Blick auf eine Kleingartenanlage am Rande von Ost-Berlin.
Bildrechte: dpa

Geschichte des Kleingartens in Kurzfassung

Blick auf eine Kleingartenanlage am Rande von Ost-Berlin.
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Die Geschichte der Menschheit begann im Garten, überliefert uns die Bibel. Naturbelassen das Gelände, von Zäunen keine Spur. Ein großes Paradies. Inzwischen hat es der Mensch mit einer karierten Struktur überzogen. Das große Paradies zerstückelt in unzählige kleine. Fleißig wird hier unten geharkt und gepflanzt. Die das tun, sind gewissenhaft, doch längst nicht mehr die Jüngsten. Ihr Leben scheint im Garten regelrecht verwurzelt zu sein.

Die kleine Freiheit im Garten

Als sie ihre Parzellen bezogen, gab es noch die DDR. Fast jede fünfte Familie verbrachte damals ihre Freizeit im Garten. Es war die Chance, in der zugemauerten Enge eine eigene kleine Freiheit auszuleben, fern von Misswirtschaft und politischer Propaganda. Und mit dem selbst gezüchtetem Obst und Gemüse konnten die Kleingärtner sogar die  Versorgungslücken der Republik ein wenig schließen, schließlich waren es 1,2 Millionen Laubenpieper. Dann brach die DDR zusammen, und aus vielen Gärten wurden verlassene Paradiese.

Genormtes Glück

Viele Gartenfreunde mussten ihre Parzellen aufgeben und zogen dahin, wo es Arbeit gab. Andere schreckte die neue Regelflut. Denn in der Marktwirtschaft funktioniert die geschützte und steuerbegünstigte Kleingartenwelt nur mit dem Siegel der Gemeinnützigkeit. Und die braucht strenge Regeln: Dazu gehört eine Laube, die hat 24 Quadratmeter und ein WC und einen Schuppen zu haben.

Das Bundeskleingartengesetz und die damit zusammenhängenden Verordnungen und Verboten setzen weitere Grenzen: Gemüse- und Obstanbau auf einem Drittel der Fläche, Heckenhöhe 1 Meter 20, Nachtruhe ab 22 Uhr, Bäume nicht höher als 3 Meter, Wildwuchs nicht erlaubt.

Nachwuchssorgen

Doch den kleinen Paradiesen geht der Nachwuchs aus. In vielen Anlagen sind die Alten unter sich und werden immer weniger. Nur langsam keimt wieder etwas Hoffnung in den Garten-Siedlungen. Die ersten Jungen sind gekommen, manche mit Kind und Kegel, getrieben von der Lust auf Erholung und Pflanzen, die man mag. Wird mit dieser neuen Generation die reglementierte Gartenwelt von heute und gestern wieder bunter, oder vielleicht gar ein wenig anarchischer? Wie werden die kleinen Paradiese von morgen aussehen?

Diese Erkenntnis fehlt uns noch.

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2016, 18:36 Uhr