Der Schein der Gleichberechtigung

Zum immergleichen Ritual zählte neben der unvermeidlichen Ansprache des – zumeist männlichen – Führungspersonals die Auszeichnung "verdienter" Kolleginnen, begleitet von einem finanziellen Obolus. Dieser konnte freilich nicht wettmachen, dass Frauen insgesamt weit schlechter bezahlt waren als Männer. Zwar galt der Grundsatz "gleicher Lohn" für gleiche Arbeit, doch herrschte in Erwerbszweigen, in denen überwiegend Frauen beschäftigt waren wie in Pflegeberufen oder der Textilbranche, ein weitaus niedrigeres Lohnniveau als in "Männerberufen". Selbst dort wurden Frauen oft für schlechter bezahlte Tätigkeiten angestellt, kaum jedoch in Leitungspositionen jenseits der mittleren Ebene. So liegt das Rentenniveau ostdeutscher Frauen heute um vierzig Prozent niedriger als das der Männer.

Feier des 50. Frauentages | 07.03.1960 | Chemiestadt Wolfen "Theater der Werktätigen"
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