Die DDR und der Wintersport

Die DDR und der Wintersport

Medaillensammler

Die erfolgreichsten Wintersportler der DDR - 70er/80er-Jahre

Annett Pötzsch, deutsche Eiskunstläuferin
Anett Pötzsch-Rauschenbach wurde von der erfolgreichsten deutschen Eiskunstlauf-Trainerin Jutta Müller trainiert. Mit ihr wurde sie 1980 Olympiasiegerin und 1978 und 1980 Weltmeisterin. Heute arbeitet die ehemalige Eiskunstläuferin als Trainerin in Dresden und ist außerdem internationale Preisrichterin. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Das Archivbild vom 20. Januar 1988 zeigt die Eisschnelläuferin Karin Enke-Kania bei den Weltmeisterschaften im schweizerischen Davos.
Die in Dresden geborene Karin Enke-Richter gehörte in den 80er-Jahren zur Eisschnelllauf-Weltspitze. 1980 und 1984 holte sie auf drei verschiedenen Strecken den Olympiasieg. Dazu kamen vier Silbermedaillen und eine Bronzemedaille. Sie galt lange als beste Eisschnelllauf-Allrounderin der Welt und beherrschte die kurzen wie langen Strecken mit ihrem ästhetisch perfekten und technisch ausgefeilten Laufstil. Zehn Weltrekorde und 21 Weltcupsiege küren ihre Erfolgsbilanz. Außerdem lief sie als erste Frau die 1.500 Meter unter zwei Minuten. Bildrechte: dpa
Jens Weißflog
Als 19-Jähriger gewinnt er 1984 erstmals die Vierschanzentournee, noch im gleichen Jahr steht er bei den Olympischen Winterspielen in Sarajevo ganz oben auf dem Treppchen. Weißflog wird zum Vorzeigesportler der DDR. Noch mit 30 schaffte er die Umstellung auf einen neuen Sprungstil und feierte erneut große Erfolge. Heute führt er in Oberwiesenthal sein eigenes Appartementhotel. Bildrechte: dpa
Katarina Witt
Auf dem Eis tanzte sie sich bis an die Weltspitze und ist bis heute die erfolgreichste Eiskunstläuferin aller Zeiten. Kati Witt holte zwei Olympiasiege und vier Weltmeistertitel für die DDR. Nach der Wende startete sie erfolgreich eine Karriere als Geschäftsfrau und schrieb ihre Autobiografie "Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür". Bildrechte: dpa
Annett Pötzsch, deutsche Eiskunstläuferin
Anett Pötzsch-Rauschenbach wurde von der erfolgreichsten deutschen Eiskunstlauf-Trainerin Jutta Müller trainiert. Mit ihr wurde sie 1980 Olympiasiegerin und 1978 und 1980 Weltmeisterin. Heute arbeitet die ehemalige Eiskunstläuferin als Trainerin in Dresden und ist außerdem internationale Preisrichterin. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
DDR-Biathlet Frank Ullrich
Der 1958 in Trusetal geborene Frank Ullrich ist einer der erfolgreichsten Biathleten aller Zeiten – zwischen 1976 und 1983 war er zweimal Olympiasieger neunmal Weltmeister und viermal Weltcupsieger. Nachdem er 1983 aus gesundheitlichen seine Karriere beendet hatte, absolvierte er ein Studium an der DHfK in Leipzig und trainierte ab 1987 die DDR-Nationalmannschaft im Biathlon. Seit 1998 ist Ulrich Nationaltrainer der bundesdeutschen Biathleten. 2009 sah er sich schweren Vorwürfen ausgesetzt – als DDR-Trainer soll er seinen Schützlingen Dopingmittel verabreicht haben. Ullrich bestritt das vehement. Und der Deutsche Skiverband sprach ihn schließlich auch von allen Vorwürfen frei. Bildrechte: dpa
Frank-Peter Roetsch
Frank-Peter Roetsch wurde 1964 in Güstrow geboren und war zunächst Nordischer Kombinierer, ehe er sich dem Biathlon verschrieb. Der bei der Polizei beschäftigte Athlet erreichte im Rahmen der Biathlon-Weltmeisterschaften 1983 seine erste Medaille: Silber im Einzel. Es folgten Silber bei den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajevo und der Sieg bei der Biathlon-Weltmeisterschaft 1985 in Ruhpolding. 1987 gewann er zum dritten und letzten Mal die Gesamtweltcupwertung. Sein letztes sportliches Großereignis waren die Olympischen Winterspiele 1992 in Albertville. Heute arbeitet er als freier Handelsvertreter im Bereich Sportmarketing und zeitweise als Co-Kommentator für Eurosport. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Steffi Martin, ehemalige deutsche Rennrodlerin.
