#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 24. September

1964: Zweites Passierscheinabkommen

Durch den Bau der Mauer am 13. August 1961 und die damit verbundene Abriegelung der Grenze waren ganze Familien, Freunde und Kollegen auseinandergerissen worden. Nach zähen Verhandlungen zwischen Bonn und Berlin gab es für die Bewohner Berlins einen ersten Hoffungsschimmer. Ein Passierscheinabkommen - das Erste - ermöglichte es den West-Berlinern vom 20. Dezember 1963 bis 5. Januar 1964 wieder Ost-Berlin zu betreten, um gemeinsam Weihnachten und den Jahreswechsel zu feiern.

Ein Passierschein, mit dem DDR-Bürger bei dringender Familienangelegenheiten das Grenzgebiet besuchen durften.
Nach dem ersten Passierscheinabkommen, mit dem West-Berliner erstmals zum Jahreswechsel 1963/64 Verwandte in Ost-Berlin besuchen durften, wurde am 24. September 1964 ein zweites Abkommen geschlossen. Bildrechte: dpa

Ein zweites Abkommen dieser Art trat am 24. September 1964 in Kraft. Nun durfte die Verwandschaft innerhalb von vier Zeiträumen besucht werden: vom 30. Oktober bis 12. November 1964, über den Jahreswechsel 1964/65 (19. Dezember 1964 bis 3. Januar 1965) und über Ostern sowie Pfingsten 1965.

1983: Schwert zu Pflugschar umgeschmiedet

Am 24. September 1983 schmiedete der Kunstschmied Stefan Nau auf dem Wittenberger Lutherhof vor mehr als 2.000 Teilnehmern des evangelischen Kirchentages ein Schwert zu einer Pflugschar um. Das Bild, das den damals 38-Jährigen während der Schmiedeaktion zeigte, ging später um die Welt und wurde zu einem Symbol der Friedensbewegung in Ost und West.

1982 war der Slogan "Schwerter zu Pflugscharen" von der DDR-Regierung verboten worden. Verteidigungsminister Heinz Hoffmann erklärte im März 1982 vor der Volkskammer: "Unsere Soldaten tragen ihre Waffen für den Frieden. So gerne wir auch unsere Waffen verschrotten würden, noch braucht der Sozialismus, braucht der Frieden Pflugscharen und Schwerter." 

Mann schmiedet Schwert um.
Stefan Nau schmiedete im September 1983 auf dem Kirchentag in Wittenberg ein Schwert zu einem Pflug um. Bildrechte: Dirk Eisermann

Initiert worden war die Aktion in Wittenberg von Friedrich Schorlemmer, damals Prediger an der Schlosskirche zu Wittenberg. Dass die Schmiedeaktion nicht von der Staatssicherheit gewaltsam unterbunden wurde, lag an der Anwesenheit des designierte Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Durch seine bloße Anwesenheit in der Stadt schützt er die Friedensaktivisten. Bilder von knüppelnden Sicherheitskräften will die DDR-Führung um jeden Preis vermeiden.

1991: "Spionage-Chef" Markus Wolf stellt sich

Markus Wolf, der ehemalige Leiter des DDR-Auslandsnachrichtendienstes, floh kurz vor der Maueröffnung am 27. September 1990 über die DDR-Grenze in die CSSR. Mit dabei waren sein Sohn Franz aus erster Ehe, seine dritte Frau Andrea sowie sein Schwiegervater. Alle reisten mit ihren echten Pässen und Namen. Obwohl der ehemaliger DDR-Geheimdienstchef Wolf ganz oben auf der Fahndungsliste der Bundesanwaltschaft stand, gelang die Flucht.

Über Österreich reisten er und seine Frau weiter nach Moskau. Doch ein Jahr später, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, kehrten sie nach Deutschland zurück und stellten sich am 24. September 1991 auf Anraten ihrer Anwälte den deutschen Behörden.

Im Mai 1993 begann der Prozess gegen Wolf. Das Gericht folgte letztlich der Anklage und verurteilte ihn zu sechs Jahren Freiheitsstrafe. Allerdings musste der mittlerweile 70-Jährige nicht mehr in Haft. Zwei Jahre später kam es zu einer Wende: das Bundesverfassungsgericht traf die Grundsatzentscheidung, dass Mitarbeiter der HVA mit damaligem Lebensmittelpunkt in der DDR nicht strafrechtlich verfolgt werden würden. Das Urteil gegen Wolf wurde damit aufgehoben.

In der Nacht zum 9. November 2006 starb Markus Wolf in Berlin.