Wahrer Volksaufstand oder Staatsstreich?                                

Ein Soldat und ein bewaffneter Zivilist zielen am 24. Dezember 1989 in Rumänien aus einem Hauseingang heraus auf Heckenschützen.
Ein Soldat und ein bewaffneter Zivilist zielen am 24. Dezember 1989 in Rumänien aus einem Hauseingang heraus auf Heckenschützen. Bildrechte: dpa

Ungeklärt ist bis heute auch, ob "die Straßenkämpfe von bestimmten Drahtziehern inszeniert wurden, oder ob sie ein Selbstläufer waren", meint der Bukarester Historiker Bogdan Murgescu. Fest steht immerhin: Mit ihnen rechtfertigten die neuen Machthaber um Ion Iliescu die Todesurteile gegen Elena und Nikolai Ceausescus in einem äußerst fragwürdigen Schnellprozess. Am ersten Weihnachtsfeiertag erschossen Elitetruppen das Diktatorenpaar. Die Bilder der von Kugeln durchsiebten Leichen gingen um die Welt und sorgten für Entsetzen. Als Vater Alexandru Munteanu die Aufnahmen sah, spürte er hingegen Erleichterung darüber, "dass der Diktator erledigt war".

Wer heutzutage nach der Revolution in Rumänien fragt, bekommt wegen der offenen Fragen eine Menge Theorien zu hören. Die wenigsten sprechen von einem "wahren Volksaufstand". Die Mehrheit der Rumänen hält die Revolution für einen "Staatsstreich von Ceausescu-Dienern", die bis heute versuchen würden, die 1989er Ereignisse undurchsichtig zu halten. Auch die Hoffnung, dass die rumänische Justiz Licht ins Dunkel bringen würde, hat sich nicht erfüllt. Viele der Strafverfahren, mit denen die Täter für die zahlreichen Revolutionstoten ermittelt werden sollten, verliefen im Sande oder sind noch immer nicht abgeschlossen. "Es herrscht viel Galgenhumor über den 1989er-Aufstand", sagt der Bukarester Historiker Dragos Petrescu. "Wir reden einerseits von einer Revolution, weil über Tausend Menschen getötet wurden. Andererseits negieren wir sie, weil sie uns obskur vorkam. Das ist schmerzhaft, denn wir verspotten unseren Umsturz als ‚Revolution, die keine war‘."