Bei den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo und 1988 in Calgary gewann Steffi Walter-Martin jeweils die Goldmedaille im Rodeln. Keiner Frau vor ihr gelang es, eine olympische Goldmedaille zu verteidigen. Außerdem gehört sie mit diesen beiden Siegen neben Sylke Otto zu den erfolgreichsten Rodlerinnen überhaupt. In den Jahren 1983 in Lake Placid und 1985 in Oberhof wurde sie jeweils Weltmeisterin, 1984 Gesamtweltcupsiegerin. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Uwe-Jens Mey
Der heute 46-jährige Uwe-Jens Mey wurde in Warschau geboren. Doch als Eisschnellläufer startete er für die DDR. 1988 gewann er bei den Olympischen Spiele in Calgary Gold über 500 Meter und Silber über 1.000 Meter. Bildrechte: dpa
Jens Müller, deutscher Rodler
Der 1965 im sächsischen Torgau geborene Jens Müller galt seit Mitte der 1980er-Jahre als einer der besten Rennrodler der Welt. Er war Welt- und Europameister und gewann bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary die Goldmedaille. 2002 brachte er seine "letzte Fuhre" ins Tal. Seither arbeitet er als Rennrodel-Trainer. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Christa Luding-Rothenburger
Die Eisschnellläuferin Christa Luding-Rothenburger startete 1979 das erste Mal für die DDR und erreichte bei der Sprint-WM einen 3. Platz. 1984 wurde sie Olympiasiegerin und 1985 Weltmeisterin im Sprintvierkampf. Sie erkämpfte 16 Weltcupsiege und 8 Weltrekorde und sprintete 14 Jahre auf höchstem Niveau. 1988 gewann sie sowohl bei den Winter- als auch bei den Sommerspielen Edelmetall: Nach Gold und Silber im Eisschnelllauf bekam sie Silber beim olympischen Bahnradsprint. Bildrechte: dpa
Falko Weißpflog
Zu Falko Weißpflogs größten Erfolgen zählen die Bronzemedaille bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Lahti im Jahr 1978 sowie 1976 der Skiflugweltrekord mit 174 Metern in Oberstdorf. Falko Weißpflog galt damals als einer der wagemutigsten Skispringer der Welt. Er begeisterte sogar die Musikwelt: Der Wiener Popstar Johann Hölzel legte sich den Künstlernamen Falco zu. Aufnahme aus Oberstdorf 1976. Bildrechte: dpa
Der deutsche Bob-Pilot Wolfgang Hoppe (Oberhof), aufgenommen 1997
Wolfgang Hoppes Sportlerlaufbahn begann in der Leichtathletik, doch 1981 wechselte er in den Bob. Dort wurde der Thüringer der erfolgreichste Bobfahrer aller Zeiten. Bei internationalen Titelkämpfen gewann er insgesamt 36 Medaillen. Seit 1999 betreut der diplomierte Sportlehrer als Bundestrainer die deutschen Bobfahrerinnen.
(Über dieses Thema berichtete MDR in "Deutschland - Ein Wintersportmärchen", 28.12.2011, 15.30 Uhr)
Bildrechte: dpa
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Katarina Witt
Auf dem Eis tanzte sie sich bis an die Weltspitze und ist bis heute die erfolgreichste Eiskunstläuferin aller Zeiten. Kati Witt holte zwei Olympiasiege und vier Weltmeistertitel für die DDR. Nach der Wende startete sie erfolgreich eine Karriere als Geschäftsfrau und schrieb ihre Autobiografie "Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür". Bildrechte: dpa

Die erfolgreichsten Wintersportler der DDR - 60er/70er-Jahre

DDR-Skispringer Helmut Recknagel aus Zella-Mehlis jubelt und wird am 28.02.1960 nach seinem Olympiasieg bei den VIII. Olympischen Winterspielen in Squaw Valley auf den Schultern zweier Mannschaftsbetreuer getragen.
