22.05.1246: Der Gegenkönig Heinrich Raspe IV., Landgraf von Thüringen

(1204-1247)

Um 1204 wurde Heinrich Raspe als dritter Sohn des Landgrafen Hermann I. von Thüringen und der Prinzessin Sophie von Bayern aus dem Hause Wittelsbach geboren. Er war der Schwager der Heiligen Elisabeth, die mit seinem Bruder Ludwig IV. verheiratet war. Dieser Bruder und Vorgänger als Landgraf, Ludwig IV., starb 1227 auf einem Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. Da Hermann, der Sohn Ludwigs und der Heiligen Elisabeth, erst fünf Jahre alt war, übernahm Heinrich Raspe IV. die Regentschaft in Thüringen. Er verdrängte Elisabeth mit ihrem Sohn Hermann und den Töchtern Sophie und Gertrud vom Thüringischen Fürstenhof.

1228 heiratete Heinrich Raspe IV. die Tochter des brandenburgischen Markgrafen Albrecht, Elisabeth. Bis 1234 unternahm Heinrich Raspe erfolglose Versuche, die ludowingischen Besitzungen in Hessen, in Auseinandersetzungen mit dem Erzbischof von Mainz, auszubauen. 1238 heiratete er Gertrud, die Schwester Herzog Friedrich II. von Österreich. 1241 heiratete Heinrich Raspe seine dritte Frau, Beatrix von Brabant und erwarb sich Verdienste bei der Abwehr der Mongolenangriffe auf Deutschland.

Er wurde 1242 von Stauferkaiser Friedrich II. als Reichsprokurator für dessen minderjährigen Sohn Konrad IV. eingesetzt. 1243 trat Heinrich Raspe wieder zurück und ließ sich durch eine Zuwendung von 25.000 Mark Silber für die päpstliche Partei gewinnen.

In selben Jahr erfolgte auch die Eventualbelehnung seines wettinischen Neffen Heinrich (des Sohnes seiner Halbschwester Jutta und Dietrich des Bedrängten, Markgraf von Meißen) mit der Landgrafschaft Thüringen, da auch Heinrich Raspes dritte Ehe kinderlos blieb.

Durch eine von Papst Innozenz IV. initiierte - und wahrscheinlich auch finanzierte - Wahl wurde Heinrich Raspe am 22. Mai 1246 in Veitshöchheim bei Würzburg zum Gegenkönig. Da er durch die Stimmen dreier geistlicher Kurfürsten - der Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier - plus eigene Stimme, sowie anderen Vertretern des geistlichen Hochadels zum König erhoben wurde, ging der Ludowinger als "Pfaffenkönig" in die Geschichte ein.

Am 5. August 1246 besiegte Heinrich Raspe ein Heer des Stauferkönigs Karl IV. bei Nidda in der Nähe von Frankfurt a. M. mit einer Streitmacht, die durch schwäbische Grafen und Ritter und vor allem durch päpstliche Gelder verstärkt wurde. Obwohl der Ludowinger erste militärische Erfolge gegen die Stauferpartei erzielte, konnte er sich im Reich nicht durchsetzen, da er von den großen weltlichen Fürsten nicht gewählt und in der Folge auch nicht akzeptiert wurde.

Nach vergeblicher Belagerung der Reichsstadt Ulm kehrte Heinrich Raspe im Winter 1246/47 nach Thüringen zurück, wo er auf der Wartburg am 16. Februar 1247 starb. Er war der letzte thüringische Landgraf aus dem Geschlecht der Ludowinger. Nach seinem Tod 1247 fiel die Landgrafschaft Thüringen an die Wettiner, die Markgrafen von Meißen.

Literaturtipps Werner Mägdefrau, Glanzpunkt des Mittelalters. Zur Kulturgeschichte der Landgrafschaft Thüringen 1130-1247, in: Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte, Band 2, 1995, S. 65-86

Peter Mast, Thüringen: die Fürsten und ihre Länder, Graz, Wien, Köln, 1992