Beutekunst - Kisten mit Beutekunst
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beutekunst Ein Politkrimi: Deutsche Kunstwerke in Russland

Experten schätzen, dass in Russland noch 200.000 deutsche Kunstwerke gelagert werden, die nach dem 2. Weltkrieg dorthin gelangten. Bis heute ist das Thema heiß diskutiert.

Beutekunst - Kisten mit Beutekunst
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Weiße Flecken gibt es noch zur Genüge in deutschen Museen und Bibliotheken. Auch wenn es die Besucher nicht wahrnehmen: Es fehlen noch immer Gemälde, Grafiken, Porzellane und Bibliotheksbestände, die wie die Kunstschätze aus Dresden als sogenannte Beutekunst nach dem Ende des 2. Weltkrieges überwiegend in den Depots Moskauer, Kiewer und heute St. Petersburger Museen oder in Privatbesitz verschwanden. Viele Fragen sind ungeklärt: Wo sind beispielsweise die 45 Kisten mit dem Bestand der Wettiner Silberkammer? Verschollen sind auch gut 450 Gemälde der Staatlichen Kunstsammlungen. Doch die Duma in Moskau beschloss Ende der 90-er Jahre: Alles, was noch in Russland ist, ist russisches Eigentum.

Beutekunst für die Öffentlichkeit

Seit Anfang der neunziger Jahre wird Beutekunst in Russland öffentlich ausgestellt, vor allem im Moskauer Puschkin-Museum und in der Eremitage in St. Petersburg. Am umstrittensten war die Präsentation des "Schatz des Priamos" im Jahr 1996, auch bekannt als das "Schliemann-Gold" aus dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte. Die Direktorin des Puschkin-Museums, Irina Antonova, gilt auch heute noch als kompromisslos in der Beutekunstfrage. Die Verhandlungen um die Rückgabe deutscher Kunstwerke sind zum Stillstand gekommen. Die Rückkehr der Bleiglasfenster der Marienkirche in Frankfurt/Oder war die letzte bemerkenswerte Aktion.

Sächsisch-russische Annäherungen

Dennoch bemühen sich die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden seit Jahr und Tag um eine Partnerschaft mit russischen Museen. Aus diesem Grund reiste eine Delegation Dresdner und Berliner Museumsfachleute 2008 nach Russland. Ziel war die Provinz, weil sich mittlerweile herausgestellt hatte, dass es seit den 50-er Jahren Schenkungen oder Leihgaben aus der Eremitage und dem Puschkin-Museum aus ihren nicht zugänglichen Depots an die kleineren Museen in Tula, Irkutsk, Nishni Nowgorod oder Nowosibirsk gegeben haben könnte. Oder auch von Privatpersonen an das für sie nächstgelegene Museum irgendwo in der Provinz. In der Regel fehlen dann die originalen Herkunftsschilder - und niemand weiß, woher ein Bild stammt, das ein Soldat nach dem Krieg ganz privat mit in die Heimat nahm.

Einmaliger Tag in der Geschichte Dresdens

Der 3. Juni 1956, der Tag der Rückgabe der 1.200 Gemälde an die Alten Meister in Dresden wird sich nicht wiederholen. Und Tage wie im Juni 2001, als eine Delegation unter Leitung des damaligen Präsidenten Wladimir Putin drei Gemälde aus russischem Privatbesitz an die Staatlichen Kunstsammlungen zurückgab, haben Seltenheitswert. Erst nach der Jahrtausendwende kam der Museumsdialog wieder in Gang. Die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden suchen immer wieder den partnerschaftlichen Kontakt zu den russischen Kollegen auf Augenhöhe, so bei Ausstellungen 2006 im Kreml-Museum oder 2008 in St. Petersburg. Aus sächsischer Sicht ist dieses Entgegenkommen auch ein Zeichen des Dankes, dass von 1956 bis 1958 Wesentliches aus sowjetischen Depots an die Elbe zurückkehrte. So wundert es auch nicht, dass sich die Eremitage aus der Newa-Metropole mit Leihgaben an der augenblicklichen "Wunschbilder"- Schau in der Dresdner Gemäldegalerie "Alte Meister" beteiligt. Erstes Anliegen ist zurzeit herauszufinden, wo sich noch in Russland verbliebene Kunstwerke befinden und in welchem Zustand sie sind, für deren Erhalt Hilfe anzubieten. Denkbar ist, so sagen Dresdner Museumsexperten, einen Restauratorenaustausch anzubieten oder in Provenienzfragen zusammenzuarbeiten.

Verhärtete Fronten und eine Perspektive

Eine Lösung des Beutekunstproblems scheint in weite Ferne gerückt, die politisch-juristischen Fronten sind verhärtet. Für die Kunsthistoriker stehen dennoch weiterhin Kooperation statt Konfrontation auf der Tagesordnung. So richteten das Deutsche Historische Institut Moskau und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Ende Februar 2009 eine Tagung über Fragen der Herkunfts-Forschung in der russischen Hauptstadt aus.

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2009, 16:28 Uhr