Literatur Lesen in der DDR

Die DDR schmückte sich gern mit dem Beinamen "Leseland". Bücher kosteten wenig und Zeit gab es im Überfluss. Doch gelesen werden sollte, was der SED gefiel.

Die SED verfolgte mit der Literatur eigene Ziele. Sie förderte sie, bestimmte aber gleichzeitig, was gelesen werden durfte und wie viel sozialistische Wirklichkeit dem Leser zuzumuten sei. Zu den von ihr bevorzugten Themen gehörten der Antifaschismus und das frühe Aufbauwerk.

Von falschen Fährten und "Weißen Elefanten"

Theoretisch versprach die DDR-Verfassung das Recht auf freie Meinungsäußerung. Praktisch regelte die Zensur, was gedruckt wurde. Doch die Literaten wussten sich zu helfen: Sie legten bewusst falsche Fährten in ihren Manuskripten und schrieben sogenannte "Weiße Elefanten" in ihre Texte. Das waren Sätze, die dem Zensor unweigerlich ins Auge fallen mussten und ihn so von anderen kritischen Sätzen ablenken sollten.

Frühlingsfest der Leseratten

Die Leipziger Buchmesse war für lesehungrige DDR-Bürger das Frühjahrsereignis. Hier bekamen sie sogar Bücher in die Hand, die als geheime Verschlusssache galten. Die begehrten Objekte waren teilweise an ihren Ständen festgebunden, sodass die Bücher an Ort und Stelle am Stück gelesen wurden.

Werner Bräunig im Porträt

Werner Bräunig erfand den Aufruf "Greif zur Feder, Kumpel". Doch mit seinem "Wismut"-Roman "Rummelplatz" fiel er in der DDR in Ungnade. 2007, mehr als vierzig Jahre nach seiner Fertigstellung, veröffentlichte der "Aufbau Verlag" Werner Bräunigs "Rummelplatz". Der Erfolg war überwältigend. Monatelang hielt sich der Roman auf der Bestsellerliste des "SPIEGEL" und die Kritiker feierten ihn als "literarische Sensation".

Essay: "Wo der Glaube im Spiel ist, hält die Vernunft das Maul"

Die Werke des isländischen Schriftstellers Halldór Laxness schwappten seit den 50er-Jahren in die DDR - und stießen auf begeisterte Leser. Was faszinierte an Laxness? Und wie arrangierte sich die DDR mit Laxness und der Begeisterung der Bürger für Laxness? Hören Sie hier dazu den Zusammenschnitt einer Sendung von MDR FIGARO.

Essay: "Orwell brachte mir drei Jahre Zuchthaus ein"

Jahre nach dem Untergang der DDR malt die Erinnerung mit goldenem Pinsel: Vom "Leseland DDR" wird geschwärmt und dabei vergessen, wie fatal es sein konnte, die "falschen" Bücher zu lesen und sich von den falschen Menschen dabei erwischen zu lassen. Hören Sie ein Hörspiel von Tobias Barth.

Überblick: Videos und Audios zum Wochenthema

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2011, 13:55 Uhr