Eine Mitarbeiterin des Schokoladenherstellers Ritter kontrolliert Schokoladentafeln.
Bildrechte: dpa

Wie zwei Dresdner die Milchschokolade erfanden

Am 7. Juli ist Tag der Schokolade. Lange dachte man, dass Vollmilchschokolade 1875 von einem Schweizer erfunden wurde. Dabei haben zwei Dresdner schon 30 Jahre früher die erste Milchschokolade der Welt hergestellt.

Eine Mitarbeiterin des Schokoladenherstellers Ritter kontrolliert Schokoladentafeln.
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Chocolade mit Eselsmilch präpariert, ohne Gewürz, sowohl zum Kochen in 5/5 Tafeln pr. Pfd, als auch zum Rohessen in 24 Täfelchen pr. Pfd., haben wir anfertigen lassen und verkaufen solche à 1 Thaler pr. Pfd.

Dieser kurze Anzeigetext aus dem Jahr 1839 kommt einer Sensation gleich - zumindest, wenn man sich mit der Erforschung der Schokoladengeschichte beschäftigt. Gefunden hat ihn im Jahr 2007 der Dresdner Wissenschafts-Verein WIMAD, der die Geschichte der sächsischen Schokoladenindustrie erforscht. Und die Anzeige beweist zweifelsfrei: die Milchschokolade wurde in Dresden erfunden. Und das mehr als dreißig Jahre vor dem Schweizer Unternehmer Daniel Peter, der bis dahin als Vater der Milchschokolade galt.

Die erste Schokoladenfabrik Deutschlands

Die sensationelle Anzeige stammt von dem Dresdner Schokoladenunternehmen "Jordan & Timaeus". Mitgründer Gottfried Heinrich Christoph Jordan wurde am 9. Mai 1791 im sachsen-anhaltinischen Hasserode geboren, heute ein Stadtteil von Wernigerode. Nach einer Ausbildung zum Materialhändler ging Jordan nach Braunschweig, wo er seinen späteren Geschäftspartner August Friedrich Timaeus traf.

Gemeinsam siedelten die beiden Geschäftsmänner nach Dresden um, wo sie 1823 die "Chocolade- und Cichorienfabrik Jordan Timaeus" gründeten, die erste Schokoladenfabrik Deutschlands. Neben Schokolade produzierte die Fabrik auch Nudeln und Zichorienkaffee. Der wurde aus der Wurzel der "Gewöhnlichen Wegwarte" gewonnen, einer Urform des Chicorée. Das koffeinlose Getränke war ein billiger Kaffeeersatz und ist heute unter dem Namen "Landkaffee" bekannt.

Grobkörnige Schokolade aus Eselsmilch

1839 brachten Jordan und Timaeus dann ihre Milchschokolade auf den Markt. Sie bestand aus 60 Prozent Kakao, 30 Prozent Zucker und 10 Prozent Eselsmilch. Die war damals viel verbreitet als Kuhmilch. Weil Esel aber nur zu bestimmten Jahreszeiten Milch geben, wurde später Kuhmilch eingesetzt. Auch wurde Kakaomasse damals viel gröber gemahlen als heute und auch das Milchpulver war noch nicht erfunden.

Darum war die erste Milchschokolade auch noch weit von der cremigen Konsistenz entfernt, die sie heute auszeichnet. Das haben die Schokoladenforscher des WIMAD-Vereins herausgefunden, als sie 2011 versucht haben, die Ur-Milchschokolade herzustellen. Die wurde eher körnig und schwer zu kauen, außerdem herber und dunkler als übliche Milchschokolade. Das zeigten die Wissenschaftler damals bei einer Schokoladenausstellung im Sächsischen Industriemuseum in Chemnitz.

Weltruf und Niedergang

Die Geschäfte von Jordan und Timaeus liefen auch ohne die Milchschokolade gut. Firmengründer Gottfried Jordan beteiligte sich 1836 an der Gründung der Waldschlösschenbrauerei, einer der ersten Aktiengesellschaften in Deutschland. Später war er Abgeordneter des Sächsischen Landtags. Niederlassungen des Unternehmens gab es im tschechischen Děčín und Prag, sowie in Wien und Budapest. Die Firma belieferte auch den sächsischen und österreichischen Königshof.

Die Söhne der beiden Firmengründer brachten die Schokoladen von "Jordan & Timaeus" in den folgenden Jahrzehnten zu Weltruf. Im 20. Jahrhundert verblasste dieser aber und 1930 musste das Unternehmen nach hundertjähiger Geschichte schließen. Kurze Zeit später wurde auch die Fabrik abgerissen, in der die erste Milchsschokolade der Welt hergestellt wurde. An ihrem einstigen Standort erinnern heute nur noch die Namen zweier angrenzender Straßen: Die Jordan- und die Timaeusstraße.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im: Radio | 20.07.2017 | 07:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2018, 15:07 Uhr