Helmut Recknagel gewann 1960 als erster deutscher und erster Nicht-Skandinavier eine olympische Goldmedaille im Skispringen. Der 1937 in Steinbach-Hallenberg geborene Recknagel beherrschte in 50er-/60er-Jahren die internationale Konkurrenz nach Belieben – er wurde mehrfach Weltmeister und viermal Sieger der Internationalen Vierschanzen-Tournee. Aufmerksamkeit erregte Recknagel auch mit seinem eigenwilligen Sprungstil: Er sprang mit vor dem Kopf ausgestreckten Armen – so, als wolle er sich an der Luft nach vorn ziehen. Nach dem Ende seiner Karriere studierte er Tiermedizin, promovierte und arbeitete als Fachtierarzt für Lebensmittelhygiene. 1990 verlor er seine Arbeit und schulte zum Versicherungskaufmann um. 1996, mit knapp 60, eröffnete Recknagel eine Orthopädie-Werkstatt in Berlin, die er bis zur Rente betrieb. Bildrechte: dpa
DDR-Skispringer Helmut Recknagel aus Zella-Mehlis jubelt und wird am 28.02.1960 nach seinem Olympiasieg bei den VIII. Olympischen Winterspielen in Squaw Valley auf den Schultern zweier Mannschaftsbetreuer getragen.
Helmut Recknagel gewann 1960 als erster deutscher und erster Nicht-Skandinavier eine olympische Goldmedaille im Skispringen. Der 1937 in Steinbach-Hallenberg geborene Recknagel beherrschte in 50er-/60er-Jahren die internationale Konkurrenz nach Belieben – er wurde mehrfach Weltmeister und viermal Sieger der Internationalen Vierschanzen-Tournee. Aufmerksamkeit erregte Recknagel auch mit seinem eigenwilligen Sprungstil: Er sprang mit vor dem Kopf ausgestreckten Armen – so, als wolle er sich an der Luft nach vorn ziehen. Nach dem Ende seiner Karriere studierte er Tiermedizin, promovierte und arbeitete als Fachtierarzt für Lebensmittelhygiene. 1990 verlor er seine Arbeit und schulte zum Versicherungskaufmann um. 1996, mit knapp 60, eröffnete Recknagel eine Orthopädie-Werkstatt in Berlin, die er bis zur Rente betrieb. Bildrechte: dpa
Gaby Seyfert, Jutta Müller und Fotografen (1969)
Sportreporter Heinz-Florian Oertel nannte Gaby Seyfert (l.) einmal die "große Dame des Eiskunstlaufens". Zwischen 1960 und 1970 war sie nicht nur die beste Eiskunstläuferin der DDR – sie war auch mehrfache Welt- und Europameisterin und gewann bei den Olympischen Spielen 1968 die Silbermedaille. Das Talent kam nicht von ungefähr, schließlich ist ihre Mutter Jutta Müller - eine der weltweit erfolgreichsten Eiskunstlauftrainerinnen. Nach ihrer Sport-Karriere arbeitete Gaby Seyfert als Englisch-Dolmetscherin. 1991 schulte sie zur Sportmanagerin um, heute betreibt sie ein Immobilienbüro. 1999 wurde bekannt, dass die exzentrische Eiskunstlauf-Diva, die zunächst von der Staatssicherheit penibel observiert worden war, sich 1977 zu einer Zusammenarbeit mit dem Mielke-Ministerium bereit erklärt hatte. Bildrechte: dpa
DDR-Biathlet Frank Ullrich
Der 1958 in Trusetal geborene Frank Ullrich ist einer der erfolgreichsten Biathleten aller Zeiten – zwischen 1976 und 1983 war er zweimal Olympiasieger neunmal Weltmeister und viermal Weltcupsieger. Nachdem er 1983 aus gesundheitlichen seine Karriere beendet hatte, absolvierte er ein Studium an der DHfK in Leipzig und trainierte ab 1987 die DDR-Nationalmannschaft im Biathlon. Seit 1998 ist Ulrich Nationaltrainer der bundesdeutschen Biathleten. 2009 sah er sich schweren Vorwürfen ausgesetzt – als DDR-Trainer soll er seinen Schützlingen Dopingmittel verabreicht haben. Ullrich bestritt das vehement. Und der Deutsche Skiverband sprach ihn schließlich auch von allen Vorwürfen frei. Bildrechte: dpa
