Joachim Kardinal Meisner gestorben Papstfreund und Ost-Import

Der frühere Kölner Erzbischof Meisner ist tot. Der 83-Jährige hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der Bundesrepublik und der DDR. Dort war er jahrzehntelang Bischof und galt als Regimekritiker.

Joachim Meisner wurde am 25. Dezember 1933 nahe Breslau in Schlesien als zweiter von vier Brüdern geboren. Seine Eltern Hedwig und Walter Meisner führten dort ein Einzelhandelsgeschäft. Nachdem der Vater im Krieg gefallen war, floh Meisners Familie 1945 vor der Roten Armee nach Thüringen.

Jugend in Thüringen

Die Familie ließ sich schließlich in Körner bei Mühlhausen im katholischen Eichsfeld nieder. Dort machte Meisner 1948 seinen Schulabschluss und begann eine Lehre als Bankkaufmann. 1956 holte er in Magdeburg das Abitur am Norbertinum nach, einem Spätberufenenseminar der katholischen Kirche.

Im selben Jahr begann Meisner das Studium der Philosophie und Theologie in Erfurt, das er 1962 abschloss. Danach war er Priester im Eichsfeld, der katholischen Hochburg der DDR. Später wurde er Weihbischof im Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen. Das Amt war eine Sonderverwaltung für den Teil des Bistums Fulda, der in der DDR lag. 1980 wurde er schließlich Erzbischof im geteilten Berlin.

Unbequemer DDR-Geistlicher

Seit 1982 war er zugleich Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz. Dort bemühte sich Meisner um die Eigenständigkeit der Kirche in der DDR und mischte sich auch in die Tagespolitik ein. Außerdem widmete er sich der Aussöhnung mit Polen, Tschechen und Slowaken.

Die SED beäugte Meisners politisches Engagement kritisch. Auch weil er wiederholt ein Treffen mit Parteichef Honecker ablehnte. Meisner lehnte sich 1988 auch gegen seine Versetzung aus der DDR in die Bundesrepublik durch Papst Johannes Paul II. auf. "Ich wollte dort bleiben, um Christus zu verkünden und den Menschen in der DDR eine Perspektive zu bieten. Doch der Papst hatte sich festgelegt", erinnerte sich Meisner später.

Vorbehalte auf allen Seiten

"Das kommunistische System kippt", habe der Papst damals zu ihm gesagt und ihn schlussendlich überzeugt, dass er in Köln benötigt werde. Am 20. Dezember 1988 ernennt Johannes Paul II. den Bischof des geteilten Berlin zum Erzbischof von Köln. Köln ist das größte deutsche Bistum und eines der prestigeträchtigsten weltweit. Damit erhielt Meisner eine Schlüsselposition innerhalb der katholischen Kirche.

(L-r): Bischof Karl Lehmann (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz), Bischof Gerhard Schaffran (Dresden), Kardinal Joseph Ratzinger (Rom) und Kardinal Joachim Meisner (Ost-Berlin) am 10.07.1987 während des Eröffnungsgottesdienstes vor der Kathedrale in Dreden beim Ersten Katholikentreffen in der DDR.
Joseph Kardinal Ratzinger und Joachim Kardinal Meisner beim ersten Katholikentreffen in der DDR in Dresden 1987. Bildrechte: dpa

Doch in der Domstadt stieß der "Ost-Import" anfangs auf viel Gegenwind aus Kirche und Bevölkerung. Im Laufe der nächsten 25 Jahre gilt Meisner als eine der wichtigsten, erzkonservativen Stimmen innerhalb der katholischen Kirche. So sprach er sich vehement gegen Abtreibung, die Beihilfe zur Selbsttötung und die Kommunion von wiederverheirateten Geschiedenen aus.

Rücktritt und Tod

2014 trat Joachim Kardinal Meisner aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Er verstarb am 5. Juli 2017 während seines Urlaubs in Bad Füssing. Dort sei er "friedlich eingeschlafen", teilte die Deutsche Bischonfskonferenz mit und ergänzte: "Alle Aufgaben, die ihm im Laufe seines Lebens in der Kirche übertragen wurden, hat sich Joachim Kardinal Meisner mit einer bewundernswerten Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit und einem restlosen Einsatz gewidmet."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 05.07.2017 | 09:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2017, 14:26 Uhr