Weltfahrradtag Diamant-Fahrrad: Drahtesel-Kult aus Sachsen

Die Gebrüder Nevoigt bauen Ende des 19. Jahrhunderts das erste Rad mit dem Namen "Diamant". 1895 verlässt der erste Drahtesel das Chemnitzer Werk. Als Schutzzeichen für die Diamant Fahrräder wird am 1. Februar 1911 der legendäre "Diamant Kopf über einem Fahrradlenker" ins Warenzeichenregister eingetragen.

Das Logo des Fahrradherstellers Diamant ist auf einem historischen Emailleschild am Standort in Hartmansdorf zu sehen.
Das Logo des Fahrradherstellers Diamant, welches 1911 ins Warenzeichnregister eingetragen wurde, ist auf einem historischen Emailleschild am Standort in Hartmansdorf zu sehen. Bildrechte: dpa

Ende des 19. Jahrhunderts boomt die Industrie in Chemnitz: Die Fabriken liefern Dampfloks, Textil- oder Rechenmaschinen in die ganze Welt. Der Aufschwung lockt 1884 auch die Brüder Nevoigt nach Chemnitz. In einer kleinen Werkstatt fertigt der damals 25-jährige Friedrich Teile für Textilmaschinen. Nur wenige Jahre später tritt das Fahrrad den Siegeszug in Deutschland an. Auch Friedrich und Wilhelm Nevoigt wollen davon profitieren und machen sich an die Entwicklung eines eigenen Modells. 1895 verlässt das erste Fahrrad unter dem Namen "Diamant" das Werk. Am 1. Februar 1911 wird als Schutzzeichen für die Diamant-Fahrräder schließlich der legendäre "Diamant Kopf über einem Fahrradlenker" ins Warenzeichenregister eingetragen.

Diamant: Das Rad der Sieger

Richtig bekannt wird die Marke durch die Radfahrlegende Täve Schur, der im Mai 1955 als erster Deutscher die 8. Internationale Friedensfahrt gewinnt - und zwar auf einem Diamant. Doch schon in den 1920er-Jahren werden große Rennen auf dem Diamant gefahren. So wird Adolf Huschke 1921 deutscher Meister. Später produzierte das Werk für alle DDR-Radsportler Drahtesel. Auch die Bevölkerung bekommt Räder auf höchstem handwerklichen Niveau. In den 1950er-Jahren bauen 500 Mitarbeiter bis zu 25.000 Diamanträder im Monat, beflügelt von den Erfolgen im Sport. Ende der 60er entwickelt sich das Fahrrad vom Fortbewegungsmittel zum Freizeitspaß.

Täve Schur
Radfahrlegende Täve Schur (Jahr unbekannt) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drei Jahre vor Täve Schurs Erfolg wird am 1. Mai 1952 die SAG Elite-Diamant-Werke in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt. Mangelwirtschaft und staatliche Restriktionen überschatten die kommenden Jahre. Die Qualität ist nicht zu halten. Doch damit nicht genug. 1968 entscheidet der stellvertretende Minister für Werkzeug- und Verarbeitungsmaschinen der DDR, dass die Fahrradproduktion bei Diamant im Oktober 1973 eingestellt wird. Die gesamte Sportfahrradproduktion muss an die Mifa-Werke nach Sangerhausen abgegeben werden. Doch schon im Jahr darauf stellt sich heraus: Es werden mehr Diamant-Räder benötigt, als eingeplant waren. Die Einstellung der Fahrradproduktion bei Diamant ist damit wieder vom Tisch.

Älteste Radmarke Deutschlands

Nach der Wiedervereinigung wird der Volkseigene Betrieb privatisiert. Ein Schweizer Unternehmer kauft den DDR-Betrieb. Ende der 1990er-Jahre verlässt man den Standort, an dem alles begann, und zieht in ein Gewerbegebiet nahe Chemnitz. Die alte Fabrik verfällt zunächst. In dem 120 Meter langen Gebäude werden heute Büro- und Gewerbeflächen vermietet. Diamant produziert seit 1997 im Nachbarort Hartmannsdorf und gilt als ältester Fahrradhersteller Deutschlands. Und die Elektrofahrräder von "Diamant" verkaufen sich so gut, dass das Werk erweitert werden muss. 2003 hat der US-Hersteller "Trek" das Traditionsunternehmen gekauft und modernisiert. Heute fertigen dort 500 Arbeiter im Zwei-Schicht-System rund 1.000 Räder pro Tag.

Dieses Thema im Programm: Umschau | 11. Mai 2021 | 21:15 Uhr