Helga Haase
Helga Haase war 1960 die erste Olympiasiegerin der DDR und die erste Deutsche, die im Eisschnelllauf eine Goldmedaille gewinnen konnte. Nach ihrer Heimkehr wurde die als Sekretärin bei der Volkspolizei beschäftigte Olympiasiegerin zum Unterleutnant der Volkspolizei befördert und mit dem "Vaterländischen Verdienstorden" ausgezeichnet. 1967 beendete die 21-fache DDR-Meisterin ihre sportliche Laufbahn und war bis zu ihrer Invalidisierung 1984 Nachwuchstrainerin beim SC Dynamo Berlin. Helga Haase verstarb 1989 im Alter von nur 55 Jahren. Sie war eine "geachtete und bewährte Genossin, die ihre ganze Kraft für die Entwicklung unserer sozialistischen Sportorganisation einsetzte", schrieb das "Sportecho" in einem Nachruf. Bildrechte: dpa
Reinhard Bredow und Horst Hörnlein
An die Weltmeisterschaft 1967 in Schweden hat der 1945 geborene Rennrodler Horst Hörnlein (re. im Bild) keine guten Erinnerungen – wegen angeblich "erhitzter Kufen" wurde er disqualifiziert. Hörnlein spricht noch heute von einem "Schurkenstreich", der ihn um eine Medaille brachte. Aber in den folgenden Jahren fuhr er noch etliche Siege ein: Er war Olympiasieger und mehrfacher Welt- und Europameister - sowohl im Ein- als auch im Doppelsitzer. Nach dem Ende seiner Karriere 1973 arbeitete Horst Hörnlein als Bobtrainer und förderte im Auftrag des Bobweltverbandes "seinen" Sport in anderen Ländern. Bildrechte: dpa
Ulrich Wehling
"Ein Großer wird nur, wer sich quälen kann", sagte Ulrich Wehling einmal. Und quälen konnte sich der 1952 in Halle geborene Nordische Kombinierer: Sein Kampfgeist und Siegeswille waren legendär: 1972, 1976 und 1980 wurde er Olympiasieger, dazu gewann er viermal den Weltmeistertitel. Wehling galt damals als "der König des Nordischen Skisports" und ist bis heute der erfolgreichste Nordische Kombinierer der Olympiageschichte. Nach dem Ende seiner Laufbahn 1980 wurde Ulrich Wehling zwei Jahre später Generalsekretär des DDR-Skilaufverbandes, 1992 übernahm er das Amt des Sportlichen Direktors des Internationalen Skiverbandes FIS. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Meinhard Nehmer und Bernhard Germeshausen
Dieser Mann ist eine Seltenheit - denn Meinhard Nehmer (im Bild li.), einer der erfolgreichsten Fahrer in der Geschichte des Bobrennens, stammt von der "Waterkant": Er wurde 1941 in Pommern geboren. Als junger Mann arbeitete er sogar in der Wetterwarte am Kap Arkona auf der Insel Rügen. Nachdem er sich unter anderem als Speerwerfer versucht hatte, landete er beim Bobsport, weil er "einen gewissen Hang zum Risiko und zu verrückten Sachen hatte". Mit Nehmer an Bord baute die DDR Anfang der 70er-Jahre wieder ein eigenes Bobteam auf. Der Höhepunkt seiner Karriere: zweimal olympisches Gold. Nach seiner aktiven Zeit war er noch viele Jahre als internationaler Trainer tätig, bevor er sich mit 65 Jahren zur Ruhe setzte. Damals resümierte er: "Ich habe früher und auch heute noch bei zwei Dingen immer eine Gänsehaut bekommen. Das ist bei Musik von Giuseppe Verdi und beim Bobfahren. Die Faszination ist geblieben." Bildrechte: imago/Sven Simon
Eisschnellläuferin Andrea Mitscherlich (DDR) bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck 1976
