Urlaubsspezial – Ihre Geschichte: Ostsee Mit "Jugendtourist" an die Ostsee

"Damals im Osten" hatte dazu aufgerufen, Urlaubserlebnisse aus den Jahren vor dem Mauerfall zu erzählen. Viola Nickel aus Rodewisch ist diesem Aufruf gefolgt. Lesen Sie hier, wie sie 1986 mit Freunden schöne Tage in Barth am Bodden verlebte.

von Viola Nickel

Urlaub 1986: Die 10. Klasse hinter mir ging es mit meinem damaligen Freund, seinem Schulfreund Peter und dessen Freundin Britta an die Ostsee nach Barth (südlich von der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, Anm. d. Red.). Ich sah zum ersten Mal das Meer. Wir reisten mit "Jugendtourist" und waren zu acht im Zimmer in der Jugendherberge "Karl Krull". Mit uns im Zimmer war noch eine Familie mit zwei Kindern untergebracht. Der Junge hatte gerade die 1. Klasse beendet und das Mädchen war im Kindergartenalter. (Meine späteren "Hochrechnungen" ergaben, dass die junge Familie dort ihr 3. Kind gezeugt haben muss, bestimmt an dem Tag, an dem wir im Zirkus waren?!)

Zirkus Berliona in Barth – das war was für mich. Ich erinnere mich noch heute an die Vorstellung, vor allem an Klaus Berlin, wie er die schwere Kugel mit dem Nacken auffing, faszinierte mich. Nach Rodewisch kam vorher während meiner ganzen Kindheit nur einmal der Zirkus Hein.

Ich fand es relativ einfach, diese Reise von "Jugendtourist" zu bekommen, aber vielleicht hatten wir auch einfach nur Glück gehabt. Die Jugendherberge lag am Bodden, nichts zum Baden. Und hätten die beiden Jungs ihre Motorräder nicht dabei gehabt, denn eigentlich war es ja eine Zugreise, hätten wir das Meer in diesem Urlaub bestimmt nicht gesehen. Aber so ging es täglich nach Prerow oder Zingst. Ein herrlicher Sandstrand! Ich kann mich noch gut an die lange, lange Autorschlange erinnern. Und wir zogen mit den Motorrädern einfach in der Mitte vorbei.

Quer durch den FKK-Strand ging es jeden Tag an der Küste entlang zum Mittagessen. Einige Urlauber hatten kunstvolle Motive, wahrscheinlich die Stadtwappen ihrer Heimatorte, in den Sand gelegt. Ein paar Quallen gab es auch.

An einem Tag war nicht so schönes Badewetter. Da fuhren wir nach Saßnitz und blickten auf die Fähre nach Trelleborg. Fotografieren war verboten, aber eine Ansichtskarte vom Hafen gab es dennoch zu kaufen. Überhaupt kamen wir in diesem Urlaub ständig an unsere "Grenzen". An der Ostsee standen Schilder, dass es dahinter für uns nicht weitergeht. Anschließend in Berlin, beim Tagesausflug in den Harz oder dann wieder als ich abschließend mit dem Zug von Magdeburg nach Hause fuhr. Der Zug war ein Interzonenzug, der war erst ab dort für DDR-Bürger zur freien Fahrt zugelassen. Ich erinnere mich vor allem noch an die vielen Polen in den Abteilen. Die hatten massenweise Gepäck und ich wunderte mich, wie die das alles schleppen wollten.

Nach dem Ostseeaufenthalt fuhren wir noch zur Oma nach Schönebeck/Elbe. Von dort aus waren einmal in den Harz in der Herrmannshöhle. Für eine Nacht ging es noch nach Berlin mit Übernachtung im "Jugendtourist"-Hotel für 5 Mark pro Person. Natürlich waren wir im Wellenbad im SEZ (Sport- und Erholungszentrum in Berlin-Friedrichshain, Anm. d. Red.). Dort gefiel es mir sehr, nur die "Pflichtbadekappen" mochte ich nicht. Dann sahen wir noch das Treptower Ehrenmal.

Auch wenn wir in diesem Urlaub besonders oft "unsere Grenzen" gezeigt bekamen, Sehnsucht diese zu überwinden, hatte ich nicht. Mir gefiel das Land und ich wollte es in den nächsten Jahren erkunden, den Spreewald, das Elbsandsteingebirge, Thüringen … Ich wollte noch soviel sehen, ein Reisebuch DDR gab mir so viele Anregungen, so viele Urlaubstage hatte ich gar nicht.

Zur Hochzeitsreise im Juni '89 sollte es mit "Jugendtourist" doch mal weit weg gehen, und zwar nach Leningrad. Aber Schwangerschaftsbeschwerden machten mir einen Strich durch die Reisepläne. Leider war ich bis heute noch nicht dort, aber ansonsten habe ich die Welt schon ganz schön erkundet und ich habe noch viele Pläne.

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2009, 10:58 Uhr