Sebastian Krumbiegel
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Krumbiegel über Freiheit, Trabis und Demos 1989

Sebastian Krumbiegel ist als Frontmann der Leipziger Band "Die Prinzen" bekannt. Nach dem Mauerfall ist sie die erste deutschlandweit kommerziell erfolgreiche Pop-Band aus dem Osten. Krumbiegel ist ein Kind der Leipziger Montagsdemos. Auch wenn er bei der legendären Demonstration am 9. Oktober 1989 nicht dabei war - aus Angst. In der MDR-Serie "Tapentenwechsel" von 2014 erzählt er von seinen Erinnerungen.

Sebastian Krumbiegel
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Mit dem Trabant zur Montagsdemo

Einen Trabant fahren - das verlernt man nicht, sagt Sebastian Krumbiegel, "ist ähnlich wie mit dem Fahrrad fahren". Für den Dreh für unser Magazin "Geschichte Mitteldeutschlands" setzt sich der Sänger noch einmal hinters Trabi-Lenkrad. Denn die Geschichte von Sebastian Krumbiegel lässt sich auch anhand von Autos erzählen. Sein erstes ist ein Trabi gewesen. Für viel Geld kauft er ihn 1987, die Karrosserie ist klassisch hellblau. Das Auto bedeutet für ihn Freiheit und Unabhängigkeit. Damals studiert Krumbiegel noch an der Leipziger "Hochschule für Musik". Mit den Trabi sind spontane Spritztouren nach Berlin drin, aber Krumbiegel knattert Ende der 1980er Jahre durch die Stadt. Im Oktober 1989 fährt der damals 23-Jährige auch zu Montagsdemos.

Wir waren vor der Thomaskirche auf einmal eingekesselt. Es rannten auf einmal irgendwelche Polizeikolonnen an uns vorbei und machten vor uns die Straße dicht. Und dann haben wir eben gesehen, wie die Bullen da reingeknüppelt haben. Das hat mich schon bestürzt.

Sebastian Krumbiegel, Die Prinzen

Angst vor der der Staatsmacht

Der entscheidenden Montagsdemo am 9. Oktober 1989 in Leipzig bleibt Sebastian Krumbiegel aber fern, aus Angst. Denn die Woche zuvor, am 2. Oktober, fährt er mit seinem Bandkollegen Wolfgang zur Montagsdemo und beobachtet, wie Polizisten auf Demonstranten losgehen. Wie alle Leipziger überlegt er am 9. Oktober, wie er verhalten soll. Hinter vorgehaltender Hand wird getuschelt, dass die DDR-Führung den Protest niederschlagen will. In der Musikhochschule warnen Anschläge am schwarzen Brett vor einer Teilnahme und den Schießbefehlen. Als er sich dann doch entschließt, in die Innenstadt zu gehen, sind die Demonstranten schon einmal über den Ring gezogen.

Sebastian Krumbiegel: "Die Demokratie ist weiblich" 4 min
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Der Frontmann der Leipziger Prinzen hat ein Video zum Thema Demokratie gemacht und dafür 70 prominente Menschen mit ins Boot geholt.

MDR FERNSEHEN Mi 07.08.2019 08:00Uhr 04:16 min

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Video

Vom Trabi in die Limo

Dass er nach dem Mauerfall in den Westen darf, ist für Krumbiegel nicht neu. Als Chorknabe im weltberühmten Leipziger Thomanerchor ist er schon als Kind privilegiert und singt in den 1970er und 1980er Jahren im kapitalistischen Ausland. Dabei hat er natürlich auch die Möglichkeit, zu fliehen - tut es aber nicht. Die Heimatverbundenheit und der Gedanke an die Familie sind stärker. Nachdem Krumbiegel wegen Disziplinlosigkeit aus dem Thomanerchor fliegt, gründet er zu Studentenzeiten die A-Capella-Gruppe "Die Herzbuben". Nach der Wende wird daraus die Pop-Band "Die Prinzen". 1991 feiert sie den Durchbruch – als erste gesamtdeutsche Popgruppe, die zum Hitgaranten wird. Mit einem Schlag sind sie Plattenmillionäre und fahren nicht mehr Trabi, sondern Limousine.

Marla Glen und Sebastian Krumbiegel singen gemeinsam in ein Mikro
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Den Erfolg, den wir damals hatten, den hätten wir nie haben können im Osten. Natürlich hat es uns geholfen, dass die Leute im Westen gesagt haben: 'Ach, guck mal hier, die Ossis. Wenn die sich ein bisschen Mühe geben, geht doch.' Und dass die Leute im Osten vielleicht auch gesagt haben: 'Unsere Jungs!'“

Sebastian Krumbiegel, Die Prinzen

Heute lieber Fahrrad - und Golf

Trotz neuer finanzieller Möglichkeiten – einen "fetten Schlitten“ kauft sich der Sänger auch in den 1990er Jahren nicht. Sein erstes Westauto, einen weißen Cabrio-Käfer, versteigert Krumbiegel für einen guten Zweck. In seinem Lied "Mein Fahrrad" hält er lieber ein Plädoyer fürs Rad fahren. Darin heißt es: "Jeder Popel fährt 'nen Opel, ieder Affe fährt 'nen Ford, jeder Blödmann fährt nen Porsche, jeder Arsch 'nen Audi Sport." Aufs Rad steigt Sebastian Krumbiegel heute noch. Zu seinen Auftritten mit der Band "Die Prinzen" ist aber ein Soloprogramm dazugekommen - und auf der fahrbare Untersatz hat sich geändert. Vor der Haustür steht ein Golf und kein Trabant, wie er erzählt: "Da würde ich doppelt so lange brauchen - und wäre gerädert, wenn ich ankomme."

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 15:08 Uhr