Kolumne 20 Jahre Ostfußball - ein Dauerkrimi

Vom Mauerfall profitierten zuerst die Österreicher. Nur sechs Tage nach Grenzöffnung reiste die DDR-Auswahl zum entscheidenden WM-Qualifikationsspiel nach Wien. Ein Bus voller vertragsloser Ost-Fußballer. Im Praterstadion warteten schon Spielerberater, Manager und Scouts. Die Jagd auf Sammer, Kirsten, Doll, Thom und Steinmann war eröffnet, das Spiel Nebensache. Österreich gewann locker mit 3:0.

Zur Weltmeisterschaft durften dann die Deutschen jubeln und zwar alle. Der Fußball hatte auch im geteilten Deutschland eine Brücke geschlagen. Das Wunder von Bern und der WM-Sieg von 74 wurden auch im Osten von vielen Fans gefeiert. Nach dem Triumph von Rom erfand Franz Beckenbauer die neue deutsche Erfolgsformel: West + Ost = Unschlagbar.

Stimmt die Vorhersage des "Kaisers"?

Auf dem Platz ging die Gleichung zunächst nicht auf. Erst bei der Euro 96 gab's wieder einen Titel für Deutschland mit Kapitän Matthias Sammer. Der entwickelt heute als Sportdirektor des DFB Konzepte für den Nachwuchsfußball. Talente fördern und fordern Persönlichkeiten entwickeln, Siegertypen wie die Europameister der U19 und U17. Hat der Kaiser am Ende doch Recht?

Für die Vereinigung in der Bundesliga hatten die DFB-Funktionäre eine andere Formel entwickelt: 2 + 6. Meister Rostock und Vize Dresden in die erste , sechs weitere Vereine in die 2. Bundesliga. Damals im Osten schimpften einige: "Das ist zu wenig!" Heute sagen wir: "Das waren noch Zeiten."

Cottbus als Aushängeschild

Der Fußball im Osten ist so stark wie die Wirtschaft zwischen Eisenach und Görlitz. Der Blick auf die Abschlusstabelle der Bundesliga bestätigt das. Nur Cottbus hält sich trotzig im Oberhaus, kämpft nun in der Relegation um den Klassenerhalt. Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass ausgerechnet Energie mal der Leuchtturm des Ostfußballs ist.

So mancher Absturz war hausgemacht wie in Dresden oder beim VfB Leipzig. Für die Fans eine große Enttäuschung, doch kein Grund zur Resignation. An jedem Wochenende strömen tausende Zuschauer in die Stadien, darunter viele junge Gesichter, die selbst nicht erlebt haben, wie Magdeburg den Europacup gewann, Dynamo Meister wurde und Jena die Römer mit 4:0 vom Platz fegte.

Die Tradition ist lebendig und die Begeisterung groß. Liga 3 kann ein Sprungbrett sein. Auf Wunder sollte keiner hoffen. Der Aufstieg ist mühsam, ein Geduldsspiel.