#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 19. August

1936: Stalinistische "Säuberungen" beginnen

Am 19. August 1936 begann in Moskau ein Prozess gegen Funktionäre der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), der die Zeit des "Großen Terrors" in der Sowjetunion einläutete. Im Moskauer Gewerkschaftshaus wurden KPdSU-Politiker angeklagt, sich gegen die sowjetische Staats- und Parteiführung und Staatschef Josef Stalin verschworen zu haben. Das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes klagte sie an, Mordanschläge auf die Staats- und Parteiführung verüben zu wollen. Unter ihnen waren Grigori Sinowjew, Parteichef der KPdSU in Leningrad und Lew Kamenew, früherer Direktor des Lenin-Instituts. Mit ihnen waren 14 weitere Funktionäre, unter ihnen auch ausländische Kommunisten, angeklagt. Öffentlich mussten sie ihre Geständnisse wiederholen, dass sie den Sturz der stalinistischen Regierung geplant hätten. Zu diesen Aussagen waren sie unter Folter gezwungen worden. Alle wurden zum Tod durch Erschießen verurteilt. Im Januar 1937 und im März 1938 kam es zu zwei weiteren "Moskauer Prozessen". Insgesamt 66 Menschen waren angeklagt, 50 von ihnen wurden mit dem Tode bestraft.

Diese "Säuberungen" gegen vermeintliche Staatsfeinde geschahen im gesamten Land. Bis 1938 verhaftete der Staatssicherheitsdienst NKWD insgesamt zwei Millionen Menschen, mehr als die Hälfte von ihnen wurde zum Tode verurteilt. Die Verfolgung beschränkte sich nicht nur auf Politik-Funktionäre, sondern auch auf Mitglieder der Verwaltung und Armee, auf Großbauern, den Klerus und ethnische Minderheiten, wie beispielsweise die Tschetschenen. Bis heute ist unklar, wie viele Menschen den "Stalinistischen Säuberungen" zum Opfer fielen. Manche Schätzungen gehen von bis zu 20 Millionen Menschen aus.

Josef Stalin, Alexei Rykow, Lew Kamenew, Grigori Sinowjew, 1925
Stalin zusammen mit Grigori Sinowjew und Lew Kamenew (rechts im Bild), die beide beim ersten Moskauer Prozess zum Tode verurteilt wurden. Bildrechte: IMAGO / UIG

1965: Urteil im Auschwitz-Prozess

Im Jahre 1965 endete der "Auschwitz-Prozess". 22 Männer, darunter ehemalige SS-Angehörige und Bewacher im Konzentrationslager, waren des Mordes und der Beihilfe zum Mord angeklagt. Unter ihnen waren drei Lagerärzte und Robert Mulka, der Adjutant des früheren Lagerkommandanten Rudolf Höß. Der Prozess wurde deshalb auch unter dem Namen "Strafsache gegen Mulka und andere, Aktenzeichen 4 Ks/63" bekannt. Insgesamt 359 Zeugen aus 19 Ländern sagten vor dem Gericht in Frankfurt am Main aus, für viele von ihnen waren die Schilderungen retraumatisierend. Die meisten Angeklagten bestritten, persönlich an den Gräueltaten beteiligt gewesen zu sein. Schließlich verurteilte das Gericht sechs der Angeklagten zu lebenslanger Haft, drei wurden freigesprochen, die übrigen erhielten Zuchthausstrafen zwischen drei und 14 Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte weitaus höhere Strafen gefordert.

Nach den Nürnberger Prozessen 1949 und dem Eichmann-Prozess 1961 war der Auschwitz-Prozess ein weiterer wichtiger Schritt für Öffentlichkeit und Justiz, die Verbrechen aus der NS-Zeit aufzuarbeiten. Die Aufarbeitung dauert bis heute an. Auch heute noch finden Prozesse gegen Menschen statt, die in früheren KZ ihren Dienst versahen. So muss sich im Oktober 2021 ein ehemaliger Wachmann im KZ Sachsenhausen vor Gericht verantworten.

1992: "Ehe für alle" abgelehnt

Insgesamt 250 schwule und lesbische Paare in rund 100 Gemeinden hielten am 19. August 1922 die "Aktion Standesamt" ab. In den Standesämtern forderten sie, endlich heiraten zu dürfen. Die Ämter verweigerten ihnen jedoch den Wunsch auf Eheschließung. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland und die Bundesarbeitsgemeinschaft Schwuler Juristen hatten zu der Aktion aufgerufen. Dennoch beantragten etwa 100 Paare bei Gericht, dass die Standesämter sie verheiraten müssen - allerdings ohne Erfolg. Mit der Aktion wollten die Homosexuellen auf die rechtlose Situation von gleichgeschlechtlichen Paaren aufmerksam machen. In der Folge kam es zu langen öffentlichen Diskussionen über die gleichgeschlechtliche Ehe und die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen. Erst 2017 beschloss der Bundestag das "Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts". Ab dem 1. Oktober 2017 war es damit auch in Deutschland lesbischen und schwulen Paaren erlaubt, zu heiraten.

2015: Tod von Egon Bahr

Mit der Devise "Wandel durch Annäherung" prägte er die Politik zwischen der DDR und der Bundesrepublik nachhaltig. Am 19. August 2015 verstarb der SPD-Politiker Egon Bahr. Der gebürtige Thüringer war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Korrespondent für den "Rundfunk im Amerikanischen Sektor" (RIAS) tätig, ehe er in West-Berlin Senatssprecher unter Bürgermeister Willy Brandt wurde. Während Brandts Kanzlerschaft war er Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Von 1972 bis 1974 war er zudem Bundesminister für besondere Aufgaben und von 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Er war maßgeblich beteiligt an den Verhandlungen zu Abkommen, die die innerdeutschen Beziehungen regelten, darunter das Transitabkommen von 1971 und der Grundlagenvertrag von 1972.