Geheimkonto "Diaspora"

Da in der DDR vom Staat keine Kirchensteuer erhoben wurde, lebten die Priester von der Unterstützung ihrer Gemeinden. Um dieses Einkommen etwas aufzubessern, richtete die Katholische Kirche in der Bundesrepublik ein besonderes Diaspora-Konto beim Bonifatiuswerk ein. Jeder Priester in Westdeutschland musste ein Prozent seines Gehaltes an dieses Konto abgeben. Das ermöglichte es, jedem Priester in der DDR pro Jahr 1.200 DM zur Verfügung zu stellen. Da der direkte Transfer in die DDR aber nicht erlaubt war, fand das Bonifatiuswerk einen komplizierten, aber effektiven Ausweg. Priester im Osten forderten über Bekannte oder Verwandte entsprechende Beträge an. Das Geld wurde dann entweder durch Freunde überbracht, die dann eine Quittung für die Abrechnung mit dem Bonifatiuswerk erhielten, oder es wurden über einen "Paten" Waren in entsprechendem Wert geliefert. Die meisten Priester nutzten dieses Konto, um für ihre Gemeinden dringend benötigte Geräte wie etwa Plattenspieler, Kassettenrekorder oder ähnliche Hilfsmittel für das Gemeindeleben zu beschaffen.

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2011, 12:18 Uhr

Einblick in eine Moderne Kirche mit blauen Glasmalereien 2 min
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