Der neuseeländische Bergsteiger Edmund Hillary steht im Juni 1953 neben dem Sherpa Tenzing Norgay.
Tensing Norgay und Edmund Hillary nach der Erstbesteigung des Mount Everest Bildrechte: dpa

Mount Everest: Der Himmelskönig

Edmung Hillary und Tensing Norgay gelingt am 29. Mai 1953 die Erstbesteigung des Mount Everest. Nach ihnen haben Tausende Bergsteiger den höchsten Berg der Erde erklommen. Einer der bekanntesten ist Reinhold Messner. 1978 besteigt er den Himmelskönig - wie ihn die Nepalesen nennen - ohne Sauerstoff. Der Südtiroler wird am heutigen 17. September 75 Jahre alt.

Der neuseeländische Bergsteiger Edmund Hillary steht im Juni 1953 neben dem Sherpa Tenzing Norgay.
Tensing Norgay und Edmund Hillary nach der Erstbesteigung des Mount Everest Bildrechte: dpa

In den 1920er-Jahren beginnen die ersten Versuche, den höchsten Berg der Welt zu besteigen. Bis heute ist unklar, ob die beiden britischen Bergsteiger George Mallory und Andrew Irvine Anfang Juni 1924 den Gipfel tatsächlich erreicht haben könnten. Sie kehren vom Berg nicht zurück.

Hillary und Norgay sind die Ersten

Es dauert noch fast drei Jahrzehnte, bis während der mittlerweile neunten britischen Expedition die Besteigung des Mount Everest gelingt. Der Neuseeländer Edmung Hillary und der Nepalese Tensing Norgay schaffen es mit Sauerstoffmasken, guter Ausrüstung und dem nötigen Quäntchen Glück. Am 29. Mai 1953 stehen sie auf dem höchsten Punkt - und kehren auch lebendig zurück.

Tenzing Norgay auf dem Gipfel des Mount Everest
Das Gipfelfoto mit Tensing Norgay vom 29. Mai 1953 Bildrechte: imago/United Archives International

Der Beweis für den erfolgreichen Aufstieg ist das Gipfelfoto, das Hillary von Tensing Norgay macht. Kaum ist der Jubel um diese herausragende bergsteigerische Leistung jedoch abgeklungen, wird gefragt, ob denn auch der Neuseeländer wirklich oben war. Warum gibt es von ihm kein Foto?

Tensing hatte keine Kamera, er hat noch nie in seinem Leben ein Foto geschossen und ich kam gar nicht auf die Idee, ihn eines von mir machen zu lassen. Aber ich kann Ihnen versichern: Ich war dort.

Edmund Hillary NDR-Kulturreport, 28.01.2001

Ein Ritterschlag für den Gipfelsturm

Edmund Hillary wird nach seiner Rückkehr von der erst kürzlich gekrönten Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen, besteigt weitere Gipfel im Himalaya, wendet sich aber auch anderen Abenteuern zu: Er reist in die Antarktis und befährt den Ganges als Erster bis ins Quellgebiet. Nach dem tragischen Unfalltod von Frau und Tochter im Jahr 1975 beginnt sich Hillary für das Volk der Sherpa zu engagieren, das er von seiner Everest-Besteigung noch so gut in Erinnerung hat.

Ohne die einheimischen Sherpa, die nicht nur beim Tragen der Ausrüstung helfen, käme bis heute niemand bis zum Gipfel. Hillary unterstützt den Bau von Krankenhäusern und Schulen in einer der ärmsten Regionen Asiens. Im Januar 2008 stirbt der Bergsteiger und Abenteurer im Alter von 89 Jahren in seiner Heimat Neuseeland.

Jährlich Hunderte Bergsteiger auf dem Gipfel

Um den Mount Everest ist nach der Erstbesteigung der Bann gebrochen. Langsam, aber sicher erklimmen immer mehr Bergsteiger den sogenannten dritten Pol der Erde. Seit Jahren erlebt der Berg in den Monaten April und Mai immer wieder einen Ansturm von Bergsteigern aus aller Welt. Hunderte von ihnen erreichen pro Saison das winzige Plateau auf der Everest-Spitze. Die Teilnahme an einer geführten Expedition zum Gipfel kostet einen mittleren fünfstelligen Betrag in US-Dollar. Dazu kommen intensives Training, eine kostspielige Ausrüstung und viel Zeit. Und nach wie vor setzt jeder sein Leben aufs Spiel, der den Mount Everest besteigt. Fast 300 Todesopfer sind bisher am höchsten Berg der Erde zu beklagen.

