Urlaubsorte der Macht Gorbatschow auf der Krim

Michail Gorbatschow 1990
Im August 1991 verbringt Michail Gorbatschow gemeinsam mit Ehefrau Raissa, Tochter Irina, ihrem Ehemann und den beiden Enkelkindern die Sommerferien auf Kap Foros. Bildrechte: dpa
Gorbatschow Ferienhaus Krim 1991
Das "Objekt Zarya" ist ein staatliches Ferienhaus auf Kap Foros auf der Krim, östlich von Jalta. 1988 ist es als Sommerhaus für den Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR erbaut worden. Der Vorsitzende heißt Michail Gorbatschow. Bildrechte: IMAGO
Michail Gorbatschow 1990
Im August 1991 verbringt Michail Gorbatschow gemeinsam mit Ehefrau Raissa, Tochter Irina, ihrem Ehemann und den beiden Enkelkindern die Sommerferien auf Kap Foros. Bildrechte: dpa
Pflanzen in einem Flur des Ferienhauses des Präsidenten, 1991
Die Gorbatschows sind nicht zum ersten Mal in Zarya auf Kap Foros. Das großzügige und mondän gestaltete Ferienhaus samt großem Park gefällt ihnen ausnehmend gut. Sie fühlen sich wohl. Bildrechte: IMAGO
Gorbatschows Ferienhaus Zarya auf der Halbinsel Krim
Das Ferienhaus erstreckt sich über drei Etagen. Es gibt ein Dutzend Zimmer, mehrere Bäder, einen Billardraum, ein Fitness-Studio, eine Sauna und sogar ein kleines Kino. Im Park ist ein Tennisplatz angelegt. Bildrechte: IMAGO
Gorbatschows Ferienhaus Zarya auf der Krim, 2007
Die Villa ist am Hang erbaut, der Blick geht aufs Meer. Über eine Freitreppe gelangt man an den abgesperrten Strand. Bewacht wird der "Komplex Zarya" von etwa 60 Mitarbeitern des Moskauer Innenministeriums, vor der Bucht kreuzen ständig drei Armee-Schiffe. Bildrechte: IMAGO
Michail Gorbatschow, 1991
Am 18. August 1991 trifft überraschend eine Gruppe von Männern aus Moskau in Gorbatschows Ferienhaus ein. Sie stellen sich als Abgesandte eines sogenannten Notstandskomitees vor. Gorbatschow erinnert sich so: "Gegen 17 Uhr wurde ich davon unterrichtet, dass eine Gruppe von Personen eingetroffen sei. Ich wunderte mich und sagte dem Chef der Leibwache, dass ich niemanden eingeladen hätte. Ich wollte mich mit Moskau in Verbindung setzen, stellte aber plötzlich fest, dass alle Telefone abgeschaltet waren." Die Abgesandten fordern Gorbatschow auf, ein Rücktrittsgesuch zu unterschreiben. Gorbatschow lehnt das entschieden ab. Bildrechte: IMAGO
Die neuen Machthaber geben am 19. August 1991 in Moskau eine Pressekonferenz. v.l.: Innenminister Boris Pugo, der amtierende Präsident Gennadi Janajew und der Vizepräsident des Verteidigungsrates Oleg Baklanow
Einen Tag später, am frühen Morgen des 19. August 1991, verbreiten die sowjetischen Medien eine Erklärung. Darin heißt es in dürren Worten, dass Michail Gorbatschow aus gesundheitlichen Gründen seine Aufgaben als Präsident nicht weiter wahrnehmen könne. Überdies sei das Land "in eine Sackgasse" geraten und "unregierbar" geworden. Auf Grund dieser bedrohlichen Situation habe ein Notstandskomitee die Macht übernommen.
Die Mitglieder des Komitees sind unter anderen: Innenminister Boris Pugo, der amtierende Vizepräsident Gennadi Janajew und der Vizepräsident des Verteidigungsrates Oleg Baklanow (auf dem Foto von links nach rechts auf einer Pressekonferenz am 19. August 1991 in Moskau).
