Die Kernkraftwerke der DDR Viele Versuche, wenig Ergebnisse

1966 ging das erste Kernkraftwerk der DDR in Rheinsberg ans Netz. Sieben Jahre später folgte Greifswald, doch geplant waren noch viel mehr: Etwa 20 Atomkraftwerke sollten bis 1970 ans Netz gehen.

Zwei Forscher in der Schaltzentrale mit einem Brennstab im Zentralinstitut für Kernforschung in Rossendorf, 1990.
Zwei Forscher in der Schaltzentrale mit einem Brennstab im Zentralinstitut für Kernforschung in Rossendorf, 1990. Bildrechte: imago/Ulrich Hässler

Mit dem Bau eines Forschungsreaktors im damaligen "Zentralinstitut für Kernphysik" in Rossendorf bei Dresden begann das Zeitalter der Kernenergie in der DDR. Am 16. Dezember 1957 wurde der unter Anwesenheit hoher SED-Politprominenz eingeweiht.

Forschungsreaktor des Zentralinstituts für Kernforschung Rossendorf.
Forschungsreaktor des Zentralinstituts für Kernforschung Rossendorf. Bildrechte: imago/Ulrich Hässler

Erwartungsvoll prognostizierte man, dass 1970 etwa 20 Kernkraftwerke in der DDR voll funktionstüchtig sein würden. Der Rossendorfer Reaktor wurde hauptsächlich als Neutronenquelle für die Herstellung von Radioisotopen genutzt, sowie für die Dotierung von Silizium, für Aktivierungsanalysen und für die Materialforschung. Am 27. Juni 1991 – nach mehr als 100.000 Betriebsstunden – wurde der Forschungsreaktor abgeschaltet, da er den Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügte.

Kernkraftwerk Rheinsberg

Die Leitwarte des Kernkraftwerks Rheinsberg (Brandenburg) am 20.09.07.
Die Leitwarte des Kernkraftwerks Rheinsberg (Brandenburg). Bildrechte: imago/epd

Das 1966 in Betrieb genommene Kernkraftwerk Rheinsberg hatte eine vergleichsweise geringe Leistung – lediglich 70 Megawatt produzierte der von der UdSSR gelieferte Reaktor. Das war gerade genug, um eine Stadt von der Größe Potsdams mit Strom zu versorgen. Wegen erheblicher Sicherheitsbedenken wurde das AKW im Juni 1990 vom Netz genommen. Die planmäßige Abschaltung des Reaktors war ohnehin für 1992 vorgesehen gewesen. Drei Jahre später begann die Demontage des Kernkraftwerks, die bis heute andauert. Die Kosten für den Rückbau: geschätzte 600 Millionen Euro.

VEB Kernkraftwerke "Bruno Leuschner" Greifswald

"Das Kernkraftwerk 'Bruno Leuschner' Greifswald (KKW Nord) wurde so projektiert und wird so betrieben, dass auch außergewöhnliche Ereignisse sicher beherrscht werden können", tönten gebetsmühlenartig die Experten des "Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz der DDR". Dabei glich die Geschichte der vier Reaktorblöcke sowjetischen Typs, die seit 1973 nacheinander in Betrieb genommen worden waren, einer Chronik des Horrors: Es gab etliche schwere Störfalle und fortwährende Verstöße gegen den Strahlenschutz. 1975 hatte ein Brand in einem Maschinenraum fast zu einem GAU geführt. "Tschernobyl Nord" nannten die Angestellten ab 1986 ihre Anlage. 1990 wurde das AKW Greifswald vom Netz genommen und von 1995 an abgerissen.

Atomkraftwerk Stendal

Das größte Bauprojekt der DDR sollte bei Stendal entstehen. 1990 arbeiteten auf der Baustelle mehr als 7.000 Menschen, unter ihnen 5.000 Ausländer, die das leistungsstärkste Atomkraftwerk der Republik errichten sollten. Der erste von insgesamt vier geplanten 1.000-Megawatt-Blöcken, so die Planvorgabe, sollte Ende 1991 ans Netz gehen. Nach Abschluss aller Bauarbeiten 1996 hätte das AKW stolze 4.000 Megawatt Gesamtleistung gehabt und wäre damit das leistungsstärkste in Deutschland gewesen. Doch es kam anders. 1991 wurden die Bauarbeiten eingestellt. Der Grund: Proteste von Anwohnern und Kernkraftgegnern sowie unzureichende Sicherheitsvorkehrungen der sowjetischen Reaktorbaureihe.

Artikel zuerst veröffentlicht am 16. März 2011.

Über dieses Thema berichtete "FAKT" im: TV | 04.04.2011 | 21.45 Uhr