Mount Everest und Nuptse
Blick von der südlichen Seite auf den Mount Everest Bildrechte: imago/Westend61

Die massenhafte kommerzielle Begehung des Mount Everest ruft beizeiten Kritik von Bergsteiger-Pionieren wie Edmund Hillary oder dem Südtiroler Reinhold Messner hervor.

Sie müssen gar nichts mehr tun. Im Himalaya liegen ein ganzes Arsenal von Aluminiumleitern und Tausende Meter Seil. Wir mussten damals Pionierarbeit leisten.

Edmund Hillary NDR-Kulturreport, 28.01.2001

Ohne künstlichen Sauerstoff: Messner und Haberer

Pionierarbeit leistet 1978 auch der italienische Bergsteiger Reinhold Messner. Zusammen mit Peter Habeler erklimmt er am 8. Mai den Berg der Berge ohne künstlichen Sauerstoff, obwohl fast 2.000 Höhenmeter in der sogenannten Todeszone überwunden werden müssen. Über 7.000 Metern fehlt es an natürlichem Sauerstoff. Schnell stellt der Körper in dieser Höhe eine lebenswichtige Funktion nach der anderen ein. Nach wie vor erobern die meisten Bergsteiger den Everest mithilfe von Sauerstoffmasken.

Peter Habeler, Regine Habeler, Uschi Messner und Reinhold Messner
Nach der Landung in München am 22. Mai 1978 werden Habeler (l.) und Messner (r.) von ihren Frauen in Empfang genommen. Bildrechte: dpa

Rekordjagd ohne Grenzen

Die Rekordjagd auf den Mount Everest hält bis heute an. Am häufigsten oben ist bislang der Nepalese Kami Rita Sherpa gewesen. In der aktuellen Saison 2018 erreichte er zum 22. Mal den Gipfel. Bei den Frauen hält nun Lhakpa Sherpa mit neun Besteigungen den Rekord. Andere Rekorde sind die schnellste Besteigung, die erste Winterbegehung, der älteste Mann, die älteste Frau, die jüngsten Gipfelstürmer, die ersten, die sowohl über die Südroute von Nepal als auch auf der Nordroute von Tibet aus nach oben gekommen sind oder wer es mit welchem Handicap zuerst geschafft hat. Es gibt auch noch direkte Routen, die bisher nicht begangen wurden.

Mehrere Männer beräumen Müll am Mount Everest
Müllsammel-Aktion am Fuße des Mount Everest im Frühjahr 2017 Bildrechte: IMAGO

Die höchstgelegene Müllkippe der Welt

Der Massenansturm der vergangenen Jahrzehnte hat seine Spuren in der Region hinterlassen. Der Mount Everest wird inzwischen auch die höchstgelegene Müllkippe der Erde genannt. Tausende Expeditionsteilnehmer haben im Laufe der Zeit eine Menge Müll hinterlassen, konserviert durch Kälte und bei wenig Sauerstoff. Und auch der Berg verändert sich. Seit Kurzem ist bestätigt, dass es die berühmte steile Stufe unter dem Gipfel, den Hillary Step, nicht mehr gibt. Fünf Meter Fels sind abgebrochen, womit die letzten Meter zum höchsten Punkt nun einfacher zu klettern seien, so der erfahrene Everest-Bezwinger Bhote.

(pkl)

Mount Everest Mit 8848 Metern ist der Mount Everest der höchste Berg der Welt. Er wurde 1856 nach dem britischen Landvermesser George Everest benannt. Die Einheimischen im Himalaya nennen ihn auf nepalesischer Seite Sagarmatha, bei den Tibetern auf der nördlichen Seite heißt er Qomolangma (Tschomolangma).

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: LexiTV | 14.03.2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2019, 10:49 Uhr

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LexiTV Mi 14.03.2018 15:00Uhr 06:30 min

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