Hubert Bayer mit Dieter "Maschine" Birr
Bildrechte: Hubert Bayer

Interview Der sechste "Puhdy" kommt aus Paderborn

Hubert Bayer ist seit vielen Jahren Puhdys-Fan. Der 61-Jährige hat Anfang der 80er-Jahre den Paderborner Fanclub mitbegründet und ist seinen Lieblingsrockern aus dem Osten bis heute treu geblieben.

Hubert Bayer mit Dieter "Maschine" Birr
Bildrechte: Hubert Bayer

Herr Bayer, wann entstand denn der Puhdys-Fanclub in Paderborn und wie kam es überhaupt dazu?

Ich habe mit Kollegen aus der Firma, in der ich arbeite, seit Anfang der 80er-Jahre Betriebsausflüge mit etwa 40 bis 50 Fans zu Puhdys-Konzerten unternommen. Irgendwann haben wir über die damalige Plattenfirma die Adresse einer Tourbegleiterin erfahren und die Puhdys bei einem auswärtigen Konzert abends zum Essen ins Hotel eingeladen. Zu unserer Überraschung kamen sie alle - und das war der Beginn einer langjährigen, auch privaten Freundschaft. Unseren neuentstandenen Fanclub nannten wir "Computerman" - nach einem Song vom Album "Computerkarriere". Irgendwann besuchten meine verstorbene Frau und ich die Jungs auch in der DDR, und im Mai 1988 organisierten wir sogar eine Fanclub-Fahrt nach Magdeburg.

Aus welchen Teilen der Bundesrepublik kamen denn die Fans und Mitglieder?

Sie kamen aus ganz Deutschland - von Kiel im Norden bis Kaufbeuren im Süden. Ein Schwerpunkt war Villingen-Schwenningen im Schwarzwald. Hier spielten die Puhdys von 1980 an 20 Jahre lang jeden zweiten Adventssonntag für die Stadtjugendpflege vor zum Schluss 2.000 bis 3.000 Zuschauern. Fans kamen mit Bussen aus ganz Deutschland und der Schweiz, natürlich auch aus Paderborn. Wie haben dieses Konzert auch viele Jahre als Fanclub mitorganisiert.

Wie genau sah denn die Arbeit des Paderborner Fanclubs aus?

Nachdem wir persönlichen Kontakt zu den Musikern, speziell Harry Jeske als Manager hatten, waren wir immer gut informiert und erstellten Tourpläne mit Konzert- und Fernsehterminen, die wir anfangs bei Konzerten verteilten. So lernten wir viele Fans persönlich kennen und speicherten sie im Computer. Ich denke, es waren über 1.000. Jetzt konnten wir regelmäßig Infos verschicken, Treffen zu Konzerten vereinbaren, regionale Fans zu Fernsehsendungen mitnehmen, über neue Alben informieren und vieles mehr. Die damalige Plattenfirma im Westen druckte unsere Adresse auf die Rückseite der LP`s, so dass viele Fans sich bei uns meldeten, die wir auch alle erfassten. So wurden wir vom Fanclub zur Puhdys Fanclub-Organisation Paderborn.

Sie wurden in einem Buch über die Band sogar als „der sechste Puhdy aus Paderborn“ bezeichnet. Können Sie sich noch erinnern, wie Sie zum ersten Mal auf die Puhdys aufmerksam wurden?

Ja, das war 1975 bei einem Besuch bei meinen Eltern in Fulda. Meine Brüder konnten dort das Hörfunkprogramm "Stimme der DDR" empfangen, natürlich gegen den Willen des Vaters. Irgendwie hatten sie die ersten LP's organisiert - und ich war sofort hin und weg, als ich sie hörte.

Warum fühlten Sie sich gerade von den Puhdys, immerhin einer DDR-Band, so angesprochen?

Es waren wie bei den meisten Fans die Texte in deutscher Sprache, die mich sofort ansprachen. Man konnte sich selbst darin wiederfinden. So etwas gab es im Westen sonst nicht. Später, zu meinem 40. Geburtstag, habe ich mal einen Lebenslauf aus Puhdys-Titeln erstellt und es war für jeden Zeitraum etwas Passendes dabei. Natürlich waren es auch die Musik und die Stimmen von Maschine und Quaster. Es war ja auch etwas Neues, dass eine Band gleich zwei so hervorragende Sänger hatte.

Wie hat man in der Bundesrepublik die Musik der DDR aufgenommen?

Auch im Westen sind die Puhdys heute Kult. Es hat uns schon überrascht, wie viele Fans es hier gab und noch gibt. Auch bei uns kommen immer wieder neue, jüngere dazu. Natürlich werden sie auch durch die Alten infiziert, aber das alleine ist es nicht. Ich denke, die Musik spricht die Leute heute noch genauso an wie mich vor vielen Jahren. Auch die Musik von Karat und City ist bei vielen beliebt.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis als Puhdys-Fan?

Das emotionalste und schönste war das Jahr 1989. Wir konnten hautnah mit den Jungs die Wendezeit erleben - wie sich immer mehr bewegte, wie es auch Rückschläge gab. Es war eine eigenartige, auch wehmütige Stimmung, weil etwas zu Ende ging. Denn wir waren ja alle der Meinung, dass nach 20 Jahren mit dem Ende der Good-Bye-Tour und dem letzten Konzert im Dezember in Paderborn alles vorbei ist. Dazu die politische Situation. Das ergab schon eine seltsame Mischung. Das alles gipfelte am 11. November 1989, zwei Tage nach der Maueröffnung, in zwei Konzerten in Mainz. Es war eine Stimmung, die man auch heute noch nicht richtig beschreiben kann. Viele Fans aus der DDR kamen zum Konzert. Die Stimmung war permanent am Überschwappen, Fans sangen auf der Bühne mit und ins Programm wurden auch mal Stimmungslieder aufgenommen. So viele glückliche Menschen an einem Platz hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Es gab Freudentränen und Lachen und Erleichterung. An diesem Tag zählte nur der Moment.

Wie ging es nach der Wende mit dem Puhdys-Fanclub und der Zusammenarbeit mit der Band weiter?

Als nach der Wende niemand mehr die Puhdys unter Vertrag nehmen wollte, gründete ich mit den Musikern zusammen den Puhdys Musikverlag und ein eigenes Plattenlabel. Darüber produzierten wir von 1993 bis 1999 erfolgreich mehrere Alben und Singles, unter anderem auch die Sporthymnen für die Berliner Eisbären und den FC Hansa. Mit den Jahren explodierte dann die Nachfrage nach den Puhdys, so dass sie ab 1999, dem Jahr des 30-jährigen Bandjubiläums, zur Firma BMG wechseln konnten, die noch einmal eine Riesenpower startete. Seitdem landete jede neue Produktion auch in der Spitze der Charts. Seit Mitte der 90er-Jahre wurde die bisherige Fanclub-Arbeit nach und nach durch das Internet abgelöst. Hier stehen seitdem alle Informationen für die Fans zur Verfügung.

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2011, 15:08 Uhr