Kindersendung des Fernsehen der DDR Meister Nadelöhr und seine Freunde

Die DDR-Kinderfernseh-Figur "Meister Nadelöhr", dargestellt von Schauspieler Ekkehard Friedrichson, mit zwei Jungen
Eckhart Friedrichson (1930-1976) spielte den "Meister Nadelöhr" Bildrechte: dpa

Für die Kleinsten funktionieren Märchen im Kinderfernsehen am besten, so die Erkenntnis des Deutschen Fernsehfunks Mitte der 50er-Jahre. In Anlehnung an "Das tapfere Schneiderlein" wurde die Kunstfigur des "Meister Nadelöhr" entwickelt, der seine überdimensionale Zauber-Elle dann auch schon mal als Gitarre nutzen konnte. Eckart Friedrichson vom Deutschen Theater, damals 26 Jahre alt, spielte diese Rolle bis zu seinem Tod 1976. Anfangs hieß die Sendung "Meister Nadelöhr erzählt Märchen". Später wurde sie umbenannt in "Zu Besuch im Märchenland". "Meister Nadelöhr" erzählte Märchen, oder sang ein Lied.

Die eigentlichen Stars der Sendung waren aber die Puppen, vor allem der kleine freche Kobold "Pittiplatsch", der gerne einen Streich spielte, aber auch "Schnatterinchen", das eher brav und altklug daherkam. Ab und zu war auch der sowjetische Bruderteddy "Mischka" zu Gast. Die Märchenlandfiguren tauchten aber auch immer wieder im Abendgruß auf.

Fernsehen für die Kleinen

Meister Nadelöhr, Pittiplatsch der Liebe, Schnattchen und der Sandmann: Die Kleinen in der DDR liebten die Puppenwelt des DDR-Kinderfernsehens. Das natürlich auch an den Feiertagen immer mit von der Partie war.

Die DDR-Kinderfernseh-Figur "Meister Nadelöhr", dargestellt von Schauspieler Ekkehard Friedrichson, mit zwei Jungen
Meister Nadelöhr In Anlehnung an "Das tapfere Schneiderlein" wurde Mitte der 50er-Jahre die Kunstfigur des "Meister Nadelöhr" entwickelt, der seine überdimensionale Zauber-Elle dann auch schon mal als Gitarre nutzen konnte. Eckart Friedrichsohn vom Deutschen Theater, damals 26 Jahre alt, spielte diese Rolle bis zu seinem Tod 1976. Anfangs hieß die Sendung "Meister Nadelöhr erzählt Märchen". Später wurde sie umbenannt in "Zu Besuch im Märchenland". "Meister Nadelöhr" erzählte Märchen oder sang ein Lied. Später hatte Meister Nadelöhr auch einen festen Platz im "Abendgruß". Bildrechte: dpa
DDR Kinderfernsehen Spielhaus
Ein Bewohner des Spielhauses: Schlapperplapper In jeweils 30 Minuten erlebten Figuren wie "Schlapperplapper" oder auch "Knollo", der schon mal Explosionen hervorrief, amüsante Abenteuer. Ab und zu war das Leben und Treiben im "Spielhaus" auch in den Abendgrüßen zu sehen. Bildrechte: DRA/Fernsehen der DDR
Logo von Gix-Gax
GIX-GAX Hierbei handelte es sich um eine Spielsendung für Kinder ab sechs Jahren, moderiert von Uwe Karpa zusammen mit der Puppe "Witsch Watsch Wutsch". Zwei Kindergruppen aus zwei Orten traten in kleinen Spielrunden gegeneinander an. Und am Ende hieß es stets: "Und das ist kein Flax, beim nächsten Mal gibt es wieder viel GIX-GAX!" Die Kindersendung war von 1980 bis 1985 im DDR-Fernsehen zu sehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die DDR-Kinderfernseh-Figur "Meister Nadelöhr", dargestellt von Schauspieler Ekkehard Friedrichson, mit zwei Jungen
Meister Nadelöhr In Anlehnung an "Das tapfere Schneiderlein" wurde Mitte der 50er-Jahre die Kunstfigur des "Meister Nadelöhr" entwickelt, der seine überdimensionale Zauber-Elle dann auch schon mal als Gitarre nutzen konnte. Eckart Friedrichsohn vom Deutschen Theater, damals 26 Jahre alt, spielte diese Rolle bis zu seinem Tod 1976. Anfangs hieß die Sendung "Meister Nadelöhr erzählt Märchen". Später wurde sie umbenannt in "Zu Besuch im Märchenland". "Meister Nadelöhr" erzählte Märchen oder sang ein Lied. Später hatte Meister Nadelöhr auch einen festen Platz im "Abendgruß". Bildrechte: dpa
Sandmännchen
Unser Sandmännchen Ohne den Abendgruß des DDR-Fernsehens ins Bett zu müssen, konnte einem Kind schon den Glauben an Elternliebe und eine gerechte Welt nehmen. Seit dem 22. November 1959 auf Sendung avancierte der Sandmann schnell zum Allrounder. Er kam nicht nur per Kutsche, zu Fuß, im Auto oder Segelflugzeug, sondern auch schon mal politisch korrekt während der Erntezeit im Traktor, zur Leipziger Messe und mit einem Brückenleger der NVA.

