Ein Vergleich Die Geheimnisse eines DDR-Weinetiketts

(1) Lage: Sie bezeichnet die engste Eingrenzung der Herkunft eines Weines. In diesem Falle kennzeichnet der "Freyburger Schweigenberg" eine traditionsreiche "Altlage" des Saale-Unstrut-Gebietes. Dr. Gerald Lange, Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg, merkte 2009 in einem Leserbrief zur Frage solcher Traditionsnamen zu DDR-Zeiten an: "Im Übrigen haben mir Beteiligte versichert, dass es sich bei diesen Abfüllungen keineswegs um Lagenweine handelt. Die Lagen standen synonym für bestimmte Weinsorten."

(2) Anbaugebiet: Dieses macht deutlich, dass die Trauben des Weines an Saale und Unstrut gewachsen sind.

(3) Erzeuger: Im Falle des "Freyburger Schweigenberg" ist das die VdgB Winzergenossenschaft e.G. Freyburg/U. Die Abkürzung VdgB steht für "Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe", eine Massenorganisation der DDR. Die ursprünglich unabhängige "Winzervereinigung Freyburg" wurde 1952 zwangsweise in den VdgB eingegliedert und verlor damit seine Selbstständigkeit.

(4) Rebsorte: Durch seinen Ruf, ein Klassiker unter den Weinen an Saale und Unstrut zu sein, wird die Rebsorte des Rieslings hier einzeln ausgewiesen. Jedoch gab es zu DDR-Zeiten auch Weine, die nur unter einem Rebnamen ohne weitere Lagen- oder Herkunftsbezeichnung angeboten wurden.

(5) Handelsschlüsselnummer: Ist ein Produkt-Klassifizierungssystem für den Einzelhandel in der DDR. Durch diese konnte der Wein identifiziert werden.

(6) EVP = Einzelhandelsverkaufspreis: Ist die Bezeichnung für staatlich vorgeschriebene Festpreise. Diese Festpreise galten im gesamten Gebiet der DDR und wurden vom Amt für Preise beim Ministerrat festgelegt. Am EVP wurde in der Regel über Jahre festgehalten, insbesondere im Bereich der Grundnahrungsmittel. Er entsprach nicht den tatsächlichen Herstellungskosten, sondern lag meist weit darunter.