Betriebsfeiern statt Gleichberechtigungskämpfe

Stattdessen trat immer mehr der Aspekt der Geselligkeit, des gemeinsamen Feierns, in den Vordergrund. Obwohl – im Gegensatz zu anderen sozialistischen Staaten – der Frauentag kein offizieller Feiertag und nicht arbeitsfrei war, ruhte in vielen Betrieben die Produktion spätestens ab Mittag bzw. wurde notdürftig von den verbliebenen Männern übernommen. Ein Teil von ihnen war zum Kaffee- und Schnaps-Einschenken und als Tanzpartner abkommandiert. Denn dies war die Besonderheit des Frauentags in der DDR, der eben kein "sozialistsicher Muttertag" – wie er von westlichen Feministinnen oft bezeichnet wurde und wird – war: Er richtete sich ausdrücklich nicht nur an Mütter und spielte sich vor allem dort ab, wo sich der Lebensmittelpunkt der weiblichen DDR-Bevölkerung befand.

Für 92 Prozent (was der weltweit höchsten Frauenerwerbsquote entsprach) war dies der Betrieb. Kulturhäuser boten entsprechende Rahmenveranstaltungen mit bunten Show-Programmen, die auf Grund der großen Nachfrage über Wochen vor und nach dem 8. März liefen – so dass die eigentliche Feier oft gar nicht auf den Tag selbst fiel.

Das  8. März 1964 für eine Illustrierte gestellte Foto zeigt einen Mann mit Schürze, der einer Gruppe applaudierender Frauen eine Tablett mit Kaffeegeschirr serviert.
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