Lebens- und Ereignisdaten Erich Honecker - Chronik eines Aufstiegs

Erich Honecker und Walter Ulbricht - jahrzehntelang sind sie das Dream-Team der DDR-Politik. Nach außen demonstrieren sie lange Jahre: Sympathie, Vertrauen, Loyalität. Ein scheinbar ideales Führungstandem. Ulbricht - die wohlwollende Vaterfigur und Honecker - sein lernwilliger Ziehsohn. Keiner wird die DDR mehr prägen als die beiden obersten Genossen der SED. Ein Blick auf Honeckers Lebensdaten und seine Karriere an der Seite und gegen Ulbricht.

Honecker und Ulbricht am 1. Mai 1972 in berlin
Honecker und Ulbricht am 1. Mai 1972 bei einer Kundgebung in Ost-Berlin. Zu diesem Zeitpunkt hat Honecker seinen politischen Ziehvater bereits als Parteichef gestürzt. Bildrechte: imago/Sven Simon


25. August 1912


Erich Honecker wird als Sohn eines Bergarbeiters in Wiebelskirchen im Saarland geboren und wächst mit fünf Geschwistern auf.


1928-1935


Nach der Schule beginnt er eine Dachdeckerlehre, die er aber nicht zu Ende führt, weil er sich ganz der politischen Arbeit widmen will.



Mit 17 tritt er bereits der KPD bei. Zuvor war er bereits Mitglied einer kommunistischen Kindergruppe und des Kommunistischen Jugendverbands (KJVD). Er besucht die Lenin-Schule in Moskau. betätigt sich als Jugend-Funktionär für Agitprop, unterstützt die politische Arbeit gegen den Anschluss des Saargebiets an Nazideutschland, flüchtet vor drohender Verhaftung, lebt kurzzeitig in Paris.




04.12.1935 / Juni 1937 / 1945


Unter dem Decknamen Marten Tjaden ist er illegal für die Partei in Berlin tätig - als Kurier und Instrukteur. Verhaftung. Verurteilung zu zehn Jahren Haft, zunächst im Zuchthaus Brandenburg, ab 1943 wird er einer Baukolonne zugeteilt und im Berliner Frauengefängnis Magdalenenstraße untergebracht.



Anfang März flüchtet er vom Arbeitskommando, findet Unterschlupf bei der Gefängnisaufseherin Lotte Grund, die seine unbeschadete Rückkehr in die Baukolonne organisiert. Rückkehr mit dem Arbeitskommando nach Brandenburg und Befreiung durch die Rote Armee.


1938


Walter Ulbricht begibt sich nach Moskau und arbeitet dort bis Kriegsende im kommunistischen Widerstand gegen das Dritte Reich.


März 1945


Walter Ulbricht kehrt in das zerstörte Deutschland zurück, organisiert den Wiederaufbau der KPD.


Mai 1945


Erich Honecker stößt zur "Gruppe Ulbricht"


1946


Erich Honecker wird Vorsitzender der FDJ


1949


Honecker heiratet seine Stellvertreterin im FDJ-Vorsitz: Edith Baumann


07.10.1949


Nach der Gründung der DDR wird Ulbricht stellvertretender Vorsitzender im Ministerrat der DDR


1950


Ernennung Ulbrichts zum Generalsekretär des ZK der SED. Erich Honecker wird ins Politbüro des ZK der SED aufgenommen.  


1952


Nach der Geburt einer außerehelichen Tochter willigt Edith Baumann in die Scheidung ein. Die Hochzeit mit Margot Feist folgt ein Jahr später.


17. Juni 1953


Volksaufstand in der DDR. Walter Ulbricht ist innerparteilich schwer angeschlagen. Sein politisches Überleben verdankt er unter anderem der Loyalität Erich Honeckers.


1958


Honecker wird zum Vollmitglied des Politbüros und gleichzeitig ZK-Sekretär für Sicherheitsfragen, Kader und Leitende Parteiorgane. Er ist der zweite Mann im Staat.  


12. August 1961


Walter Ulbricht lädt die Spitzen des Staates zu einem "Beisammensein" am Döllnsee ein und unterrichtet die Staatsführung über den bevorstehenden Mauerbau, die vollständige Abriegelung West-Berlins in der Nacht zum 13. August. Erich Honecker leitet die "Operation Rose" und liefert damit sein "Gesellenstück".


Anfang Oktober 1964


Leonid Iljitsch Breschnew, der zweitmächtigste Mann der Sowjetunion, besucht die DDR aus Anlass des 15. Gründungs-Jubiläums. Auf einer Jagd im Revier Schorfheide am 6. Oktober begegnen sich Honecker und Breschnew zum ersten Mal und entdecken ihre Sympathie füreinander. Ulbricht - anders als Honecker - kein Freund der Jagd hatte Honecker als Vetreter an seiner statt geschickt.


März 1970


Bundeskanzler Willy Brandt fährt zum ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen nach Erfurt. Ulbricht ist für einen vorsichtigen Dialog mit der Bundesrepublik. Honecker als Hardliner ist dagegen und weiß die sowjetische Führung auf seiner Seite. Dort hat inzwischen längst Breschnew die Macht übernommen.


3. Mai 1971


Erich Honecker wird Erster Sekretär des Zentralkommitee der SED und löst Walter Ulbricht als Ersten Mann im Staat ab, der zuvor gezwungenermaßen seinen Rücktritt "aus gesundheitlichen Gründen" erklärt hatte. Das einflusslose Amt des Vorsitzenden des Staatsrates behielt er bis an sein Lebensende.


30.06.1971


Honecker gratuliert dem kranken Ulbricht zum 78. Geburtstag. Das Foto - sitzend im Sessel, in Bademantel und Hausschuhen - demonstriert


1. August 1973


Walter Ulbricht stirbt in seinem Ferienhaus am Döllnsee, während die X. Weltfestspiele der Jugend in Ost-Berlin eröffnet werden.


Oktober 1989


Honecker wird vom Politbüro zum Rücktritt gezwungen. Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Amtsmissbrauchs und Korruption


1990/1993


U-Haft, Entlassung wegen Haftunfähigkeit, Unterkunft im Pfarrhaus in Lobetal, Aufenthalt in Beelitz-Heilstätten, Flucht nach Moskau, Rückführung nach Berlin, U-Haft in Berlin-Moabit, Aufhebung des Haftbefehls, Ausreise nach Santiago de Chile zu seiner Tochter, die mit einem Chilenen verheiratet ist.


29. Mai 1994


Erich Honecker stirbt in Chile.

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2012, 14:09 Uhr