Jeder Abendgruß hatte eine Gute-Nacht-Geschichte, und den DFF-Machern gelang über Jahrzehnte ein puppentechnischer Volltreffer nach dem anderen: Pittiplatsch ("ach du meine Nase") und Schnatterinchen, Frau Igel ("nuff-nuff-nuff"), Mauz und Hoppel, Moppi (der aus der Regentonne), Taddeus Punkt und Struppi, Pünktchen und Felix. Jeden Donnerstag Frau Puppendoktor Pille und am Sonntag Herr Fuchs und Frau Elster. Selbst im sogenannten Zonenrandgebiet saßen die Kinder gebannt vor dem Fernseher. Die Westschweinchen Piggeldy und Fredderick hatten keine Chance.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Herr Fuchs und Frau Elster                               Schanttchen und Moppi
Frau Elster und Herr Fuchs Frau Elster und Herr Fuchs wohnten von Anfang an im Märchenwald. Als das Paar im Jahr 1957 zum ersten Mal erschien, wurden zunächst bewusst die Klischees von der diebischen Elster und dem verschlagenen Fuchs bedient. Frau Elster war neugierig, eitel und klatschsüchtig. Und natürlich erregte alles, was glänzte, ihre Aufmerksamkeit. Herr Fuchs war gefräßig und ein Besserwisser und Gernegroß.