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Gorbatschows Arbeitszimmer in seinem Ferienhaus auf der Krim 1991
Gorbatschows hübsches Ferienhaus ist jetzt zu seinem Gefängnis geworden. Die Putschisten haben ihn unter Hausarrest gesetzt und alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Ein kleines Kofferradio ist Gorbatschows einzige Verbindung zur Außenwelt. Den Koffer mit dem Code der sowjetischen Atomwaffen haben die Abgesandten des Notstandskomitees mitgenommen. Bewacht wird das "Objekt Zarya" von nun an von einer Sondereinheit, die den Putschisten hörig ist. Bildrechte: IMAGO
Die Moskauer Bevölkerung leistet am 19. August 1991 Widerstand gegen einrollende Panzer der Roten Armee vor dem russischen Regierungsgebäude, dem Weissen Haus
In Moskau fahren Panzer auf. Sie gehen auch vor dem "Weißen Haus", dem Amtssitz des russischen Präsidenten Boris Jelzin, in Stellung. Jelzin selbst setzen die Putschisten nicht fest - sie hoffen, mit ihm kooperieren zu können. Tausende Bürger Moskaus gehen nach Bekanntgabe des Staatsstreiches auf die Straßen und leisten Widerstand gegen die Einheiten der Armee, die unter dem Kommando der Putschisten stehen. Bildrechte: IMAGO
Boris Jelzin während des August-Putsches 1991 in Moskau auf einem Panzer
Als Boris Jelzin von dem Putsch erfährt, lässt er sich umgehend zu seinem Amtssitz fahren. Er denkt aber keineswegs daran, mit den Putschisten zu kooperieren. Er steigt stattdessen auf einen Panzer vor seinem Amssitz und ruft zum Widerstand auf. "Boris Jelzin steht auf der Seite Gorbatschows!", versichert er den Demonstranten. Bildrechte: IMAGO
Michail Gorbatschow im August 1991 beim Aussteigen aus einem Flugzeug.
Am 21. August 1991 werden die Truppen nach und nach in die Kasernen zurückgezogen. Die Putschisten erkennen die Aussichtlosigkeit ihrer Lage. Mit so großem Widerstand der Russen hatten sie nicht gerechnet. Innenminister Pugo begeht Selbstmord, die anderen Putschisten fliegen auf die Krim und bitten Gorbatschow um ein Gespräch. Doch der lehnt ab und beschließt, umgehend nach Moskau zurückzukehren. Am 22. August 1991 trifft Gorbatschow, gezeichnet von den Tagen des Hausarrestes, samt seiner Familie in Moskau ein. "Ich kehre in ein anderes Land zurück", sagt er. Bildrechte: IMAGO
Michail Gorbatschow am 3. September 1991
Gorbatschow ist frei und wieder in Moskau. Doch es wird ihm klar, dass er mit seiner Politik nicht weitermachen kann, als wäre nichts geschehen. Seine Lage ist genau besehen hoffnungslos: Er ist Chef einer Partei, die ihn verraten hat und Präsident eines Landes, das unaufhaltsam zerfällt. Über die Putschisten sagt Gorbatschow: "Es waren Männer, die ich gefördert und denen ich vertraut habe..." Bildrechte: IMAGO
Boris Jelzin und Michail Gorbatschow, 1991
Im russischen Parlament demütigt Boris Jelzin am 23. August 1991 Michail Gorbatschow. Er zwingt ihn, das Protokoll einer Sitzung der Regierung der UdSSR vom 19. August 1991 vorzulesen. Gorbatschow kennt das Schreiben nicht. Am 19. August befand er sich schon in den Ferien auf der Krim. Nun erfährt er, dass beinahe alle Mitglieder seiner Regierung auf Seiten der Putschisten waren. Bildrechte: dpa
Boris Jelzin und Michail Gorbatschow, 1991
Jelzin erklärt nun triumphierend: "Genossen, gestatten Sie mir, zur Entspannung einen Erlass über die Einstellung aller Aktivitäten der Russischen Kommunistischen Partei zu unterzeichnen." Gorbatschow bittet Jelzin, dies nicht zu tun. Aber niemand hört ihn - die Abgeordneten bejubeln Jelzins Erlass. Mit dessen Unterschrift ist die KPdSU eine verbotene Partei in Russland. Bildrechte: IMAGO
Rücktritt Gorbatschow Fernsehansprache 1991
Gorbatschow legt einen Tag später sein Amt als Generalsekretär der KPdSU nieder. Im Dezember 1991 tritt er auch als Präsident der UdSSR zurück. "Ich glaube", sagte Gorbatschow später, "das 20. Jahrhundert ging in den Tagen vom 19. bis zum 21. August 1991 zu Ende." Genau in jenen Tagen, als er auf der Krim unter Hausarrest stand. Bildrechte: dpa
Ferienhaus des Präsidenten, 2006
Gorbatschows Ferienhaus gehörte ab 1992 dem ukrainischen Präsidialamt. Die ukrainischen Präsidenten quartierten dort ihre ausländischen Gäste ein. Nach der russischen Annexion der Krim 2014 gehört die Villa "Zarya" wieder dem russischen Staat. Genutzt wird der Komplex als Ferienhaus für hohe russische Regierungsfunktionäre.
(Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Aktuell", 06.10.2014, 19.30 Uhr.)
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