Kunst als Nische für Kritik an Gleichberechtigung

Solche Probleme anzusprechen oder dagegen zu protestieren, dass auch in der DDR die Hauptlast der Hausarbeit und "Kinderaufzucht" mit bis zu siebzig Prozent bei der Frau lag, wäre jedoch auch am Frauentag niemandem in den Sinn gekommen. Von seiner ursprünglichen, durch Clara Zetkin begründeten Intention, ein Tag des Protests zu sein, hatte er sich meilenweit entfernt – und nicht ohne Grund wurde an seine Ursprünge kaum erinnert.

Nur einen Wunsch äußert 1974 eine "Frauentagsfeiergesellschaft" in einem Brief an das "Magazin": Man möge doch wenigstens anlässlich des Internationalen Frauentages einmal das Aktfoto eines Mannes veröffentlichen.

Wirkliche öffentliche Diskussionen wurden - wie so oft in der DDR – stellvertretend im Bereich der Kunst geführt. So löste Wolfgang Mattheuers Bild "Die Ausgezeichnete", das eine abgehärmte, unglücklich wirkende ältere Frau allein vor einem kränklichen Tulpenstrauß zeigt, 1973 erbitterte Debatten aus. Sie blieben die Ausnahme.

Das Gemälde "Die Ausgezeichnete" von dem DDR-Künstler Wolfgang Mattheuer aus dem Jahre 1973.
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