Bei den Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck sorgte eine 15-jährige Dresdnerin für eine Sensation: Eisschnellläuferin Andrea Mitscherlich gewann über 3.000 Meter als jüngste Starterin die Silbermedaille. Dabei hatte auch sie, wie viele andere Sportler auch, zunächst mit einer anderen Disziplin begonnen: Sie war Eiskunstläuferin beim SC Einheit Dresden. Doch als ihr Paarlaufpartner wegen einer Erkrankung die Schlittschuhe an den Nagel hängen musste, wechselte sie zu den Schnellläufern. Nach zahlreichen nationalen und internationalen Erfolgen legte sie Anfang der 80er-Jahre eine Babypause ein, meldete sich danach aber prompt zurück, um - unter den Nachnamen Schöne, später Ehrig - weitere Olympiamedaillen und Meisterschaftstitel einzufahren. Auf ihrer Paradstrecke über 3.000 m wurde sie 1984 Olympiasiegerin. Bildrechte: imago/Pressefoto Baumann
DDR-Rodler Hans Rinn 1976 bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck
Der Thüringer Hans Rinn war in den 70er-Jahren nicht nur der erfolgreichste Rennrodler der Welt, sondern auch ein besonders einfallsreicher: Er baute sich seine eigenen aerodynamischen Schuhe. Dafür kaufte er sich in einem Ilmenauer Sportwarenladen ein paar Spikes ohne Dornen, machte damit heimliche Probeläufe und war prompt noch etwas schneller. Auch der Zufall stand Pate bei seinen Ideen: Beim Training hatte er ein paar Kufen verbogen und war damit noch einmal gefahren und plötzlich schneller als vorher. Fortan fuhr er häufig mit leicht abgerundeten Kufen. Und selbst nach olympischem Gold, Weltmeister- und Europameistertiteln blieb er dem "Basteln" treu: In seinem Familienbetrieb beschäftigt er sich immer noch mit Rennrodeln, Bobs und tüftelte sogar schon an einem Eisgleiter für Rollstuhlfahrer. Bildrechte: dpa
Eiskunstläufer Jan Hoffmann WM 1974 München
Der jüngste Teilnehmer der X. Olympischen Winterspiele 1968 im französischen Grenoble kam aus der DDR: Jan Hoffmann nahm mit zwölf Jahren erstmals an Olympia teil - und landete im Eiskunstlauf der Herren auf Platz 26: der drittletzte Platz. Doch schon sechs Jahre später wurde er zum ersten Mal Weltmeister und holte später auch olympisches Silber. Vor allem für seine Sprünge war der gebürtige Dresdner bekannt, wagte sich früh an den "dreifachen Lutz". Fast hätte es seine erfolgreiche Eiskunstlaufbahn gar nicht gegeben: Sein Großvater wollte ursprünglich einen Eishockeyspieler aus ihm machen. Heute praktiziert Jan Hoffmann als orthopädischer Facharzt in der Nähe von Dresden. Bildrechte: IMAGO
Hans-Georg Aschenbach
Er war "der Mann mit der Mütze": Eine selbstgestrickte blau-weiße Pudelmütze machte Skispringer Hans-Georg Aschenbach unverwechselbar. Und sie brachte ihm Glück: Er wurde Weltmeister, gewann die Vierschanzentournee und holte 1976 schließlich olympisches Gold auf der Normalschanze. Das besondere an Aschenbachs Sprüngen war dabei nicht unbedingt nur ihre Weite, sondern vor allem die Ästhetik und Innovation seines Sprungstils. Legendär ist einer seiner ersten Wettbewerbssprünge Ende der 60er-Jahre: Aschenbach verlor beim Absprung am Schanzentisch beide Ski, behielt die Sprunghaltung aber bei, landete bei 48 Metern und rutschte den Schanzenauslauf herunter. "Eigentlich zählt mein Sprung heute noch als Weltrekord im Skispringen ohne Skier", kommentierte er über 30 Jahre später diese Begebenheit.
