Katholiken in der DDR

Derzeit findet in Münster der Katholikentag statt. In der DDR stellten Katholiken nur einen geringen Anteil an der Bevölkerung. Diese Minderheitenposition führte zu Problemen mit der SED, stärkte aber den Zusammenhalt.

"Dieses Haus bleibt uns ein fremdes Haus"

"Der Christ sitzt in der Löwengrube. Er wird den Löwen aber weder streicheln noch am Schwanz ziehen". Mit diesem prägnanten Bild hat der Berliner Kardinal Alfred Bengsch die Position der katholischen Kirche in der DDR beschrieben. Bengsch, seit 1961 Bischof, ein Jahr später dann Erzbischof von Berlin, legte den Kurs der katholischen Kirche gegenüber dem Staat fest. Die Kirche solle sich politisch abstinent verhalten, befand der Geistliche, der als Vorsitzender der Berliner Ordinarienkonferenz de facto an der Spitze der katholischen Kirche in der DDR stand.

Schon sein Vorgänger, der Berliner Kardinal Konrad Graf von Preysing, hatte den Priestern 1947 in einem Erlass, der bis zum Ende der DDR in Kraft blieb, jede politische Stellungnahme untersagt. Damit war die Linie klar. Auch wenn Kontakte mit dem Staat nicht zu vermeiden und deshalb streng geregelt waren, grenzte sich die katholische Kirche ab. Als Leben in einem "fremden Haus" hat der Bischof von Meißen, Otto Spülbeck, diese Haltung einmal bezeichnet. Kirchliche Aktivitäten konzentrierten sich auf die Seelsorge, wobei den Gemeinden eine wesentliche Rolle zukam. Hier sollten die Katholiken – in einem Gesellschaftsystem, das die Abschaffung der Religion anstrebte – im Glauben gestärkt werden und resistent bleiben gegenüber jeder Form ideologischer Zumutung.

So wurden spezielle Formen der Pastoral entwickelt, die im Osten Deutschlands bis heute Bestand haben. Familien trafen sich reihum in ihren Wohnungen zu Hauskreisen, Schülerinnen und Schüler begannen die Sommerferien mit einer "Religiösen Kinderwoche" (RKW) – zum Ausgleich für den entfallenen Religionsunterricht, der in den fünfziger Jahren aus den Schulen verdrängt worden war. Rückzugsorte und Rückversicherung für Gläubige, die vielfach Benachteiligungen ausgesetzt waren, nicht zum Abitur oder zum Studium zugelassen wurden, berufliche Einschränkungen hinnehmen mussten. Eine besondere Rolle spielte dabei das philosophisch-theologische Studium in Erfurt, das Priester für die Gemeinden in der DDR ausbildete: ein geistiger Freiraum, in dem die Studenten auch auf die Auseinandersetzung mit dem Marxismus-Leninismus vorbereitet wurden.