Karl-Eduard von Schnitzler und "Der Schwarze Kanal"

Karl-Eduard von Schnitzler ist das Gesicht einer der bekanntesten und umstrittensten Sendungen des DDR-Fernsehens: "Der Schwarze Kanal". Erst am 30. Oktober 1989 wurde "Der Schwarze Kanal" nach insgesamt 1.519 Sendungen aus dem Programm genommen.

Karl-Eduard von Schnitzler
Karl-Eduard von Schnitzler (1997) Bildrechte: dpa

21. März 1960: "Der Schwarze Kanal" geht auf Sendung. Die ersten Worte von Karl-Eduard von Schnitzler: "Der Schwarze Kanal, den wir meinen, meine lieben Damen und Herren, führt Unrat und Abwässer; aber statt auf Rieselfelder zu fließen, wie es eigentlich sein müsste, ergießt er sich Tag für Tag in hunderttausende westdeutsche und Westberliner Haushalte. Es ist der Kanal, auf welchem das westdeutsche Fernsehen sein Programm ausstrahlt: Der Schwarze Kanal. Und ihm werden wir uns von heute an jeden Montag zu dieser Stunde widmen, als Kläranlage gewissermaßen."

Beim Publikum verhasst

Fast 30 Jahre lang wird der Chefkommentator und Mitglied des Staatlichen Komitees für das Fernsehen der DDR diesen Anspruch wie eine Fahne vor sich hertragen. Das Magazin war als polemische Konterpropaganda konzipiert und sollte die Verlogenheit der westlichen Politik am Beispiel des westdeutschen Fernsehens entlarven. Applaus gab's dafür nur bei den Betonköpfen, beim Publikum stießen Schnitzlers Hasstiraden gegen den "Klassenfeind" auf größte Ablehnung.

Einschaltquoten waren geheim

Auf einem RFT Farb-Fernseher, der in einer typischen DDR-Schrankwand steht, läuft am 30.11.2012 im DDR Museum in Berlin in einer Endlos-Schleife der Beginn der Sendung "Der schwarze Kanal" mit Karl-Eduard von Schnitzler.
RFT-Fernseher, in dem "Der schwarze Kanal von und mit Karl Eduard von Schnitzler" läuft. Bildrechte: dpa

Das Konzept des "Schwarzen Kanals" bestand darin, Ausschnitte aus westdeutschen Fernsehsendungen zu zeigen und dann zu Agitationszwecken im Sinne der SED auszulegen. Die Art der Kommentierung und die tendenziöse Auswahl der Bildbeiträge waren sehr umstritten, denn die Zitate waren oft aus dem Zusammenhang gelöst und wirkten damit nicht selten sinnverändernd. Die Einschaltquoten für den "Schwarzen Kanal" wurden nie bekannt gegeben. Für DDR-Zuschauerinnen und Zuschauer war Karl-Eduard von Schnitzler nur Karl-Eduard von Schnitz. Bei "...ler" hatten sie schon umgestellt. Aufatmen und Beifall gab es, als er und sein "Schwarzer Kanal" am 30. Oktober 1989 nach 1.519 Sendungen aus dem Programm genommen wurden.

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Aktuell" 12.05.2017 | 21.45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2019, 13:56 Uhr