(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: "Deutschland - Ein Wintersportmärchen" | 28.12.2011 | 15.30 Uhr.)
Bildrechte: imago/Werek
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Sport als Fortsetzung der Politik

Geschichte

Olympia 1968: Wie Deutschland auch im Sport geteilt wurde

Bis 1964 nahm eine gesamtdeutsche Mannschaft an den Olympischen Spielen teil - trotz der Differenzen zwischen BDR und DDR. Erst am 6. Februar 1968 traten zum ersten Mal zwei deutsche Olympia-Teams an.

Die 3000-m-Hindernisläufer Günther Hesselmann (r) aus Deutschland und Wladimir Kasanzew aus der UdSSR gratulieren sich im Ziel.
In Folge des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland von den Olympischen Spielen 1948 ausgeschlossen. Vier Jahre später durften die deutschen Athleten wieder teilnehmen. Freilich stellte das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Bedingung: eine gesamtdeutsche Mannschaft musste antreten. Die BRD und DDR konnten sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Team einigen. So nahmen letztendlich nur Sportler der jungen Bundesrepublik teil, wie Günther Hesselmann (re.). Allerdings nicht eben erfolgreich: Nicht nur der 3000-Meter-Hindernisläufer konnte seinen Auftritt nicht vergolden, auch das gesamte deutsche Team blieb ohne Goldmedaille. Bildrechte: dpa
Die 3000-m-Hindernisläufer Günther Hesselmann (r) aus Deutschland und Wladimir Kasanzew aus der UdSSR gratulieren sich im Ziel.
In Folge des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland von den Olympischen Spielen 1948 ausgeschlossen. Vier Jahre später durften die deutschen Athleten wieder teilnehmen. Freilich stellte das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Bedingung: eine gesamtdeutsche Mannschaft musste antreten. Die BRD und DDR konnten sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Team einigen. So nahmen letztendlich nur Sportler der jungen Bundesrepublik teil, wie Günther Hesselmann (re.). Allerdings nicht eben erfolgreich: Nicht nur der 3000-Meter-Hindernisläufer konnte seinen Auftritt nicht vergolden, auch das gesamte deutsche Team blieb ohne Goldmedaille. Bildrechte: dpa
  Das Archivbild stammt von den XVI. Olympischen Spielen im australischen Melbourne im Jahre 1956, bei denen eine gesamtdeutsche Mannschaft aus Sportlern der Bundesrepublik und der DDR ins Stadion einmarschierte.   Ost- und Westdeutschland schickten auf IOC-Beschluss eine gemeinsame Mannschaft nach Melbourne, nachdem die Bundesrepublik vier Jahre zuvor in Helsinki als alleiniger Vertreter Deutschlands am Start war.
Dennoch wollte die junge DDR nicht dauerhaft auf olympische Medaillen verzichten, also kam man nicht um Verhandlungen herum: Bei den Spielen von Melbourne 1956 trat zum ersten Mal seit der Teilung Deutschlands eine gesamtdeutsche Mannschaft an. Da die Bundesrepublik und die DDR verschiedene Nationalhymnen hatten, wurde für Sieger beider Staaten Beethovens "Freude, schöner Götterfunke" gespielt. Bildrechte: dpa
Outfits für Athleten, 1960
1960: Die Olympia-Outfits für das gesamtdeutsche Team wurden teilweise in Ost- und Westdeutschland hergestellt. Bei den Trainingsanzügen setzten die Designer bei den Frauen auf hell-, bei den Männern auf dunkelblau. Beim Einmarsch ins Stadion erschienen die Frauen in einem türkisfarbenem Kostüm, die Männer in einem beigefarbenen Anzug. Doch der schöne Schein trügt… Bildrechte: IMAGO
Die olympischen Medaillengewinner (v.l) Wolfgang Behrendt, Klaus Richtzenhain, Eva-Maria ten Elsen machen mit ihren 46 DDR-Teamgefährten bei der Rückkehr von den Olympischen Spielen in Melbourne am 13.12.1956 auf dem Flughafen in München Zwischenstadion.
