Erinnerung Als ich Dean Reed beim Skifasching kennenlernte

Ich war acht und hasste Skiabfahrt genauso wie die grauenvoll ausgebeulten Keilhosen, in denen ich steckte. Und dann steht da beim Skifasching in Mühlleiten eine DDR-Berühmtheit und ich soll sie ansprechen. Mir war der fremde Mann mit dem breiten Grinsen und dem braungebrannten Gesicht herzlich egal, aber mein Vater war wie gebannt. Immer wieder drängte er mich: "Geh, doch mal hin! Das ist ein ganz berühmter Mann. Das ist Dean Reed. Lass dir mal ein Autogramm geben." Dean Reed und seine Frau, die Schauspielerin Renate Blume, machten damals öfter Winterurlaub im Hotel Buschhaus in Mühlleiten.

Als DDR-Kind, noch dazu hinter den sieben Bergen im Vogtland lebend, hatte ich natürlich keine Routine im Umgang mit Stars, und was ich mit einer Autogrammkarte von einem Menschen, den ich nicht mal kannte, sollte, war mir auch schleierhaft. Ich zierte mich also gewaltig. Aber mein Vater ließ nicht locker, es schien ihm extrem wichtig zu sein.

Schließlich gab ich mir einen Ruck und versuchte, möglichst ohne Hinzufallen zu Dean Read zu gelangen. Was oder ob ich dort überhaupt was gesagt habe, daran kann ich mich nicht erinnern. Aber ich war nicht das einzige Kind, das stellvertretend für seine Eltern zu Dean Reed gehen musste, jedenfalls stand dann eine ganze Kindertraube um den Star aus dem Fernsehen.

Dean Reed
Dean Reed gibt im Sommer 1973 Autogramme bei den Weltjugendspielen in Berlin Bildrechte: dpa

Eine Autogrammkarte bekam ich nicht, dafür strich mir der berühmte Mann über den Kopf. Mein Vater strahlte, weil er über seinen verlängerten Arm – also mich – quasi auf Tuchfühlung mit Amerika gegangen war.

"Dean Read – das war der Westen, das war die große Freiheit", sagt mein Vater heute. An die Begebenheit damals in Mühlleiten kann er aber sich kaum noch erinnern.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Der rote Elvis | 23.09.2018 | 23:15 Uhr