Bitterfeld-Wolfen: Am Großen Goitzschesee
Bildrechte: IBA-Büro GbR/Doreen Ritzau

Der Wandel in Ostdeutschland Bitterfeld-Wolfen heute

Die Region um Bitterfeld ist heutzutage frei von beißenden Gerüchen, von stinkenden Abwasserkanälen, die sich in die Flüsse ergießen. Aber auch um Tausende Arbeitsplätze ärmer. Ein langer Weg seit den Tagen, als Bitterfeld noch als ökologischer Albtraum galt.

Bitterfeld-Wolfen: Am Großen Goitzschesee
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Noch im Jahr 1990 wurde in insgesamt 39 besonders umweltbelastenden Betrieben die Produktion eingeschränkt bzw. eingestellt. Der Sanierungsaufwand im Bereich Bitterfeld/Wolfen wurde im Jahr 2000 auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt. Eine Fläche von 13 Quadratkilometern ehemaligen Betriebsgeländes musste gereinigt und aufbereitet werden. Hinzu kommen Deponien in einer Ausweitung von 5,5 Quadratkilometern. Zu diesen Deponien gehört auch die durch den ARD Film berühmt gewordene Deponie "Freiheit 3". Die Sanierungsarbeiten werden erst etwa 2050 abgeschlossen sein. Denn es gibt noch ein besonderes Problem: Das Grundwasser ist auf einer Gesamtfläche von 25 Quadratkilometern massiv verseucht, die Sanierung wird Jahrzehnte dauern.

Mühsamer Erholungsprozess

Bis 1989 waren im Kreis Bitterfeld rund 75.000 Menschen beschäftigt. Die Stillegung vieler Betriebe führte Anfang der 1990er-Jahre zu großen Entlassunsgwellen. Ohne Hoffnung auf einen Job zogen insbesondere junge Leute weg, zumeist in den Westen. Der Ruf Bitterfelds als "schmutzigster Ort Europas" hinderte anfangs viele Unternehmen, sich hier trotz lukrativer Subventionen niederzulassen. Erst nach und nach hat sich das geändert. Dort, wo sanierte Flächen ausgewiesen wurden - wie etwa im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen - haben sich mittlerweile mehr als 360 neue Betriebe angesiedelt, die rund 11.000 Menschen Arbeit bieten. Hinzu kommen ganz neue Industrien wie etwa die Solarzellenherstellung. So verfügt die Region heute schon wieder über etwa 40.000 Arbeitsstellen.

Eine blühende Landschaft im Frühling 2010

20 Jahre nach der Einheit fehlen die beißenden Gerüche der umweltverseuchenden Industrie. Die Mulde hat sich von einem stinkenden Gewässer wieder zu einem schönen, klaren, naturbelassenen Fluss entwickelt. "Die Mulde, das ist faszinierend. Da gibt es wieder richtig Fisch, vor allem Fisch, der nicht mehr krank macht", freut sich Hans Zimmermann, Bitterfelder Umweltaktivist aus DDR-Zeiten, der sich mittlerweile dem Naturschutz verschrieben hat. Ihn fasziniert die neue Vielfalt von Tieren und Pflanzen, die er in der Landschaft jahrzehntelang vermisst hat. "Jetzt hat sich alles gewaltig geändert. Blumen sind wieder zu finden. Es gibt schöne Ecken, wo im Mai meine Margeriten, meine Glockenblumen wieder blühen."

Aber auch das triste Bild des Ortes hat sich gewandelt. Die Bitterfelder haben selbst Hand angelegt, um aus ihren grauen, durch Kohlenruß verschmutzten Behausungen wieder schmucke Häuser zu machen. "Es ist gewaltig, was sich hier getan hat. Viele Häuser sind gereinigt worden. Man hat sie mit heißem Wasser unter Druck abgewaschen und dann kam dieser herrliche gelbe und rote Klinker zum Vorschein, der ja typisch ist für die Region hier." Man merkt Zimmermann an: Er ist stolz darauf, wie sich Bitterfeld in den letzten 20 Jahren verändert hat.

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2011, 14:21 Uhr