Bis zum Schluss behielt Frau Elster ihre Leidenschaft fürs "Mühle-Spiel". Bei Herrn Fuchs hingegen kamen mit der Zeit besonders zwei Charakterzüge mehr und mehr zum Vorschein: seine Leidenschaft zum Konstruieren und seine Sehnsucht nach dem Fliegen. Zahlreiche Flugversuche endeten jedoch in einer Katastrophe und schließlich brachte es das Elsterchen endlich auf den Punkt: Vögel fliegen und Füchse laufen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Pittiplatsch und Schnatterinchen
Pittiplatsch, der Liebe, hatte seinen ersten Fernsehauftritt am 17. Juni 1962. Damals sah man ihn vor allem mit Meister Nadelöhr. Zunächst waren die Pädagogen und manche Eltern gar nicht begeistert von dem frechen, kleinen Kobold. Heute lieben ihn alle. Mehr als 1.000 Mal hat er seine Späße beim "Sandmännchen" getrieben. Seine besten Freunde sind Schnatterinchen und Moppi. Bildrechte: dpa
Clown Ferdinand am Schreibtisch
Clown Ferdinand "Clown Ferdinand", der von den beiden Tschechen Jiří Vršťala und Jindřich Polák schon in den 50ern erfunden wurde, lief seit 1973 in insgesamt 13 pantomimischen Folgen auf den Fernsehschirmen der DDR. Er fuhr in seinem Wohnwagen, mit der markanten riesigen Sonnenblume am Revers, durch die Republik und meisterte die schwierigsten Situationen. Begleitet von Papagei Robert flog er auch mal mit einer Rakete ins All. "Clown Ferdinand" wurde später auch im Westen vom WDR ausgestrahlt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kinderhände aus Hoppla
Hoppla! Das Magazin für Kinder im Vorschulalter sollte auf unterhaltsame Art Dinge des alltäglichen Lebens vermitteln. Dabei bediente es sich kleiner Kindergeschichten oder auch kurzer Trickfilme. Zwischen den Beiträgen unterhielt "Clown Hoppla", gespielt vom Schauspieler Wolfgang Hosfeld, die Kinder mit seinen Pantomimen. Eine langjährige "Hoppla"-Sprecherin war Marianne Klussmann. Die Sendung lief von 1976 bis 1990 alle zwei Wochen samstags und montags im Wechsel mit der Sendung "Brummkreisel". Bildrechte: Hoppla vom 16.06.1990/DRA
Logo von Machs mit, machs nach, machs besser ...
Gerhard "Adi" Adolph war eine echte Legende im DDR-Fernsehen, ein richtiger Straßenfeger. Seit 1964 lockte er einmal im Monat sonntags um 10 Uhr die Zuschauer zu einer einstündigen Spielshow vor die Fernseher. Schulklassen aus verschiedenen Orten traten in Schulsporthallen gegeneinander an, sollten in sportlichen, spielerischen Wettkämpfen den olympischen Gedanken fördern und den Spaß am Leistungssport entdecken. Die Mannschaften mussten sich für die im Fernsehen stattfindende Endrunde qualifizieren. Adi, selber ehemaliger erfolgreicher Leistungssportler, trat immer im Trainingsanzug auf, bis zum Ende des DFF insgesamt 333 Mal. Dem Sieger winkte ein Pokal des Nationalen Olympischen Komitees der DDR. Bildrechte: Machs mit, machs nach, machs besser ... vom 03.07.1988/DRA
Logo von Spielhaus
Das Spielhaus Seit 1980 wurde die Puppenspielserie jeden Samstag 14 Uhr im Ersten Programm des DDR-Fernsehens ausgestrahlt. Acht kleine Bewohner mit ganz unterschiedlichen Charakteren rollten in einem fahrbaren Haus auf zehn Rädern durchs Land. Bildrechte: Spielhaus vom 01.09.1991/DRA
Clown Hampel mit He-du-Koffer
He Du! Diese Sendung wendete sich seit 1981 an die 10- bis 14-Jährigen. Zwei Schulklassen traten gegeneinander an und mussten Alltagsfragen beantworten. Schnitten sie schlecht ab, senkte sich eine Waage, auf den jeweiligen Seiten die Lehrer der Klassen, Stück für Stück ab, bis einer der Lehrer letztendlich in einem Wasserbecken landete. Mit Spielrunden und viel Musik wurde von verschiedenen Orten, einmal im Monat, sonntags und live, gesendet. Seit 1984 moderierte Wolfgang Lippert diese Jugendsendung. In kleinen Spielszenen tauchten außerdem die Clowns "Hampel" und "Pampel" auf. Bildrechte: He, du! vom 19.02.1989/DRA
Logo von 1-2-3-Allerlei
1-2-3 Allerlei In dieser Sendung animierte seit 1976 das kleine Hamstermädchen Pauline ihren Freund Tom (Thomas Schmitt), einen hervorragenden Schnellzeichner, immer wieder zu witzigem, unterhaltsamem Malen. Die Beiden bildeten im Kern nur den Rahmen, um die Kinder durch kleine Filme, die in die Sendung eingestreut wurden, zu unterhalten. Bildrechte: 1-2-3-Allerlei vom 13.09.1989/DRA
Logo von Brummkreisel
Brummkreisel Im "Brummkreisel", der ab 1982 jeden zweiten Samstag um 10 Uhr ausgestrahlt wurde, beschäftigten sich Joachim Kaps als "Achim" und Hans-Joachim Leschnitz als "Kunibert" auf vielfältige Weise mit den Kindern. Mal sangen sie Lieder für die Kinder am Fernsehschirm oder gemeinsam mit ihnen, mal lasen sie Geschichten vor oder zeigten Trickfilme aus Osteuropa. Einziges Dauerinventar in dem normalerweise abgedunkelten Studio war ein Puppentheaterhaus, in dem – so sagte man den Kindern - Kunibert wohnte. In der "FF Dabei" 08/1984 wird sie folgendermaßen angekündigt: "Brummkreisel: eine Sendung zum Anfassen und zum Mitmachen. Da wird gespielt, da gibts Reime und Geschichten. Die Muttersprache, die Heimat, das Arbeitsleben, Tiere, Feld und Wald sind die Themen." (Über dieses Thema berichtete der MDR auch im im Fernsehen: LexiTV | 16.03.2017 | 15:00 Uhr.) Bildrechte: Brummkreisel vom 15.10.1991/DRA
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Die Kinderstars – nichts fürs Taschentuch?

