Nachruf Reinhard Lakomy ist tot

Er war Sänger, Komponist und Pianist. Er war als Jazzmusiker geachtet und als Balladensänger erfolgreich. Er schrieb über 200 Film- und Ballettmusiken. Mit seinen Kinderliedern aus dem "Traumzauberbaum" wuchsen in der DDR Generationen von Kindern auf. Am 23. März ist Reinhard Lakomy gestorben.

Reinhard Lakomy ist tot. Der Sänger und Komponist starb im Alter von 67 Jahren an Lungenkrebs. Lakomy war einer der bekanntesten und zugleich vielseitigsten Musiker der DDR und Ostdeutschlands. Große Popularität erlangte er als Komponist von Kinderliedern. Sein "Traumzauberbaum" begeisterte Generationen von Heranwachsenden.

Karrierebeginn als Jazzer - Erfolge als Sänger

Seine Musik-Karriere startete der 1946 als Sohn eines Farbenhändlers in Magdeburg geborene Lakomy im Jazz. Der studierte Komponist und Pianist musizierte mit dem DDR-Jazzpapst Klaus Lenz und im "Günther Fischer Quartett". Nebenbei komponierte er Lieder für Schlagergrößen wie Thomas Lück und Andreas Holm. Anfang der 70er-Jahre wurde Lakomy selbst zum "Schlager"-Star. Balladen wie "Es war doch nicht das erste Mal" und "Heute bin ich allein" wurden ein Riesenerfolg, brachten ihm aber auch Kritik seiner Jazz-Kollegen ein. Lakomy feierte dennoch weitere Erfolge, vor allem mit Gesangspartnerin Angelika Mann. Sein Duett "Mir doch egal" mit der "Lütten" gehörte zu den populärsten Liedern der DDR.

35 Jahre Musik für Kinder - Traumzauberbaum begeisterte Genrerationen

Nach vier LPs zog sich Lakomy jedoch aus dem Rampenlicht zurück. Mit seiner Frau Monika Erhardt begann Lakomy in den späten 1970er-Jahren, Musik für Kinder zu komponieren. Es entstanden 14 Schallplatten sowie Revuen und Musicals, darunter 1980 auch der "Traumzauberbaum". Die Sammlung von Liedern und Geschichten mit dem Regentropfen Paule Platsch, der frechen Nudel Springginkel, dem dicken Kürbis Kugel und den Waldgeistern Waldwuffel und Moosmutzel wurden zum Dauerbrenner mit bislang vier Millionen verkauften Tonträgern und wurde auch für die Bühne adaptiert. Auf die Frage, woher das Gespür für die beliebte Kinder-Musik kam, antwortete Lakomy: "Wenn Sie sich gerne an ihre eigene Kindheit erinnern, mag so etwas gelingen."

Keine Sehnsucht nach dem Unterdrückungsstaat

Daneben widmete sich Lakomy der elektronischen Instrumentalmusik, veröffentlichte in den 1980er-Jahren mehrere Platten und komponierte Filmmusiken sowie Soundtracks für den Polizeiruf. Nach der Wende versuchte er sich auch noch einmal als Liedermacher. Im Jahr 1993 veröffentlichte er sein Album "Die 6-Uhr-13-Bahn". Kritikern, die ihm wegen seiner bitteren Lieder darauf DDR-Nostalgie vorwarfen, entgegnete er, nach der realen DDR habe er keine Sehnsucht: "Geplant war ja mal eine bessere, eine antifaschistische Gesellschaft, nicht dieser Unterdrückungsstaat ." Zugleich bekannte er: "Meine Heimat ist Berlin und Umgebung, von Warnemünde bis Buna."

Wenn man auf ein so reiches Leben zurückblicken kann, wird das Fest nicht schöner, nur weil es länger dauert.

Reinhard Lakomy

Diagnose Krebs

Am Rosenmontag 2013 bekam Lakomy die Diagnose Lungenkrebs im Endstadium. Eine Chemotherapie lehnte er ab, getreu einem seiner Lieblingssprüche: "Wenn man auf ein so reiches Leben zurückblicken kann, wird das Fest nicht schöner, nur weil es länger dauert." Seine Frau teilte mit, Lakomy habe sich aber noch daran gemacht, die Arrangements für seine Show umzuschreiben, damit auf der Bühne alles nahtlos ohne ihn weitergehen könne. Die "Traumzauberbaum"-Tournee des Reinhard-Lakomy-Ensembles, auf der bis November 2014 rund 60 Auftritte geplant seien, solle weitergehen.

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2013, 21:23 Uhr

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