Abschnittsbevollmächtigten.
Eines Tages bekommt Andreas Schelzig unerwarteten Besuch. Der Eindringling stellt sich als Major der Staatssicherheit vor und kommt auch gleich zur Sache. Er will Auskünfte über einen Hausbewohner, der zum Reservistendienst in die NVA eingezogen werden sollte.

In der DDR ist das Netz zur Kontrolle der Bevölkerung perfekt ausgebaut. Wie eine Krake hat sich die Stasi seit Anfang der 80er Jahre überall breit gemacht. Minister Mielkes Ziel ist es, das es keine "weisse Flecken" geben darf - Kontaktleute aus allen gesellschaftlichen Bereichen sollen der Stasi zuarbeiten.

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2007, 15:04 Uhr