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2003: Der letzte VW Käfer rollt in Mexiko vom Band

Autofahren für alle erschwinglich machen: Die Strahlkraft dieser Idee, in den USA von Henry Ford ersonnen und dort schon im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts umgesetzt, erkennen auch die Nationalsozialisten und instrumentalisieren sie für ihre Zwecke. Am 26. Mai 1938 legt Adolf Hitler den Grundstein für das Herz des heutigen Autogiganten Volkswagen: das Werk in Wolfsburg.

Der weltweit letzte VW-"Käfer" läuft 2003 im Volkswagenwerk bei Puebla (Mexiko) vom Band.
Der weltweit letzte VW-Käfer läuft 2003 im Volkswagenwerk bei Puebla (Mexiko) vom Band. Bildrechte: dpa

Das Versprechen der Nationalsozialisten, Autofahren für alle bezahlbar zu machen, entpuppt sich schon bald als Utopie. Der erste Volkswagen, der später liebevoll "Käfer" genannte Typ 1, läuft erst nach dem Zweiten Weltkrieg vom Band. Und für 990 Reichsmark, wie es die Nazis versprochen hatten, ist der Wagen nie zu haben. Ab 1938 übernimmt die NS-Organisation "Kraft durch Freude" die Aufgabe, sich um die Motorisierung der deutschen Bevölkerung zu kümmern. Das neue Programm heißt: "Mein KdF-Wagen". Das Freizeitwerk gibt sogenannte "Sparkarten" für einen eigens entwickelten und sehr günstigen "Volkswagen" aus. Doch bis Kriegsende verlassen nach Angaben von VW nur rund 600 zivile Fahrzeuge die Werkshallen - vor allem für staatliche Organisationen und Privilegierte, die dem Regime nahestanden. 

Zollbeamte kontrollieren einen VW Käfer bei der Einreise in die DDR 4 min
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Axel Kleinfeld aus Celle will 1980 eine teure Praktica-Kamera von Ost nach West schmuggeln - ein schweißtreibendes Unterfangen.

MDR FERNSEHEN Do 29.12.2011 22:05Uhr 04:07 min

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Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt man in Wolfsburg wieder zu produzieren. Dezember 1945 gilt als Start für die serielle Produktion des Käfers. Volkswagen entwickelt sich in den Folgejahren zum größten Autobauer der Welt. Der Konzern umfasst heute zwölf Marken - darunter die Stammmarke VW, aber auch Audi, Porsche und Škoda. Doch für den Käfer ist Ende der 70er-Jahre Schluss - zumindest in Deutschland. Am 19. Januar 1978 läuft im Werk Emden der letzte bei VW in Deutschland gebaute Käfer vom Band. Bis 2003 wird der Kleinwagen nur noch in Mexiko gebaut, bis auch dort Schluss ist.

1991: DDR-Grenzsoldaten müssen sich für Schüsse verantworten

Das Berliner Kammergericht entscheidet, dass Schüsse von DDR-Grenzsoldaten auf Flüchtende grundsätzlich nicht "gerechtfertigt oder entschuldigt" waren. Also müssen sich die Grenzer für ihre Taten verantworten. Die Justiz verhängte bis 2004 insgesamt gegen 275 "Mauerschützen" Strafen und spricht 110 Personen frei.

Der erste Mauerschützenprozess begann im September 1991. Vor Gericht standen vier Grenzsoldaten, die den Flüchtling Chris Gueffroy erschossen haben sollen. Gueffroy, der im Februar 1989 in die Bundesrepublik fliehen wollte, war der letzte Mauertote.

Für das Gericht war die Frage zu klären, ob diese Soldaten berechtigt waren, den 'Grenzverletzer' notfalls zu erschießen. Soldaten und ihre Vorgsetzten beriefen sich auf das sogenannte Grenzgesetz oder auf die Befehlslage insgesamt und meinten, nach dem Recht der DDR sei das alles in Ordnung gewesen.

Der Todesschütze von Gueffroy wird schließlich zu vier Jahren Haft verurteilt, die Mitangeklagten zu Bewährungsstrafen. Das Bundesverfassungsgericht hob das Urteil gegen den Todesschützen aber wieder auf. Begründung: Das Strafmaß sei zu hoch gewesen, da der Schütze in der militärischen Hierarchie ganz unten gestanden und nur auf Befehl gehandelt habe.

1947: DRK-Suchdienst eingerichtet

Am Ende des Zweiten Weltkriegs sind Millionen Deutsche auf der Suche nach Angehörigen. Litfaßsäulen und Hauswände sind tapeziert mit Suchanzeigen. Besonders in Berlin herrscht Chaos. Die Besatzungsmächte können sich nicht auf einen zentralen Suchdienst einigen. Daher gibt es zwei: einen im amerikanischen Sektor, den anderen im sowjetischen. Doch das ist nicht effektiv und daher wird am 30. Juli 1947 in Berlin-Dahlem eine Suchdienst-Verbindungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gegründet. Von hier aus werden alle Fälle zentral koordieniert: Suchende können sich und die Namen ihrer Angehörigen registrieren lassen.

Drei Jahre später erscheint die "Suchdienst-Zeitung", die fast 30 Jahre lang monatlich erscheint. Mehr als 17 Millionen Menschen sind über den Suchdienst wieder zusammengebracht worden. Noch etwa 1,2 Millionen Verschollenen-Schicksale aus dem Zweiten Weltkrieg sind bisher ungeklärt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 02. Dezember 2020 | 16:00 Uhr

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