Schulze Eldowy - Fotografin der sozialen Randgruppen in der DDR

Die Fotografin Gundula Schulze Eldowy wagte sich zu DDR-Zeiten in die gesellschaftlichen Randgebiete und porträtierte die Personen. Ihre Fotos sind direkt und zugleich vertraulich, ohne die Menschen bloß zu stellen. Über ihr heutiges Leben in Berlin, Peru und auf Reisen, die hinzugekommenen neuen Handschriften im fotografischen Werk und die aktuellen Ausstellungen ist Gundula Schulze Eldowy im Gespräch mit Moderator Carsten Tesch bei "FIGARO trifft ..."

Die international bekannte Fotografin Gundula Schulze Eldowy zählte in der DDR zu den Hauptvertreterinnen der sozialkritischen Fotografie. Mit den Serien "Tamerlan", "Arbeit" und "Berlin in einer Hundenacht" erlangte sie großes Ansehen. Gundula Schulze Eldowy schaute hin, wo andere den Blick abwendeten. Sie ging mitten hinein ins Berliner Milieu, das arm, asozial und randständig war, zeigte Alltag, Einsamkeit und Leben der Menschen. Vertraulich näherte sie sich den Personen mit der Kamera, ohne sie dabei bloß zu stellen oder zum Objekt einer interessanten Bildkomposition zu degradieren.

Nach dem Mauerfall entstanden  Fotoserien in New York, Ägypten, Japan, Moskau, Türkei, Neuseeland, Peru, Bolivien und Ekuador. Gundula Schulze Eldowy nennt sie ihr "spirituelles Werk". Sie rückte von der realistischen Fotografie ab und näherte sich geheimnisvollen Bilderwelten. Große Museen wie das New Yorker MoMa kauften ihre Bilder. Gundula Schulze Eldowy selbst ging ab 1990 auf lange Reisen näherte sich neuen Konzepten, Techniken und Motiven, überschritt dabei auch die Grenzen zwischen  Fotografie und Malerei. Mittlerweile lebt sie, wenn sie nicht gerade in der Welt unterwegs ist, in Berlin und Peru.

In Deutschland, in Berlin herrscht eine unglaubliche Schnelligkeit, die nicht mehr gut ist. Ich löse das so, dass ich einfach das Gegenteil mache, mir statt Bewegung Ruhe und Stille suche. Mein Leben in Peru ist Teil davon.

Gundula Schulze Eldowy

Drei Ausstellungen in Berlin

Noch bis Januar ist im Berliner Bundestag eine Doppelausstellung der Fotografin Gundula Schulze Eldowy zu sehen. Die Titel der beiden Werkschauen lauten "Verwandlungen" und " Den letzten beißen die Hunde. Eine Fotoinstallation der Wendezeit". Den großen Schwarzweißserien sozialkritischer  Fotografie der 70er- und 80er-Jahre steht dort die große Breite des Schaffens nach 1990 gegenüber. Die Bilder sind dabei so verschieden, dass man von "zwei Handschriften" sprechen könnte, so Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse zur Eröffnung. Fünf Abzüge aus beiden Serien hat der Bundestag mittlerweile für seine Kunstsammlung erworben. Die C/O Galerie, das internationale Forum für Fotografie in Berlin, zeigt zudem ab dem 9. Dezember 2011 die Ausstellung "Gundula Schulze Eldowy. Die frühen Jahre".

Parallel zu den Ausstellungen erschienen beim Lehmstedt Verlag das Frühwerk "Berlin in einer Hundenacht", 160  Fotografien aus den Jahren zwischen 1977 und 1990. Weitere Arbeiten zeigt der  Fotoband "Der große und der kleine Schritt" und in einem Buch mit dem Titel "Am fortgewehten Ort" erzählt Gundula Schulze Eldowy die Geschichten der Porträtierten, mit denen sie in Berlin viele Jahre Tür an Tür lebte, auf die sie sich einließ und denen sie nächtelang zuhörte.

Gundula Schulze Eldowy im Porträt

In Erfurt kam Gundula Schulze Eldowy 1954 zur Welt. 1972 zog sie nach Berlin. Den Satz "Dreh dich nicht um!" hatte die Großmutter der Enkelin mit auf den Weg gegeben. Gundula Schulze Eldowy studierte an der Fachschule für Werbung und Gestaltung in Berlin und von 1979 bis 1984 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Horst Thorau. Ab 1984 arbeitete sie als freie Fotografin in Berlin, Leipzig und Dresden.

Die Staatssicherheit hatte die Künstlerin irgendwann auf ihrer Liste. Als angebliche CIA-Agentin sollte Gundula Schulze Eldowy deshalb im Herbst 1989 verhaftet werden. 1990 erhielt die Fotografin ein Stipendium des Kunstringes Folkwang, Essen und ging auf Einladung des amerikanischen Fotografen mit Schweizer Wurzeln, Robert Frank, für drei Jahre nach New York. 1985 waren sie sich das erste Mal in Ost-Berlin begegnet und standen seither in ununterbrochenem Briefkontakt.

1993 zog Gundula Schulze Eldowy für sieben Jahre durch Ägypten. Sie erhielt zahlreiche internationale Preise, so in Japan den Internationalen Fotopreis sowie verschiedene Stipendien. Schließlich führte sie der Weg nach Peru. Dort lebt sie seit zehn Jahren und inzwischen mit ihrem Mann, wenn sie nicht gerade auf Reisen oder in Berlin ist, wohin sie immer wieder zurückkehrt. Gundula Schulze Eldowy schreibt außerdem Kurzgeschichten und Gedichte und poetische Texte, die ihre Ausstellungen begleiten.