Bildergalerie zum 4. November 1989 in Berlin Die Redner auf "Deutschlands größter Demo"

Namhafte Künstler und Bürgerrechtler, aber auch zwei SED-Politiker sprechen am 4. November 1989 auf einer Bühne auf dem Berliner Alexanderplatz. Während die einen großen Beifall ernten, werden die anderen ausgepfiffen.

Christa Wolf am 4.11.89 in Berlin
"Mit dem Wort 'Wende' habe ich meine Schwierigkeiten. Ich sehe da ein Segelboot, der Kapitän ruft: ‚Klar zur Wende!’, weil der Wind sich gedreht hat. Stimmt dieses Bild?", fragte die Schriftstellerin Christa Wolf (1929-2011) und lieferte die Antwort gleich mit: "Ich würde von revolutionärer Erneuerung sprechen. Große soziale Bewegungen kommen in Gang." Leidenschaftlich rief sie in die Menge: "Also träumen wir mit hellwacher Vernunft: Stell dir vor, es ist Sozialismus, und keiner geht weg!" Bildrechte: DRA/ DDR Fernsehen
Ulrich Mühe am 4.11.1989 in Berlin
Der Schauspieler Ulrich Mühe (1953 – 2007) verlas zwei Artikel aus der "Verfassung der DDR", auf die sich die Veranstalter der Demonstration beriefen. Zum einen den "Artikel 27": "Jeder Bürger hat das Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht." Zum andern den "Artikel 28": "Alle Bürger haben das Recht, sich im Rahmen der Grundsätze und Ziele der Verfassung friedlich zu versammeln." Das genügte in diesen Tagen bereits, um großen Applaus zu ernten. Bildrechte: DRA/ DDR Fernsehen
Christa Wolf am 4.11.89 in Berlin
"Mit dem Wort 'Wende' habe ich meine Schwierigkeiten. Ich sehe da ein Segelboot, der Kapitän ruft: ‚Klar zur Wende!’, weil der Wind sich gedreht hat. Stimmt dieses Bild?", fragte die Schriftstellerin Christa Wolf (1929-2011) und lieferte die Antwort gleich mit: "Ich würde von revolutionärer Erneuerung sprechen. Große soziale Bewegungen kommen in Gang." Leidenschaftlich rief sie in die Menge: "Also träumen wir mit hellwacher Vernunft: Stell dir vor, es ist Sozialismus, und keiner geht weg!" Bildrechte: DRA/ DDR Fernsehen
Stephan Heym am 4.11.89
Stefan Heym (1913 – 2001) war glücklich an diesem Tag: "Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen nach all den Jahren der Stagnation, den Jahren von Dumpfheit und Mief, von Phrasengedresch und bürokratischer Willkür. Welche Wandlung!" Der in der DDR mit Publikationsverbot belegte Schriftsteller sah an diesem 4. November 1989 bereits "den richtigen, nicht den stalinschen Sozialismus" heraufdämmern. "Wir haben unsere Sprachlosigkeit überwunden und sind dabei, den aufrechten Gang zu erlernen. Aber frei sprechen und aufrecht gehen, das ist nicht genug. Lasst uns auch lernen zu regieren. Sozialismus ist nicht denkbar ohne Herrschaft des Volkes." Bildrechte: DRA/ DDR Fernsehen
Steffi Spira am 4.11.89 in Berlin
"1933 ging ich allein in ein fremdes Land", sagte die Schauspielerin Steffi Spira (1908 - 1995) in ihrer kurzen, bewegenden Ansprache. "Ich nahm nichts mit, aber im Kopf hatte ich einige Zeilen des Brecht-Gedichts 'Lob der Dialektik': 'So wie es ist, bleibt es nicht', 'Wer lebt, sage nie Niemals' und 'Aus niemals wird heute noch!'. Ich wünsche für meine Urenkel, dass sie aufwachsen ohne Fahnenappell, ohne Staatsbürgerkunde und dass keine Blauhemden an den hohen Leuten vorübergehen." Sie schloss mit der begeistert aufgenommenen Anregung, aus Wandlitz ein Altersheim zu machen. Bildrechte: DRA/ DDR Fernsehen
Heiner Müller am 4.11.1989 in Berlin
"Ein Ergebnis bisheriger DDR-Politik ist die Trennung der Künstler von der Bevölkerung durch Privilegien. Wir brauchen Solidarität statt Privilegien", sagte der Dramatiker Heiner Müller (1929 – 1995) und verlas einen Aufruf der "Initiative für unabhängige Gewerkschaften", in dem vor Preissteigerungen und Massenentlassungen gewarnt wurde. Aber das wollte keiner hören und Müller wurde ausgebuht. Bildrechte: DRA/ DDR Fernsehen
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