... denn von Anfang an gab es Spannungen und die DDR-Athleten blieben unter sich. Die olympischen Medaillengewinner (v.l.) Wolfgang Behrendt, Klaus Richtzenhain, Eva-Maria ten Elsen machten mit ihren 46 DDR-Teamgefährten bei der Rückkehr von den Spielen in Melbourne auf dem Flughafen in München Zwischenstation. Während es hier gesellig zuging, gab es kaum Kontakte zu westdeutschen Athleten: Während der Spiele wohnten und trainierten die Athleten getrennt. Wenn überhaupt, dann sahen sie sich zu den Mahlzeiten. Bildrechte: dpa
Die gesamtdeutsche Turner-Mannschaft für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rom am 17.07.1960 in München (l-r): Philipp Fürst (DTB), Günter Nachtigall (DTV), Siegfried Fülle (DTV), Günter Lyhs (DTB), Erwin Koppe (DTV), Karlheinz Friedrich (DTV), Günter Jakoby (DTB) und Helmut Bantz (DTB).
Trotz einer gemeinsamen Mannschaft konkurrierten die beiden deutschen Staaten hart miteinander. Das machte sich schon bei den Qualifikationswettkämpfen bemerkbar. Dort prallten die Machtinteressen der politischen Systeme aufeinander. Der Turner Siegfried Fülle (3.v.li.), der 1960 für die DDR an den Olympischen Sommerspielen in Rom teilnahm, erinnert sich: "Damals haben die west- und ostdeutschen Kampfrichter bewusst falsche Wertungen abgegeben, um ihre jeweiligen Athleten zu bevorzugen." Bildrechte: dpa
Der Segler Willy Kuhweide
Auch vor den Sommerspielen 1964 traten Konkurrenzkämpfe innerhalb der "gemeinsamen" deutschen Mannschaft scharf zutage. Für den Segler Willy Kuhweide sollte die Qualifikation für Tokio zum richtigen Krimi werden. Bei den Ausscheidungsrennen verbündeten sich die DDR-Segler verbotenerweise gegen ihn. Kuhweide gab auf und legte beim Internationalen Segler-Verband Protest ein. Nach einem endlosen Intrigenspiel kam er doch noch nach Tokio – und gewann als erster Deutscher Gold im Segeln. Bildrechte: dpa
Erstmals marschieren bei den X. Olympischen Winterspielen am 6.2.1968 zwei deutsche Mannschaften in das Stadion von Grenoble (Frankreich) ein: Vorn die Sportler der Bundesrepublik Deutschland, dahinter das 58köpfige Team der DDR.
In den 1960er Jahren spitzte sich die Lage weiter zu. Eine gemeinsame Mannschaft aufzustellen, war nahezu unmöglich geworden. So entschied das IOC, zwei deutsche Mannschaften zuzulassen. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble marschierten deshalb erstmals zwei deutsche Teams ins Stadion ein. Vorn sind die Athleten der Bundesrepublik zu sehen, dahinter folgen die DDR-Sportler. Die sozialistische Führung bejubelte die IOC-Entscheidung. Denn so hatte das international isolierte Land die Möglichkeit, sich auf sportlicher Ebene zu etablieren. Bildrechte: dpa
Guido Kratschmer auf der Tribüne des Lenin-Stadions, 1980
Der Sport war in Zeiten des Kalten Krieges Spielball der Machtinteressen. Das hatte teilweise fatale Konsequenzen: 1980 musste Leichtathlet Guido Kratschmer die Spiele in Moskau von der Tribüne aus verfolgen. Denn wegen des Einmarschs der Sowjetunion in Afghanistan 1979 boykottierten 64 Länder die Spiele, darunter auch die BRD. Vier Jahre später drehte die DDR den Spieß um: Aus Revanche blieben DDR-Sportler den Spielen von Los Angeles fern. Bildrechte: dpa
Die Spieler der deutschen Hockey-Nationalmannschaft bejubeln den Triumph mit ihrem Trainer Paul Lissek (r).
1992 trat dann erstmals seit den Olympischen Spielen 1964 wieder eine deutsche Mannschaft aus dem wiedervereinigten Deutschland zu den Wettbewerben an. Für die deutsche Hockey-Mannschaft machte sich das gleich bezahlt: sie gewann Gold.

(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03.02.2018 | 19:00 Uhr)
Bildrechte: dpa
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