Von Handarbeit und ungewöhnlichen Weinsorten

Das Etikett dieses Getränkes, das in der DDR in den Handel kam, liest sich für einen heutigen Weinkenner eher wie eine "Drohung". Der Name Goldberyll kommt von einem gelblichen Halbedelstein. Insofern passte er rein farblich zu diesem "Weißwein", der in Freyburg auf Flaschen gezogen wurde. Woher die Trauben stammen? Keine Angabe. Dass er "körperreich" war, blieb nach Ansicht vieler Genießer eine Behauptung. Die "betonte Restsüße" hingegen wurde zu 100 Prozent eingelöst. Ob unter Zugabe von Hilfsmitteln, ist unbekannt. Und das Ganze zu einem garantierten Preis von 9,90 DDR-Mark. Für die Freyburger Winzergenossenschaft war die Verarbeitung von Importrauben oder die Abfüllung von Weinen, die in Tankwagen aus den Nachbarländern angeliefert wurden, seit den 1970er-Jahren ein wesentlicher Teil ihres Geschäfts. Man musste nehmen, was kam. So stoppten nicht selten auch nachts Züge im Freyburger Bahnhof mit ungekühlten Waggons voller Trauben, die durch den langen Transport aus Bulgarien, Rumänien oder Ungarn so mitgenommen waren, dass man sie nicht mehr als Obst in den Handel bringen konnte. Dann lautete die Devise: Ab nach Freyburg!