Die Märchenland-Puppen waren so populär, dass sie Mitte der Sechziger sogar zusammen mit dem Sandmännchen auf Taschentüchern auftauchten. Allerdings nur kurze Zeit. Denn wie die Illustrierte "Für Dich" im März 1966 berichtet, hagelte es Beschwerden von Eltern, wie etwa: "Die bunten Bilder verleiten unsere Kinder, die Taschentücher wie ein Bilderbuch herumzureichen, und damit wandern natürlich Bakterien und Viren von einem zum anderen." Solcherlei Entrüstung führte zu Konsequenzen in der Produktion. Der Generaldirektor der VVB Konfektion Berlin (Vereinigung Volkseigener Betriebe) schrieb der Illustrierten: "Für die zentrale Kaufhandlung 2. Halbjahr 1966 habe ich die Erzeugnisgruppe angewiesen, generell Kindertaschentücher nur noch mit neutralen Mustern zuzulassen." So verschwanden Sandmännchen und Pittiplatsch aus den Hosentaschen der DDR-Kinder.

Im Reisefieber

"Meister Nadelöhr" aus dem "Märchenland" durfte sich vor dem Mauerbau auch schon mal aus Wien anlässlich des Friedenstreffens der Jugend und Studenten 1959 melden. Ab 1961 waren solche Ausflüge politisch nicht mehr gewollt. Dem "Sandmann" erging es wie dem "Meister Nadelöhr". Er ging auf Reisen, wenn es politisch passte. So durfte er sich in Japan oder auf Kuba zeigen, wenn Erich Honecker dort einen Staatsbesuch machte. Aber zu viele Reisen waren nicht gut, weil so das Fernweh bei den Kleinen geweckt wurde. "Mischka" oder Trickfilme mit Märchen und Geschichten aus Osteuropa lenkten die Reiseträume wenigstens in die richtige Richtung.

Pittiplatsch und Schnatterinchen 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Sonntagnachmittag gehörte Pitti, Schnatti und Mischka. Moderiert wurde die Sendung erst von Meister Nadelöhr (Eckart Friedrichson), dann von Fabian (Klaus-Peter Pleßow).

Mi 25.12.1991 15:30Uhr 02:46 min

https://www.mdr.de/zeitreise/stoebern/damals/videowand/kinderfernsehen-ddr-dff-maerchenland-pittiplatsch-mischka-meister-nadeloehr-100.html

Rechte: DRA/Fernsehen der DDR

Video

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im Radio: MDR KULTUR | 27.05.2019 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2020, 11:43 Uhr