Urlaubsspezial – Ihre Geschichte: Ungarn Dieter Klemm: Illustrierte über die Grenze geschmuggelt

Dieter Klemm aus Leipzig berichtet von einer deutsch-deutschen Begegnung auf der Budapester Fischerbastei im September 1970 und strengen Kontrollen bei der Heimreise mit dem Zug.

September 1970, ich war 25 Jahre alt und fuhr mit zwei Jugendfreunden nach Budapest. Wir fuhren mit dem Zug im Liegewagenabteil und wohnten in Budapest privat über die dortige Zimmervermittlung. Wie für alle DDR-Bürger war das Geld knapp bemessen, so dass wir uns überwiegend in den dortigen Großmarkthallen mit Essen und Getränken relativ preiswert versorgten.

Bei einem Besuch der Fischerbastei sprach uns ein Ehepaar aus Rosenheim in Bayern an, das offenbar durch unsere sächsische Aussprache auf uns aufmerksam wurde. Es entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch. Sie wollten viel über die DDR wissen, wie wir so lebten und Urlaub in Budapest machten. Sie hatten von alledem keine Ahnung. Nach einer Stunde luden sie uns drei jungen Kerle spontan zum Abendessen in ein feines Restaurant an der Fischerbastei ein. Es war für uns unvergesslich, denn so einen fürstlichen Abend hätten wir uns niemals leisten können.

Der Primas der Zigeunerkapelle wurde mit DM-Scheinen versorgt und spielte fast den ganzen Abend an unserem Tisch alle unsere Wunschmelodien. Das Ehepaar wollte uns sogar für 1972 zu den Olympischen Spielen nach München einladen und konnte nicht begreifen, dass wir niemals dorthin würden reisen können. Leider wissen wir nicht mehr den Namen der Leute, sonst hätten wir versucht, nach der Wende Kontakt mit ihnen aufzunehmen.

Noch ein Erlebnis auf unserer Rückreise: In Budapest konnten wir westdeutsche Zeitungen und Illustrierte kaufen, die wir natürlich für die Daheimgebliebenen Angehörigen und Freunde mitnehmen wollten. In Vorahnung der Kontrollen bei der Einreise in die DDR versteckten wir die "unerlaubten Presseorgane" in den Schlitz zwischen der Zugheizung und der Abteilwand unter dem Fenster. Es kam, wie es kommen musste, auf dem Bahnhof in Bad Schandau stiegen zwei junge "Damen" vom Zoll in unseren Wagen ein und fuhren mit bis Dresden.

Sie fragten uns, ob wir unerlaubte Presseerzeugnisse bei uns hätten, was wir natürlich verneinten. Daraufhin demonstrierten sie ihre Macht und ließen uns drei jungen Männern alle Gepäckstücke auspacken. Wir mussten das Abteil verlassen und sie untersuchten das komplette Liegewagenabteil von oben bis unten. Unsere verbotenen Presseerzeugnisse haben sie nicht gefunden. Sie meinten, wir hätten ja Zeit, bis Leipzig alles wieder einzupacken. Bei der Abfahrt des Zuges in Dresden haben wir ihnen ein sieghaftes Grinsen hinterher geschickt. Noch heute treffen wir drei Freunde uns manchmal mit unseren Frauen und erinnern uns gern an diese und andere Urlaubserlebnisse.