Sowjetische Soldaten sitzen 1989 auf ihren Panzern vom Typ T-64
Sowjetische Panzer sicherten die sowjetische Vormachtstellung in den osteuropäischen "Bruderländern". Bildrechte: dpa

Warschauer Pakt Verteidigungsbündnis oder Kontrollinstrument?

Die Beteiligten sprachen von einer "historischen Beerdigung", aber alle Augen blieben trocken, als vor 25 Jahren der Warschauer Pakt zu Grabe getragen wurde. Die Auflösung des östlichen Militärbündnisses sei ein "lange erwarteter Tod" gewesen, sagte der damalige bulgarische Präsident Schelew im März 1991. Sein tschechoslowakischer Kollege Havel meinte: "Es war ein schmerzloses Ende." Nur der sowjetische Vertreter äußerte sich kritisch. Am 14. Mai 1955 wurde das Militär-Bündnis gegründet.

Sowjetische Soldaten sitzen 1989 auf ihren Panzern vom Typ T-64
Sowjetische Panzer sicherten die sowjetische Vormachtstellung in den osteuropäischen "Bruderländern". Bildrechte: dpa

Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hatten acht sozialistische Staaten am 14. Mai 1955 in Warschau das Militärbündnis gegründet. Zu den Unterzeichnern gehörten neben der Sowjetunion Albanien, Bulgarien, die DDR, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Sie verpflichteten sich, in den internationalen Beziehungen keine Gewalt anzuwenden, ihre Außenpolitik zu koordinieren und im Fall eines Überfalls von außen einander militärisch zu helfen.

In den ersten Jahren hatte das Bündnis allerdings eher politisches als militärisches Gewicht. Es wurde als östliches Pendant zur NATO gegründet, um dem Westen eine Art Tauschgeschäft schmackhaft zu machen: Die beiden Bündnisse sollten nach dem Willen Moskaus aufgelöst und durch ein kollektives Sicherheitssystem ersetzt werden, ähnlich dem Völkerbund der Zwischenkriegszeit. Die westlichen Regierungen lehnten jedoch ab - zu groß war die gefühlte Bedrohung aus dem Osten, ganz davon zu schweigen, dass das Vorbild versagt hatte.

Verteidigung durch Angriff

Mit der zweiten Berlinkrise 1961 wurde die Verteidigungsdoktrin des Militärbündnisses deutlich aggressiver. Im gegenseitigen Wettrüsten setzten auch die Strategen in Moskau auf Kernwaffen. Diversen Planungen zufolge sollte Westeuropa im Konfliktfall binnen Tagen überrannt werden. Dieses Szenario übten die Armeen des so genannten Ostblocks in großen gemeinsamen Manövern wie "Waffenbrüderschaft 80" oder "Schild 84".

Ein Bündnis gleichberechtigter Partner war der Warschauer Vertrag allerdings nie. Von Anfang an diente er Moskau auch dazu, die sozialistischen Satellitenstaaten zu kontrollieren und die sowjetische Hegemonie in Osteuropa zu sichern. "Diese Doppelrolle ist ein Unterschied zur NATO, die ein reines Sicherheitsbündnis war", sagt der Historiker Frank Umbach, der eine der umfangreichsten Monografien zu dem Thema verfasst hat. Bereits ein Jahr nach der Vertragsunterzeichnung marschierten sowjetische Soldaten in Ungarn ein, um die dortige Reformbewegung zu beenden, und 1968 erstickten die eigentlich verbündeten Einheiten den Prager Frühling. Auch den großen Solidarnosc-Streiks in Polen 1980 war die Angst vor einer Intervention weit verbreitet.

Langsamer Niedergang

Solange die UdSSR groß und mächtig blieb, war an einen Austritt der "Bruderländer" nicht zu denken. Doch die Sowjetmacht begann zu bröckeln. Das Wettrüsten der Breschnew-Ära - zeitweise hatte der Warschauer Pakt fünf Millionen Mann unter Waffen - hatte die Wirtschaft des Ostblocks überfordert. Gorbatschow war daher zum Umdenken gezwungen, Abrüstungsabkommen waren die Folge. Ein allmählicher Niedergang setzte ein, und Ende der Achtziger war die Sowjetunion nicht mehr stark genug, um ihre Juniorpartner Ost-Berlin, Warschau, Prag und Budapest daran zu hindern, eigene Wege zu gehen.

Am 31. März 1991 lösten die Regierungschefs der Warschauer-Pakt-Staaten die Militärstrukturen des Bündnisses auf. Drei Monate später wurden auch die politischen Gremien der Organisation aufgegeben. Der Kalte Krieg ist seitdem Geschichte.

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV in "LexiTV" 01.04.2016 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. März 2016, 19:20 Uhr